MusicMatch: Beim „Reeperbahnfestival in klein“ trifft sich am Wochenende die sächsische Popkultur

sebastian · 20.04.2017 · Keine Kommentare

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MusicMatch ist der erste Ansatz seit Langem, Fragen der Musikszene in Sachsen, der Musikwirtschaft, der Politik, Verwaltung und des Publikums zu stellen und zu beantworten,“ heißt es auf der Website des Festivals mit angeschlossener Konferenz, die von heute bis Sonntag in der Dresdner Neustadt stattfindet.

Das stimmt: Seit dem Aus der „Leipzig (Pop Up“ im Jahr 2011 hat es ähnliches nicht gegeben. Mir fällt jedenfalls gerade nichts ein. Klar: So groß und überregional ausgelegt wie „Leipzig (Pop Up“ wird das/die (?) MusicMatch nicht. Vielmehr steht tatsächlich die sächsische Szene als solche im Mittelpunkt, zumindest beim begleitenden Festival, bei dem sich ausgewählte sächsische neben internationalen Acts präsentieren. Bei den Konferenzthemen geht es dagegen um Themen, die Solingen genauso betreffen wie Görlitz, Stuttgart genauso wie Leipzig. Darunter so spannende wie „Musik und Integration“, „Musik und Inklusion“ oder „Frauen in der Musikindustrie“, bei denen man sich eine große Zuhörerschar wünscht!

Der weite Bogen von popkulturpolitischen Themen über handfeste Workshops bis zum bunten musikalischen Programm in den drei Clubs scheune, GrooveStation und Ostpol lassen schnell an ein „Reeperbahnfestival in klein“ denken und schüren Bedenken ob des „Erfolgs“ (in Besucherzahlen gemessen). Aber eins gilt am Ende ja für jede Band, jedes Festival und überhaupt alles: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Warum zum Auftakt eines Festivals, bei dem sich vor allem die sächsische Musikszene präsentiert, mit Kristin Amparo eine Latin/Soul-Combo mit reichlich TV-Erfahrung aus Stockholm im Ostpol aufspielt, erschließt sich mir zwar auch nach drei Böhmisch Brauhaus nicht, aber irgendwie ist es ja auch sinnbildlich für unsere bunte Neustadt. Und die ist bekanntlich noch (!) das Zentrum der sächsischen Musikszene (Geht ablümmeln Fickpieschen, ConneWitz und TorGau!).

Also, geht dahin! Redet miteinander, übereinander, betrinkt Euch und lasst uns wissen, welche Bands ihr geil fandet! Dankeschön.

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Wie viel Geld bringt der umstrittene Tarif VR-Ö der GEMA ein?

sebastian · 28.02.2013 · Keine Kommentare

DJs brennen für Musik. Pausenlos. Das Leben ist eine einzige Playlist und jeder Titel braucht seine Sicherheitskopie und nicht jeder Titel passt in jede Playlist. Wir kaufen Sampler-CDs oder Alben und brennen einzelne Stücke davon auf das Disko-Repertoire oder die externe Festplatte. Wir bekommen Promo-CDs und ziehen eine Kopie auf den Rechner. In den seltensten Fällen spielen wir im Club Original CDs oder „Original“-MP3s.

Darum müssen Clubs auch einen Aufschlag auf die Gema-Gebühr zahlen, wenn DJs mit gebranntem Material oder MP3s auflegen. Schließlich besteht immer das „Risiko“, dass wir die Original-Tonträger (oder MP3s = Lizenzen) gar nicht selbst erworben haben. Noch ist das! Künftig soll sich das ändern. Nicht mehr die (eh gerade schon blutenden) Clubs sollen den vermeintlichen Kopie-Verlust-Ausgleich bezahlen sondern die DJs selbst. Ein wahnwitzige Idee, die wirklich nur Fragen und Kopfschütteln aufwirft und am Ende wirklich niemandem etwas bringt?

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Stadtteilfeste müssen nach GEMA Tarifreform 3 Cent mehr je Besucher zahlen

sebastian · 06.09.2012 · Keine Kommentare

Im Zuge der GEMA Reform wird mehrfach auch die Befürchtung geäußert, es könne kleine Stadt- oder Stadtteilfeste hart erwischen. Auch Magnus hat ja sowohl gestern hier als auch heute in der DNN entsprechendes gesagt. Das hat mich jetzt doch neugierig gemacht und ich habe mal zwei Beispiele durchgerechnet. Ergebnis: Ja, sie müssen mehr bezahlen, und klar bedeutet jeder Euro Mehrkosten eine Gefahr für diese Feste. Doch ganz so hart kommt es dann vielleicht doch nicht?

Stadtfeste sind nicht von der neuen Zeitregelung betroffen und erhalten außerdem 15% Rabatt, wenn sie nicht der Gewinnerzielung dienen (also z.B. Hechtfest). Es bleibt außerdem dabei, dass Stadtfeste auch nach den tatsächlichen Besuchern abrechnen können. Diese werden dann in die Quadratmeterfläche umgewandelt, die man für die entsprechende Besuchermenge bräuchte nach dem Schlüssel 1,5 Personen je Quadratmeter.

Stadtteilfeste ohne Gewinnerzielungsabsicht zahlen etwa 3 Cent je Besucher mehr.

Gar nicht betroffen ist übrigens die BRN, wo jeder Standbetreiber selber zahlen muss, da es keinen Gesamtveranstalter gibt. Hier zahlen kleine Standbetreiber mit bis zu 100qm sogar weniger (zwischen 1,00 € und 3,50 €).

Ob die Kosten für die Feste allgemein gerechtfertigt sind, will ich nicht diskutieren, Existenzen dürften aber kaum ernsthaft bedroht sein. Ich bin bekannterweise weiß Gott kein Freund der GEMA. Aber mir purer Polemik sollte man trotzdem vorsichtig sein.

Beispiel A: 3.000qm (oder 4.500 Besucher)*
Früher 394,10 €
Neu 110,00 € + 550,00 € = 660,00 € – 99,00 € = 550,00 €
Mehrkosten: 156,00 € (= 0,03 Euro je Besucher oder weniger als 20,00 Euro je Fress-/Trinkbude**)

Beispiel B: 10.000qm (oder 15.000 Besucher)* 

Früher 394,10 + 14*65,60 = 1312,50
Neu 110,00 + 95*22,00 = 2090,00 € – 313,00 € = 1777,00 €
Mehrkosten: 464,00 EUR (= 0,03 Euro je Besucher oder weniger als 20,00 Euro je Fress-/Trinkbude**)

*Die Berechnungsgrundlage heute findet ihr hier, die geplante hier.

**Geschätzt nach dem Schlüssel „je 500 Besucher 1 Stand“

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Gema zur Demo zur Gema, ich bleib leider daheeme

sebastian · 05.09.2012 · 2 Kommentare

Morgen findet in Dresden eine Demonstration gegen die GEMA Tarifreform statt. Wer dieses Blog aufmerksam liest, würde sicherlich erwarten, dass ich mich da als ewiger GEMA Kritiker anschließe. Tu ich aber nicht. Abgesehen davon, dass ich derzeit kniebedingt nicht mitlaufen könnte, tummeln sich im aktuellen Umfeld der GEMA-Kritiker viel zu viele Scharfmacher, Selbstdarsteller und schwammige Forderungen.

Statt sich auf die unsägliche Tarifreform im Bereich der Tanzveranstaltung zu konzentrieren, wird gleich die große Revolution ausgerufen. Das lenkt nur ab, macht aus einer konkreten Notwendigkeit ein Spektakel und löst bei mir großes Unbehagen aus, ob es da wirklich noch um eine Sache geht oder um persönliche Selbstdarstellung. Damit meine ich nicht vorrangig Dresden (anderswo ist es weitaus schlimmer), aber auch. Wer hier so in den letzten Monaten plötzlich massiv laut geworden ist, ohne sich mal eingehend mit der Materie zu beschäftigen, das hatte eindeutig mehr mit Populismus als mit Popkultur zu tun.

Ein harmloses Beispiel an anderer Stelle: Im Forderungskatalog der Global Space Odyssey Leipzig (Leider nur mit Privatprofil auf Facebook unterwegs) findet sich neben der (absolut in die richtige Richtung gehenden) Forderung nach einer Nettoabrechnung plötzlich die Forderung nach Sondertarifen für „Konzert mit Nachwuchskünstlern“. Das ist leider theoretisch und praktisch absolut Überflüssig, denn

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Interview mit GEMA Sprecherin erhitzt Gemüter. Und womit? Mit…

sebastian · 24.06.2012 · 1 Kommentar

…Urheberrecht!

Ach man, das hört nicht auf mit dem Kommunikations-Desaster GEMA. Ein Interview der Berliner Zeitung mit GEMA Sprecherin Gaby Schilcher erhitzt derzeit die Gemüter (Danke an Spreeblick für die Verlinkung). Und das durchaus zurecht. Es ist schon bezeichnend, dass man der Sprecherin einer musikalischen Verwertungsgesellschaft erklären muss, dass am Ende der Ton der Musik macht.

Nehmen wir nur diesen Teil:

BZ: Die Gema-Einnahmen sind 2011 um 38 Millionen auf 825 Millionen Euro gesunken. Will die Gema die Verluste aus dem Tonträgerbereich durch die Belastung der Veranstalter ausgleichen?

GS: Nein. Das Tonträgergeschäft ist in der Tat vor zehn Jahren mit der Geburt von Napster stark eingebrochen. Aber der Veranstaltungsmarkt boomt, weil Künstler weniger Platten verkaufen und mehr touren, er macht gut ein Drittel der Gema-Einnahmen aus. Den Tonträgermarkt sollte eigentlich der Online-Bereich kompensieren, Youtube und Konsorten, die seit Jahren nichts bezahlen. Die neuen Tarife zielen aber nicht auf höhere Einnahmen. Wir sind froh, wenn wir auf Null kommen.

Stark eingebrochen? Konsorten? Nichts da stark eingebrochen! Jedenfalls nicht die GEMA Einnahmen insgesamt. Und nichts da böses Napster. Und wer sind Konsorten? Ich, der ich brav für einen Tag Web-Radio meine Beiträge fürs Streamen von Musik bezahlt habe? Oder Simfy und Spotify, die doch angeblich alle Deals mit der GEMA haben?

Egal! Die Einnahmen der GEMA sind auf jeden Fall alles andere als kontinuierlich am Sinken wie unten stehende Grafik zeigt. Und für fehlende Umsatzbeteiligung sollte man sich vielleicht eher mal bei den Banken beschweren als bei Shawn Fanning. Warum – gott verdamme – muss selbst ich als Mitglied der GEMA (als Verleger nicht als Komponist) und klarer Bekenner eines starken Rechts für Urheber mich immer wieder so aufregen?

PS: Nein, liebe Piraten, ich wähle Euch trotzdem nicht!

PPS: Grafik kann frei geteilt werden! Backlinks sind aber gerne gesehen :D

 

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Die elektronische Musikszene als klarer Verlierer des GEMA-Verteilungsplans

sebastian · 07.06.2012 · 3 Kommentare

Der folgende Text ist eine Koproduktion von mir und Frank Trepte und ein Beitrag für das Begleitheft zur kulturpolitischen Demo Global Space Odyssey am 21.07. in Leipzig.

Die elektronische Musikszene als klarer Verlierer des GEMA-Verteilungsplans

Das Urheberrecht legt unter anderem fest, dass niemand einen Song aufführen, aufnehmen oder senden darf, ohne den oder die Urheber (Komponisten/Texter) zu fragen. Das klingt sicher für die meisten Musiker sehr logisch. Ebenso logisch ist es aber auch, dass rein praktisch gar nicht jeder Musiknutzer jeden Urheber fragen kann. Es kann nicht jeder Radiosender, jede Disko, jeder Solariumbetreiber bei jedem Komponisten anfragen, ob er die Musik spielen darf und eine entsprechende Vergütung verhandeln.

Darum gibt es die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Als staatlich anerkannte Treuhänderin verwaltet sie die Rechte von über 64.000 Mitgliedern, aufgrund von Wahrnehmungsverträgen mit ausländischen Verwertungsgesellschaften zusätzlich von etwa zwei Millionen Berechtigten im Ausland. Die GEMA sorgt dafür, „dass das geistige Eigentum von Musikschaffenden geschützt und sie für die Nutzung ihrer Werke angemessen entlohnt werden.“ Soweit so gut. Leider gibt es aber sowohl bei der Erhebung der Gebühren als auch bei der Verteilung der Einnahmen an die Urheber mehrere Haken. Zu den klaren Verlierern dabei zählt die elektronische Musikszene. Ausgerechnet hier wird die kräftige Erhöhung der Lizenzgebühren ab 2013 am deutlichsten zu spüren sein. Einige Clubs fürchten eine existenzbedrohende Mehrbelastung.
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Vereinfacht ja, verbessert nein: Neue GEMA Tarife mit altem Systemfehler und einer bösen Ohrfeige für Techno

sebastian · 14.04.2012 · 18 Kommentare

Am 02.04. veröffentlichte die GEMA eine neue Tarifstruktur für Tanzveranstaltungen (mit oder ohne Livemusik), die nicht reine Konzerte sind und ab 2013 gelten soll. Für reine Konzerte wurde bereits 2012 eine neue Regelung wirksam, nach der nicht mehr die potentielle Zuschauerzahl entscheidend für den zu entrichtenden Beitrag ist sondern die tatsächlichen Einnahmen, was für viele – gerade kleine Veranstalter – zwar etwas mehr Arbeit bedeutet, aber das finanzielle Risiko für schlecht besuchte Konzerte entscheidend gesenkt hat.

Wegfall der Discothekenpauschale: Hartes Brot für Großraumveranstalter 

Soweit ist die GEMA bei den neuen Tarifen für Tanzveranstaltungen nicht gegangen. Hier gelten immer noch Pauschalen in Abhängigkeit von Größe und Eintrittspreis. Neu sind der Wegfall einer Pauschale für Discotheken und eine höhere Gewichtung der (potentiellen) Einnahmen. Das kommt zwar den kleineren Clubs entgegen, nimmt alle Clubs mit mehr als 200qm (also ab ca. 400 Zuschauer) jedoch ziemlich böse an die Kandare. Vor allem die Gebühren für Veranstaltungen, die länger als 5 Stunden dauern (also vor allem Events mit jungem Publikum und auch viele originelle Ansätze), werden unangemessen teuer.

Sowieso aber widerspricht der Gedanke „Mehr Einnahmen = Höhere GEMA Gebühren“ in meinen Augen jeder Logik! Denn:

Was haben die Umsätze mit den Urheberrechten zu tun? Ein kleiner Exkurs 

Obwohl ich bekanntlich eher ein „Anwalt der Urheber“ bin als Piratenpartei-Wähler,  finde ich die Berechnung nach Einnahmen mehr als unlogisch. Egal, ob „potentielle“ oder „tatsächliche“ Besucherzahl: Auf die Höhe der Einnahmen haben die Urheber der aufgeführten Musik so gut wie keinen Einfluss.

Beispiel: Wenn ich 20 Beatles-Lieder live auf dem Kamm blase, dann zahlen dafür vielleicht 5 Menschen eine Mark aus Mitleid. Wenn Herbert Grönemeyer im Duett mit Farin Urlaub die selben 20 Beatles-Lieder aufführte, zahlen wahrscheinlich locker 2.000 Leute ihre 25,00 Euro. Lennon / McCartney hätten an beiden kulturellen Highlights den selben Anteil. Wenn ein jugendlicher Dorf DJ die gleichen 100 Techno-Titel* in einer verranzten Schulaula spielt wie ein weltweit angesagter Szene DJ in einem Münchner Laden mit Mega Soundanlage, Swimming Pool, moderner Lightshow und jede Menge Tänzerinnen, dann bleibt die Leistung der Urheber (= Komponist = Im Techno meistens Artist/Producer“) die selbe. Die Menschen zahlen nicht nur – in Clubs nicht mal vordergründig – wegen der Songs mehr oder weniger Eintritt. Sie kommen (und zahlen) wegen der Interpretation! Das musikalische Fundament ist dasselbe, der höhere Eintrittspreis ist abhängig von Location, Soundanlage, Lightshow, beteiligten Personen, Publikum, Lage des Clubs und und und..

In meinen Augen wäre es die einzig gerechte Lösung, wenn je Besucher ein Betrag X (z.B. 0,15 Euro) an die Urheber gehen würde, egal wann und wo und in welchem Ambiente. Aber damit:

Back to Reality – Die neuen Tarife unter der Lupe

Die GEMA argumentiert anders. Sie sagt, ohne die musikalischen Urheber könnte das Ambiente noch so fett sein: Tanzen tun die Leute am Ende doch alleine wegen der Musik! Und somit sollte auch der mehr zahlen, der mehr mit dieser Musik verdient. Dem wurde der bisherige Pauschalvertrag nicht gerecht. Auch die Einzelabrechnung war für viele kleine Veranstalter ziemlich teuer. Aus einem Dutzend Tarifen wurden nur noch zwei. Das ist genauso begrüßenswert wie die Tatsache, dass es für kleine Veranstaltungen tatsächlich preiswerter wird.

Bei der GEMA heißt es dazu:

Die Tarifanpassung führt in der Folge bei nahezu allen Veranstaltungen mit geringen Raumgrößen und moderaten Eintrittsentgelten zu deutlichen Vergünstigungen. Für größere Veranstaltungen bringt die Tarifanpassung eine höhere Vergütung mit sich. Zu den Zielen der neuen Strategie gehören insbesondere die Ausgewogenheit der Tarifstruktur sowie die Vereinfachung der Tariflandschaft.

So jedenfalls die Theorie. Und so weit stimmt das! Auch wenn das Wort „deutlich“ eindeutig in der Spalte verrutscht ist. Leider beinhalten die neuen Tarif neben der allgemeinen Unlogik des Systems (siehe Exkurs oben) einen gravierenden Fehler: Events, die länger als 5 Stunden dauern, zahlen einen gewaltigen Aufschlag von 50% für jeweils drei Stunden mehr. Das bekommen vor allem große Clubs zu spüren, die bisher vom Pauschalsatz profitierten. Ganze besonders dann, wenn sie mehr als zwei Veranstaltungen in der Woche ausrichten!

Ihr wollt Zahlen sehen? Machen wir ein paar Rechenbeispiele auf!
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Does Internet kill the Musik-Mittelschicht?

sebastian · 26.03.2012 · 4 Kommentare

Nachdem ich mich ja bereits zur aktuellen Diskussion um die Verdienstmöglichkeiten von Musikern im Netz geäußert hatte, wollte ich eigentlich auch noch einen Beitrag schreiben zum Thema „Das Ende der kreativen Mittelschicht“. Denn genau das ist derzeit größte Problem Phänomen. Es gibt nicht weniger Bands oder Musiker (eher mehr) und die großen Acts tragen sich in der Regel alleine durch Ansprüche aus Urheber- und Leistungsschutz gegenüber der GEMA und der GvL. Dafür sorgt alleine das Radio.

Was aber derzeit völlig den Bach runter geht ist die kreative Mittelschicht. Bands, die früher mal 10.000 bis 20.000 LPs oder CDs verkauften, krebsen heute bei Verkäufen um die 1.000 bis 2.000 und bekommen trotzdem nicht annähernd so viel mehr Live-Gage, um dieses fehlende Geld zu kompensieren. Und es kann nicht verleugnet werden, dass das Internet dem klassischen Geschäftsmodell der Indie-Labels den Garaus macht(e). Denn im Gegensatz zu Major-Labels arbeiteten Indies in 99% der Fälle ohne Künstlerexklusivverträge oder angeschlossene Verlage und verdienen somit ausschließlich am Verkauf von Tonträgern. Aus diesen Erlösen konnten sie immer wieder auch vielen Newcomer-Acts ordentliche Produktionen bezahlen (oder vorschiessen). Und diese Erlöse fehlen heute.

Ich will nicht darüber urteilen, ob das gut ist oder schlecht (oder egal)! Ich stelle zunächst mal fest, dass es so ist. Darüber sind sich ja auch eigentlich alle einig! Die Schlussfolgerungen sind aber eben ganz andere (siehe Regener versus Effenberger). Deswegen interessiert mich vor allem Eure Indiemeinung. Ihr seid sie Musiker, Labels und Fans, um die es geht!

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Böses Internet versus Wach mal auf: Unentschieden im Urheberrechtsstreit der Woche

sebastian · 23.03.2012 · 4 Kommentare

Sven Regener, hoch geschätzter Autor und Songwriter, regt sich auf. In einem Radio-Interview zum Thema Urheberrecht und Kostenlosgesellschaft im Internet geht der Gaul mit ihm durch. Dabei sagt er einiges richtiges, findet aber leider keinen roten Faden und verfällt daher teilweise in eine ziemlich platte „Böses Internet“ Nummer.

Eigentlich – so lese ich es jedenfalls zwischen den Zeilen – regt er sich vor allem darüber auf, dass es mittlerweile selbst in Underground-Kreisen schicker ist, einen milliardeschwerden Konzern (Youtube aka Google) zu supporten, als sich für eine faire Verwertung von Urheberrechten einzusetzen. Dabei driftet er aber völlig ab und verurteilt die Kostenloskultur im Internet als Keimzelle des kulturellen Untergangs. Das ist natürlich Unsinn! Und so war ich durchaus gespannt, als ich dann direkt abends über twitter auf den BeitragSven Regener, du erzählst Unsinn, und ich erklär dir, warum“ gestossen bin. Verfasst hat den Blogpost Fritz Effenberger, ehemaliger Indiemucker und Schreiber eines Fanzines meiner Jugend (Trust) und heutiger Tech-Journalist.

Leider (!) erklärt Fritz in seinem Beitrag eher wenig. Er sagt:

Das Internet ist kein Plattenladen. Sorry, aber da habense dich angelogen. Das Internet ist statt dessen so eine Art Radio- oder Fernsehsender. Merkt man schon daran, dass es Strom braucht. Du kannst da Sachen draus “aufnehmen”, wie beim Radio, aber nichts draus wegnehmen (“stehlen”).

Was Regener fordert:
Keine kostenlosen Downloads
Faire Vergütung für Streams

Was Radiosender tun:
Faire Vergütung für Streams [1 (Song) :n (Hörer)] / Minute (via GEMA)

Was Online Streaming-Dienste tun:
Bedingt faire Vergütung für Streams [n (Songs) : n (Hörer)] / Minute (Via GEMA und Vertrieb)

Wie ich Fritz Effenberger verstehe:

Musiktitel im Netz sollten möglichst immer und jedem kostenfrei zur Verfügung stehen. Jeder Nutzer sollte pauschal bezahlen und davon sollen dann die Künstler im Verhältnis ihres Anteils am Download- und Streamingvolumen bezahlt werden. Das ist aber blanke Theorie und bedürfte einer kompletten Urheberrechtsnovelle. Und zwar auch noch einer nur für die Sparte Musik. Und eine, bei der wir plötzlich alle den gleichen Beitrag zahlen, egal ob wir 1 Titel im Monat hören oder 10.000. Man kann das Flatrate nennen. Oder Musiksozialversicherung. Als Erklärung dafür, dass Regener Unsinn erzählt (was er an einigen Stellen durchaus tut) taugt es nicht. Aber weiter:

Es gibt kein Musikloch seit 15 Jahren, sondern geile neue Genres, die du aber wohl verpasst hast, weil du ja lieber Bekanntes hörst. Kein Problem damit, hör was du willst, aber beschwer dich nachher nicht, es gäbe nichts Neues, das so klingt wie das Alte. Ich hör inzwischen Dubstep, und hab auf dieser Grundlage ne neue Gitarrenband angefangen.

Was das jetzt erklären soll, weiß ich überhaupt nicht. Die meisten Beschwerden über freie Downloads im Netz höre ich von Techno-und Electro-Artists. Deren MP3s werden im „schlimmsten“ Fall weltweit in Clubs gespielt, aber sie bekommen eben nicht einen Cent dafür. Klar, die Reputation steigt und wer auch als DJ unterwegs ist, profitiert eindeutig, aber es gibt halt auch ne Menge reiner Producer. Jedenfalls dürfte es mehr kostenlose Downloads von Dubstep-Titeln geben als von deutschsprachigem Indierock. Als Erklärung dafür, dass Regener Unsinn erzählt (was er an einigen Stellen durchaus tut) taugt es nicht.
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Spotify, Gema, Youtube, Embedding-Gebühren für Blogger: Neues aus dem Rechte-Dschungel

sebastian · 12.03.2012 · Keine Kommentare

Streaming ist Streaming ist… Naja, eben nicht immer gleich Streaming!

Nahezu jeder Musiker, den ich kenne, fordert derzeit eine Beilegung des Streits zwischen GEMA und Youtube und ist dabei offenbar bereit, auf eventuelle Lizenzeinnahmen zu verzichten, hauptsache die Videos werden gezeigt. Deichkind findet klare Worte:

Ob Plattenfirma, Youtube oder GEMA, egal wer dafür verantwortlich ist. Wir wollen, dass unsere Videos zu sehen sind. Regelt euren Scheiß jetzt endlich mal und macht eure Hausaufgaben.Ihr seid Evolutionsbremsen und nervt uns alle gewaltig..

Anders sieht die Sache dagegen aus, wenn es um den Dienst Spotify geht. Morgen startet auch hier der weltbekannte  Streaming-Dienst und halb Musikerschland hasst den Dienst schon jetzt. „Ausbeuter, Abzocker, Verbrecher“ sind noch die nettesten Komplimente. Die Payouts je Stream sind halt wirklich nicht gerade üppig. Aber: Es gibt eben welche! Bodi Bill haben mal vorgerechnet, dass sie von jedem iTunes Download 0,19 Euro erhalten, während sie für jeden Stream bei Spotify 0,0013 Euro erhalten. Das heißt, user müssen einen Song bei Spotify über 100 Mal hören, bis das selbe Ergebnis rauskommt. Oder aber: 10 User hören je 15 Mal einen Song..

Diskussion 1: Was ist einfacher: 15 Leute zum Streamen zu bewegen oder einen zum Kauf einer MP3? Und ist Youtube wirklich keine Konkurrenz zur MP3-Sammlung, aber Spotify schon? Kann man sich streiten, tut man auch!

Gema-Gebühren für Youtube-Videos in Blogs? 
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