Soundcheck: Moth

kristin · 26.07.2012 · Keine Kommentare

Schwer und dunkel schieben sich die Töne aus den Lautsprechern, entschleunigen und tropfen langsam zu Boden. Meine Droge für diesen Sommer: Trippy, heavy Musik aus Dänemark.

»it’s important to slow down when the world stops«

 
Nachdem ich vor einiger Zeit Intelligent Pushing einigermaßen blind und anhaltend hoffnungslos verfallen bin, musste ich nach frischem Stoff nicht weit suchen: Andreas Bjerring, der als Dynamic H bei Intelligent Pushing Synthies, Effektgeräte und Keys bedient, ist seit 2010 eine Hälfte des Trip-Hop/Alternative/Industrial-Projekts Moth. Komplettiert wird das Duo durch die Sängerin Unnur Cara, die ursprünglich aus Island stammt. Dort sang sie Musicals und Opern, bevor sie sich den Genres Jazz und Blues zuwendete.

Mit ihrer kraftvollen Stimme kämpft sich Unnur in der Schattenwelt von Moth durch naheliegend düstere Zustände und Gefühle – Depression, Hilflosigkeit, Selbstzweifel – sie lässt nicht locker und wiederholt mit Nachdruck und fast schon dämonischer Wirkung jene Zeilen, die besonders schmerzen.

»something dies when you come inside / killing the self-blamed shame in me«

Die schwere, düstere Atmosphäre von Moth ist in einer markanten musikalischen Handschrift verfasst, die vor allem mit der sirenenhaften Endzeitstimmung von Sickamore Mire und durch die Klavierpassagen in ‚Round Midnight deutlich auf den Sound von Intelligent Pushing verweist und damit wohl eindeutig Andreas zugeordnet werden darf.

Im März dieses Jahres haben Moth auf Bandcamp ihre Debüt-EP (zum kostenlosen Download!) veröffentlicht. Neben den fünf eigenen Stücken haben sie sich für ‚Round Midnight vom gleichnamigen Song des amerikanischen Jazzpianisten und -komponisten Thelonious Monk „heavily“ inspirieren lassen. Außerdem haben sich Moth mit Bob Dylans Forgetful Heart einen Coversong ausgesucht, dem das Nacht(falter)gewand ausgezeichnet steht.

 
»why can’t we love like we did before?«

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Soundcheck: Intelligent Pushing

kristin · 07.07.2012 · Keine Kommentare

»Gibt’s das auch auf Englisch?«

Ob es am ungewohnten Klang der dänischen Sprache lag oder an der Unfähigkeit, zu verstehen, um was es da geht? Mein erster Gedanke zum gerade veröffentlichten Album „Starten På Slutningen“ von Intelligent Pushing aus Kopenhagen erscheint mir inzwischen jedenfalls ziemlich dumm. Nein, das gibt es nicht auf Englisch. Warum auch?!

Funktioniert Sprache tatsächlich als entscheidendes Ausschlusskriterium, speziell bei einem so textintensiven Genre wie Hip-Hop? Oder können die Musik, der Klang der Worte und deren Betonung ausreichen, um Inhalt und Attitüde zu übermitteln? Ich verstehe nach wie vor nichts von dem, was Intelligent Pushing zu sagen haben – na gut hin und wieder ein „fuck“ und irgendwas mit Drogen –, kann aber trotzdem nicht mehr aufhören, die gesamte Diskografie der Dänen durch Kopfhörer und Boxen zu jagen. Meine Vorbehalte haben sich in einem düsteren Labyrinth aus Trip-Hop, Industrial, Jazz und Blues verloren, zwischen haushohen Bassgrooves, schwerfälligen Beats und einer Stimme, die eine fremde Sprache spricht. Du fucking magic! Ich wüsste zu gern, um was es wirklich geht. So aber erschaffen Intelligent Pushing für mich eine beklemmende Endzeitkulisse, in der schmerzverzerrte Gitarrenwinde um die Ecken pfeifen und sich Effektgesindel durch das fahle Licht vereinzelter Keyboardmelodien schleicht. Spart euch das Geld für den Dopedealer, investiert es in Intelligent Pushing!
Anspieltipps: Epicenter, Method

Bei Intelligent Pushing textet und rappt übrigens Manky (Bandcamp), der auch mit Bottled in England auf der Bühne steht (am 6.10. zum Beispiel in der Chemiefabrik in Dresden!) weiterlesen…

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