Max Goldt – Die Chefin verzichtet

andrea · 24.01.2013 · Keine Kommentare
26. Januar 2013
20:00 Uhr
Kleines Haus, Dresden

„Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“ berichtete Max Goldt, Jahrgang 1958, Autor, Comic-Verfasser, Kolumnist, schon vor etwa 7 Jahren und er tut es noch immer. Mit großer Beobachtungsgabe und -lust erzählt er über Dinge, die wir so oft übersehen, in Worten, die sofort Bilder evozieren – oder provozieren. In seinem neuesten Werk „Die Chefin verzichtet“, erschienen im Herbst 2012 bei Rowohlt, erwähnt Goldt beispielsweise das Restbürgertum in Manufactum-Leinenanzügen, schreibt über Kinder in Matrosenanzügen, die dem „Kreiselpeitschen“ nachgehen und über Talkshowmoderatoren, -gäste & -zuschauer, die sich gegenseitig langweilen und doch Woche für Woche das Weltgeschehen bewegen, vermeintlich jedenfalls.

Max Goldt zu lesen, ist immer Vergnügen. Nicht nur, dass er in Vergessenheit geratene Worte reaktiviert, Hallodri zum Beispiel, Grobian oder Mauscheleien. Er tippt mit dem Finger in die Wunde Sprachverlust, betreibt stilvoll Stilkritik zwischen Satire und Klamauk, so dass man kichernd Bewusstwerdung betreibt – wenn man denn mag. Max Goldt lesend ist auch immer Vergnügen.

Das beste geistige Training ist der beständige Versuch, sich nicht nur an seinen letzten, sondern auch an seinen vorletzten Gedanken zu erinnern.

Da für die Veranstaltung am Samstag im Kleinen Haus nur noch eventuell Restkarten an der Abendkasse verfügbar sind, ist das hier weniger Veranstaltungshinweis als vielmehr Lesebefehl – egal für welches Goldtsche Werk man sich letztendlich entscheidet.

Mögliches Lebensmotto: ‚Na, dann eben nicht!’

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Josh Bazell: Schneller als der Tod / Einmal durch die Hölle und zurück

sebastian · 22.01.2012 · 1 Kommentar

Dass ich bisher noch keinen einzigen Beitrag für die Literatur-Kategorie verfasst habe, liegt nicht daran, dass ich keine Bücher lese. Ich lese sogar recht viel! Es fällt mir nur unglaublich schwer, über Bücher zu schreiben. Unterstreichungen mit Bleistift, Post-its oder Eselsohren, um die besten Sätze zu notieren, werdet ihr in meinen Büchern nicht finden (nur Kaffee-, Rotwein- und Leberwurstflecken). In der Regel weiß ich drei Tage nach Beenden eines Buches nicht mal mehr den Autoren oder den Titel. Jedenfalls bei den etwa zweihundertsiebenundachtzig Krimis, die ich in meinem Leben in deutschen Bahnhofsbuchhandlungen erstanden habe. Ab und zu passiert es aber, dass ich mir den Autoren merke, weil ich nämlich unbedingt am nächsten Tag los muss, um mir „alles“ von ihm zu kaufen. Zuletzt passiert bei Don Winslow und brandaktuell bei Josh Bazell.

Schneller als der Tod

Schneller als der Tod habe ich mir in Bremen gekauft (Danke, Motte, für den Tipp!) und während der Zugfahrt nach Dresden habe ich das Buch nur weggelegt, um zu Pinkeln. Noch am selben Abend war ich durch und Gott war ich happy, als ich recherchiert hatte, dass die im Anhang angekündigte Fortsetzung Einmal durch die Hölle und zurück gerade erschienen war.

Josh Bazell ist Arzt und Schriftsteller, was jetzt nicht so außergewöhnlich ist. Beide Berufsgruppen, so schrieb Marcel Reich-Ranicki einmal, seien „Fachleute für menschliche Leiden“. Prominente Beispiele sind Friedrich Schiller, John Keats, Georg Büchner, Anton Tschechow, Alfred Döblin und auch Schachtelsatzpresse Uwe Tellkamp.

Seine Hauptfigur Peter Brown aka Pietro Brnwa allerdings ist Mafiakiller und Arzt. Mafiakiller zwar nur noch im Ruhestand aka Zeugenschutzprogrammteilnehmer, aber das weiß nun jedes Kind: Mobster bleibt man bis zum Tod und nichts wünscht dir die „Familie“ sehnlicher, wenn du ihr den Rücken kehrst. Erst recht, wenn du den Sohn eines angesehenen Führungsmitgliedes umgenietet hast (oder das zumindest glaubst).

Scheiße also, dass die (versehentlich falsch) tätowierte Hartkante Dr. Brown unter seinen Patienten in dem ziemlich abgefuckten New Yorker Krankenhaus, in dem er arbeitet, plötzlich ein „Familien-Mitglied“ entdeckt. Logische Reaktion: Polnischer Abgang schnörkellos! Wenn da nur nicht der verdammte Eid des Hippokrates wäre…
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