Ein Ziegelstein für Dörte

andrea · 14.06.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Die Aufholjagd läuft! Wirklich!) Rückblick #8

Volker Strübing (der hinterlegte Link verbirgt sein lesenswertes Blog) ist in der deutschen Poetry Slam Szene wahrlich kein Unbekannter. Er fühlt sich nicht nur auf Lesebühnen zuhause, sondern ist auch Vater der Gedanken von Kloß & Spinne. Mit Kirsten Fuchs bereiste er nicht den Süden, was dann sogar auf 3sat gezeigt wurde. In seinen Texten werden Alltagsthemen in ihrer Absurdität betrachtet, das ist vordergründig unheimlich lustig, eigentlich aber tragisch. Und so fabuliert er über Städte, die das Grau erfunden haben, von vergilbten Herzen und Treibgut auf dem Meer aus Einsamkeit, stiftet aber auch zur Verbreitung von Chaos im Universum an, indem der erheiternde Gedanke, Bücher in Bibliotheken falsch einzusortieren, wirklich eine Überlegung wert ist – mit dem Wissen im Hinterkopf, dass man selbst fluchend und polternd die nächste Bibliotheksangestellte anfahren würde, sollte man ein Buch suchen. Auch der Tipp, anderen die Unschuld zu nehmen, um sie aufs eigene Unschuldskonto einzahlen, verdreht herrlich die Perspektive. In Ein Ziegelstein für Dörte sammeln sich verschiedene Kurzgeschichten. Eine Reise von Berlin nach Amsterdam wird haarsträubend atemlos erzählt, es gibt schließlich keine Verwendung für ein Bremspedal. Die Ausdruckskraft von Fleischsalat hat vor Volker Strübing nach meinem Kenntnisstand auch noch niemand hinterfragt, dabei ist es doch naheliegend, dass das Mitbringen von Lieblingsspeisen für die Partnerin die eingeforderte Wortgruppe Ich liebe dich mehr als ersetzt.

Fazit: amüsante Kurzweil für alle, denen Sprachduktus und überbetonter Vortragsstil bei Poetry Slams auf die Nerven geht, die auf die Inhalte dieser Veranstaltungen aber nicht verzichten mögen.

Der oben stehende Hinweis auf Kloß & Spinne sei hiermit nochmals bekräftigt. Denn Norbert erklärt darin die Welt. Hihi, das ist lustig.

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Die Poeten der Nacht

andrea · 13.06.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Die Aufholjagd läuft!) Rückblick #7

Niall Lenihan, Dank Stipendium Literaturstudent am ehrwürdigen Trinity College in Dublin, trifft auf eine Gruppe Verwirrter Mitstudenten, die einem seltsamen Kult frönen: Stelle eine (gern auch unbedeutende) Frage und erhalte darauf die Antwort durch eine willkürlich gewählte Textpassage. Dein Leben wird fortan aus Trancezuständen, Hedonismus und Geheimbundparanoia bestehen. Dass sich Niall bei diesen Aktivitäten von einem Durchschnittsleben entfernt, ist nachvollziehbar. Obsessiv und an Wahnvorstellungen leidend, schlägt sich der Junge durch das Dubliner Nachtleben und teilt (mit) dem Leser seine zunächst unklare, dann aber thematisch überstrapazierte Homosexualität (mit). Der Leser aber leidet im Gegensatz zum Protagonisten kaum an Schlaflosigkeit, dafür ähneln sich wiederkehrende Handlungen und Aussagen in zu ermüdendem Ausmaß. Niall bleibt nicht nur wegen des ungesunden Lebens, das er führt, reichlich blass. 425 Seiten lang wartet man auf Erkenntnisse oder überraschende Wendungen. Leider umsonst.

Sich geradezu überschlagenden Pressestimmen wie:
»Ein bisschen Eco, ein wenig García Márquez, eine Prise Joyce, Nabokov und Proust – mit „Die Poeten der Nacht“ ist Barry McCrea ein äußerst kluger Roman über die Welt der Bücher gelungen.« sind in meinen Augen völlig haltlos. Oben genannten Autoren gelingt es tatsächlich, Charaktere zu schaffen und nicht Schatten; Geschichten zu erzählen, ohne sich dabei in Wiederholungen zu verlieren und über viele hundert Seiten die Spannung zu halten – ganz ohne zwanghafte Konstruktion turbulenter Ereignisse.

Und so reicht es, Die Poeten der Nacht irgendwo in der Mitte aufzuschlagen und die nächsten zehn Seiten zu lesen. Danach ist es nur noch Wiederholung.

Wer die Vermengung von College & Sprachexperimenten sucht, ist mit Die geheime Geschichte oder Der Club der toten Dichter weit besser beraten. Wer in Dublin bereits auf Entdeckungstour war und auch das Trinity College kennt, wird sich irgendwie durch das Buch hangeln können. Auf meinem Exemplar wird sich ab heute wohl Staub absetzen. Sollte mein Blick nochmals darüber schweifen, wird es lediglich Erinnerungen an einen Dublin-Trip hervorrufen, die Geschichte selbst haben die Poeten der Nacht bzw. Autor Barry McCrea ohne Nachhall verfasst.

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Als wir unsterblich waren

andrea · 15.05.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Ich hole mit der verbalen Rückschau langsam auf!) Rückblick #6

24 Stunden auf 341 Seiten auszubreiten, muss man erstmal hinkriegen. Tony Parsons schafft das in Stories We Could Tell problemlos und beschreibt darin die Erlebnisse von drei Halbstarken namens Terry, Leon und Ray im wilden London der Siebziger. Die Jungs, kaum volljährig, sind Redakteure beim Musikmagazin The Paper, treffen die Stars und Wracks der Zeit, es geht um Sex, Rock’n’Roll, Elvis, Hausbesetzungen, Frauenrechte, Neonazis, John Lennon, Emanzipation, Gewalt und einiges mehr. Ganz schön viel in 24 Stunden. Kein Wunder, dass scheinbar alle ununterbrochen auf irgendwelchen Trips sind. Durchaus ein Wunder, dass alle drei in einer Nacht die temporäre Liebe ihres Lebens treffen (Fotografin, verheiratete Managerfrau, Discogirl) und weitreichende Entscheidungen fällen (Auszug aus dem Elternhaus, Rückkehr ins Elternhaus, Gründung einer eigenen Familie). Es ist der Tag, an dem Elvis stirbt, John Lennon von Ray interviewt wird und die Jungs quasi über Nacht erwachsen werden.
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Auf wilder Schafsjagd

andrea · 10.05.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Und ich hänge mit der verbalen Rückschau immer noch ganz schön hinterher.) Rückblick #5

1982 schrieb Haruki Murakami Wilde Schafsjagd, 1991 wurde das Buch ins Deutsche übersetzt, zwanzig Jahre später wird es aus einer Entrümpelungsaktion gerettet und ich beginne, zu lesen. Schnell zu lesen.

Wer mit Murakamis Schaffen halbwegs vertraut ist, kennt die Komponenten Jazz, Bars, schöne Mädchen und stumme, melancholische Gedanken über ziemlich durchschnittliches Dasein. Nicht jeder erhält in Murakamis Geschichten auch einen Namen. Es regnet viel und ausdauernd ins Grau der Zivilisation. Mit wenigen Sätzen zeichnet der Autor die Stimmung eines Landes zwischen Tradition und Anonymität der Moderne.

„Fahrgäste, verbunden durch dicke Bande aus Desinteresse und Langeweile. // Sein Gesicht war so ausdruckslos, dass er jederzeit unmaskiert einen Bankraub hätte begehen können. // Werbetafeln am Straßenrand verkünden ohne Unterlass Nachrichten an nichts und niemanden.“

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Tino Hanekamp gibt eine Party

kristin · 02.05.2011 · Keine Kommentare
13. Mai 2011
20:30 Uhr
scheune, Dresden
VVK 5 € / AK 7€

Es folgen Rückblick und Ankündigung in einem, denn Mitbegründer, Miteigentümer und Programmchef des Hamburger Clubs Uebel & Gefährlich, Tino Hanekamp, hat ein Buch geschrieben, seine Lesereise führt ihn auch nach Dresden und ich habe So was von da schon mal gelesen:
Oskar Wrobel, Clubbetreiber – jung, beliebt, verschuldet, erpresst und verkatert sucht nach dem, was wichtig ist. Sein Club wird abgerissen, in der Silvesternacht (ausgerechnet!) steigt die große Abschiedsparty. Und Oskar denkt immer nur an seine erste, einzige und große Liebe – Mathilda. Wie langweilig! Tausendmal gelesen. Dachte ich. Aber sieht eben verdammt gut aus … (der schwarze Buchschnitt!) weiterlesen…

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Wieviel Trauer passt in einen Menschen?

kristin · 21.04.2011 · Keine Kommentare

Im ausverkauften Thalia stellte Dirk Bernemann am 10. März seinen neuen Roman Vogelstimmen vor. Verrückter Abend; Ich muss immer noch grinsen, wenn ich an die Reaktion des Autors auf einen kleinen Un/mfall zurückdenke. Und an den einen oder anderen Text, der Eindruck hinterlassen hat.

Aus Vogelstimmen wurde an diesem Abend gar nicht so viel gelesen, aber das macht nichts. Romane liest man eh am besten komplett und selbst.

Nach Satt. Sauber. Sicher. ist Vogelstimmen anders, als ich es erwartet habe. Nicht mehr so derb, stiller und ein bisschen reifer. Neben grober Metalmusik läuft in diesem Buch auch mal was von Ólafur Arnalds und zuckersüße Popmusik.
Mein Exemplar von Vogelstimmen musste eine Menge Eselsohren einstecken, denn auch hier stolpert man immer wieder über die geliebten bernemannschen Satz- und Wortkunstwerke, die im Kopf Bilder malen und im Herzen ein kleines bisschen zustechen. weiterlesen…

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Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen

kristin · 19.04.2011 · Keine Kommentare

Alle sieben Wellen ist Daniel Glattauers Fortsetzung von Gut gegen Nordwind. Trotz aller Vorurteile, die sich beim Wort „Fortsetzung“ so auftun, kam ich an dem Buch nicht vorbei. Und habe mir damit bestätigt: Ich hätte auch diese Fortsetzung nicht gebraucht.

Im großartigen Vorgängerroman Gut gegen Nordwind (Leseprobe) begegnen sich Emmi und Leo ganz aus Versehen per fehlgesendeter E-Mail. Aus dieser Begegnung entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung, die, wie auch der Roman, ausschließlich in E-Mail Dialogen stattfindet. Und wie das nun mal so ist mit Internet-Bekanntschaften – irgendwann stellen sich Emmi und Leo der Frage, ob sie sich nicht auch im wirklichen Leben einmal begegnen sollten…

Auf den Klappentext von Alle sieben Wellen verzichte ich hier, denn er nimmt das Ende des ersten Teils vorweg. weiterlesen…

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Diebstahl lohnt sich manchmal doch

andrea · 16.04.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Und ich hänge mit der verbalen Rückschau ganz schön hinterher.) Rückblick #4

586 Seiten. Immer wieder bin ich um sie herumgeschlichen, immer wieder sah ich sie auf Bestsellerlisten und immer wieder schreckte mich der thematische Rahmen „Zweiter Weltkrieg, Judenverfolgung und die Geschichte eines neunjährigen Mädchens, das Bücher stiehlt“ ab. Weihnachten 2010 bekam ich „Die Bücherdiebin“ geschenkt und las es kurz darauf in zweieinhalb Tagen. Ich las vom Elendsalltag im Krieg und trotzigen Glücksmomenten, von einfachen Menschen mit sehr großem Herz.
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Einmaliges Lesevergnügen: Oliver Uschmann – Nicht weit vom Stamm

kristin · 06.04.2011 · Keine Kommentare

Buchmesse Leipzig - Oliver Uschmann

Uschmann zeigt, wie sein Protagonist sich kleidet

Auf der Leipziger Buchmesse las Oliver Uschmann aus seinen aktuellen Roman Nicht weit vom Stamm. Hätte dieses Buch nicht schon zu Hause auf mich gewartet, ich hätte es wohl nicht gelesen. Als Genre wird „young adult fiction“ angeführt, junge Leser zwischen 15 und 25 sollen angesprochen werden. Mag sein, dass die Handlung des Romans um den 19 jährigen Sven Lechner zielgruppengerecht ist – mich hat sie nicht sonderlich angesprochen:

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Sei die, die du bist

kristin · 25.03.2011 · 1 Kommentar

„Ich bin in dieses Buch verliebt“ eröffnete Übersetzerin Ebba D. Drolshagen die Vorstellung von Gunnhild Øyehaugs Roman Ich wär gern wie ich bin auf der Leipziger Buchmesse. Die Lesung und das Gespräch mit Gunnhild Øyehaug erfrischte durch einem Sprachmix aus Neu-Norwegisch (nynorsk -die kleinere der beiden Standardvariationen der norwegischen Sprache), Englisch und Deutsch und brachte mich dazu, dieses Buch endlich zu kaufen. weiterlesen…

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