Tausend Türen hat mein Haus

kristin · 24.09.2011 · Keine Kommentare

»Die Welt war groß und wild und voller ernstem, tiefem Zauber.«

Lazyboy heißt in Wirklichkeit Heiner Boie, ist 35 und schreibt als Musikjournalist für diverse Szenemagazine. Berufsjugendlicher. Er hasst seine Arbeit. Er hasst Musik. Und Bands. »Ich kann keine Musik mehr hören. Schon seit Jahren höre ich privat keine Musik mehr. […] Ich gehe auch nicht mehr zu Konzerten.«
Und dann ist da noch Monika, Lazyboys Verlobte, die er eigentlich irgendwie wirklich liebt. Nur … »Wir wohnen in zwei getrennten Wohnungen, weil ich behaupte, meine Freiheit zu brauchen, in Wirklichkeit habe ich Angst.«

»Ich bin der Lazyboy. Ich lebe auf Abruf.«
»Was ich will, ist dauerhaft möglichst wenig Verantwortung im Leben.«
»…und ich werde das Gefühl nicht los, dass etwas grundsätzlich falschläuft in meinem Leben, dass ich etwas ganz und gar falsch angehe.«
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Der Welt den Rücken

andrea · 20.09.2011 · Keine Kommentare

“Jede Woche ein Buch” – längst aufgegebenes Ziel für 2011. Immerhin sind noch mehrere Rückblicke auf dem To-Do-Stapel. Ältere gibt es zum Beispiel hier. Das ist #14.

Ich mag Elke Heidenreich. Ihre Sendungen kamen zwar immer zu spät, ihre Talkshow-Auftritte habe ich meistens verpasst und dennoch sind mir ihre schnatterige, flapsige und dabei intelligente Art immer sympathisch gewesen. Kürzlich fiel mir ihr Büchlein „Der Welt den Rücken“ in die Hände und mit ihm sieben Erzählungen. Auf 191 Seiten seziert die Heidenreich mit Witz und Wehmut die Schrulligkeiten ihrer Protagonisten, den Hang zum Alkohol, duldsames Eheleben und Altern ohne durchzudrehen: „Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Zeit ist die Wunde“. Beinahe beiläufige Beobachtungen von Altlasten und Einsamkeit, große Gefühle zwischen Resignation und Verdrängung, manche Geschichten stärker als andere. Da ist zum Beispiel das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, die sich einfach nicht näher kommen wollen und können, was auch immer sie versuchen oder das Suchen und Finden der ersten Liebe und wie sich zwei Menschen auch ohne Verbindlichkeiten nahe sind und gut tun. Wie Nachbarn kommen einen die Menschen vor, über die hier geschrieben wird, sie sind unmittelbare Umgebung und dennoch fremd, voller kleiner Geheimnisse, die ein Leben lang bewahrt werden. Wie man vor Offensichtlichem die Augen verschließt, Balance hält und aus Erinnerungen schöpfen kann, beschreibt Elke Heidenreich ohne Vorwurf oder Belustigung.

there’s a crack, a crack in everything, that’s how the light gets in (Leonard Cohen, Anthem)

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simplify your life

andrea · 18.09.2011 · Keine Kommentare

“Jede Woche ein Buch” – längst aufgegebenes Ziel für 2011. Immerhin sind noch mehrere Rückblicke auf dem To-Do-Stapel. Ältere gibt es zum Beispiel hier. Das ist #13

Für einen Euro erstand ich antiquarisch den abermillionenfach verkauften Ratgeber simplify your life von Werner Tiki Küstenmacher, Pfarrer und Autor von über 50 Büchern und Lothar J. Seiwert, Zeit- und Lebensmanager. Einfacher und glücklicher leben als Untertitel & Anspruch, na, das guck ich mir doch mal genauer an!
Zunächst wird das Leben in sieben Stufen (Sachen, Geld, Zeit, Gesundheit, Mitmenschen, Partner, das Ich) unterteilt. Das Prinzip scheint einfach: statt Gerümpel Entrümpeln, statt Verspannung Entspannung, statt Beschleunigung Entschleunigung und so weiter.

Manche Dinge scheinen tatsächlich realisierbar: Zum Beispiel Entrümpeln – Was hat man nicht noch alles für Gebrauchsanweisungen von Geräten rumflattern, deren Garantiezeit längst abgelaufen ist? Weg damit! Schul-/Studienmitschriften? Weg! Zeitschriften älter als zwei Monate? Weg! Glückwunsch-/ Urlaubs-/ Weihnachtskarten lieber Freunde von 2004? Die sind doch garantiert in dem angestaubten Karton in der hintersten Schublade, also: Weg! Fensterbretter und Fußböden möglichst freihalten, keine Leergänge durchführen: auf dem Weg vom Wohnzimmer in die Küche gleich die dreckige Tasse und beim Verlassen des Hauses den Müll mitnehmen. Lieber die vier Pfandflaschen beim Supermarkt um die Ecke abgeben, bevor sich das Leergut klirrend im Flur stapelt.. Klingt alles plausibel. Selbst das Vorhaben, Sachen auf dem Flohmarkt (on-/offline) zu verkaufen, lässt sich einfach verwirklichen.

Es gibt aber auch jede Menge skurrile Hinweise:
Kündigen sie Lotto, warten sie nicht ab, nehmen sie sich vor, innerhalb eines Jahres so viel Geld zusätzlich zu verdienen, wie ein Fünfer im Lotto bringt.“ – zum Beispiel durch Nebenjobs. Hm.

Okay, Vereinsgebühren, Jugendherbergsmitgliedschaften und eventuelle Abonnements lassen sich tatsächlich auf Brauchbarkeit überprüfen und um ein Gefühl für Ausgaben zu entwickeln, kann man auch öfter bar zahlen und nicht immer mit Karte. Aber über den Tipp, im Monat 500 Euro zurück- und mit 12% Rendite anzulegen, kann man aktuell wohl nur lachen.
Und auch das Delegieren: „Lassen sie andere die Zeitung/TV Sendung lesen/sehen und sich anschließend das Interessanteste berichten“, ist etwas paradox. Mit welchem Recht darf ich über deren Zeitbudget verfügen? weiterlesen…

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Gefangene der Möglichkeiten

kristin · 26.08.2011 · Keine Kommentare

Zwischen Berlinhamburgmünchen, Facebook, Projektmeetings und irgendwas mit Medien stehen uns unzählige Wege offen, uns selbst zu verwirklichen. Trotzdem sind wir nur allzu oft unzufrieden oder gar unglücklich. Wir ahnen es doch schon eine Weile, oder? Hinter jedem selbstdefinierten Projekt Leben lauern hundert Alternativen. Und woher sollen wir denn bitteschön wissen, ob die, an der wir uns da gerade versuchen, die richtige ist?

Wie gelähmt starren wir auf all die Möglichkeiten und machen uns unglücklich, weil wir uns nicht für eine von ihnen entscheiden können, nicht entscheiden wollen. Denn dann würden wir uns ja unseres Freiheitsgefühls berauben. Hauptsache, wir könnten, wenn wir wollten. Wollen wir aber nicht. Wir wollen alles und dabei nichts verpassen. Und man kann ja auch nie wissen, ob nicht noch was besseres kommt.

Über diese (und ein paar andere) Gedanken seiner, unserer, Generation, die er »Irgendwas-mit-Medien« nennt, hat Florian Schroeder ein Buch geschrieben. Obwohl ein Buch ja gar nicht mehr zeitgemäß ist. »Wir twittern und posten lieber« – das ist nicht so endgültig. weiterlesen…

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Und im Zweifel für dich selbst

andrea · 21.08.2011 · Keine Kommentare

“Jede Woche ein Buch” war eigentliches Ziel für 2011. Zur Zeit bin ich froh, wenn ich ein Buch in zwei Wochen schaffe. Mehrere Rückblicke sind noch im Entwurfsstatus. Andere gibt es hier. Das ist #12

Elisabeth Rank, Mittzwanzigern, die sich zwischen Berlin und Hamburg, Werbung, Schriftstellerei, Bloggerei und Fotografie aufteilt, hat ein Buch geschrieben über den Verlust eines Menschen, der ganz plötzlich stirbt; dessen Tod nicht in den Alltag und nicht in den Verstand passt. Aber tut er das jemals? Tim wird von einem LKW überfahren und Lene, seine Freundin, haut nach dieser Nachricht erstmal ab. Ziellos, bloß fort aus der Stadt, weg von Orten, an denen sie sowieso immer nur ihren Freund sieht. Tonia, Freundin und Wegbegleiterin, erzählt die Geschichte, die schleichend zu ihrer eigenen wird. Über Lene und Tim, die eigentlichen Auslöser des psychologischen Roadtrips, erfährt man „Und im Zweifel für dich selbst“ recht wenig. Lene will vergessen und erinnert sich unentwegt, Tonia kann nicht mehr tun, als an ihrer Seite zu bleiben, das Schluchzen und Stillsein auszuhalten. „Bereitschaft war jetzt meine Aufgabe, ich musste wach, aufmerksam und flexibel sein. Einfach da.“ Trotz der vielen körperlichen Nähe (Umarmungen, Kopf auf den Schoß legen etc.) kommen sich die beiden Freundinnen, Berliner Studentinnen, emotional nie wirklich nah.
Beide versuchen, Dinge zu verarbeiten. Die eine, Lene, weil sie ohne Gebrauchsanleitung in die Situation katapultiert wird, die andere, Tonia, weil ihr nach und nach bewusst wird, dass ihre eigene Beziehung eigentlich schon lange keine mehr ist, sie und ihr Freund sich jahrelang lediglich nur gegenseitig genügten. Manchmal will man bei der Lektüre schreien, nun lasst euch doch einfach mal in Ruhe! Es wird auch nicht viel geredet, ganz im Gegensatz zur ausufernden Beobachtungsgabe der Autorin, die Verunsicherung und Sprachlosigkeit füllt, indem sie Nebensächlichkeiten, Umgebungen und Wetterzustände erschöpfend detailiert beschreibt, es gibt viele Gerüche und viele Berührungen in diesem Buch. Das vermittelt zwar das Gefühl, irgendwie dabei zu sein, lässt die Protagonisten aber auch ziemlich im Hintergrund verblassen. Es sind Sätze wie „Mein Zuhause gab es noch“, die plötzlich zwischen längeren Beschreibungen auftauchen und genau da reinknallen, wo es weh tut.
Man trauert weniger mit Lene, als vielmehr mit dem Umstand, dass jeder Tod auch das Leben anderer verändert, Zusammenhänge auflöst und Dinge und Orte markiert, denen man für einige Zeit nicht emotionslos begegnen kann – seien es Lieblingskneipe, Wohnung, Musik oder Reiseziele. Wenn gemeinsame Erfahrungen einsamen Erinnerungen weichen müssen und sich Verlust verdinglicht. Und jetzt, hier wünschte ich mir nichts sehnlicher zurück als unseren Alltag, die Langeweile, jedes Hineinleben in den Tag – alles, nur nicht dieses Gefühl der Unwiederbringlichkeit.
Es gibt viele starke Sätze in „Und im Zweifel für dich selbst“ (Zurückzukommen bedeutete, dass wir Antworten parat haben mussten und Gesichtsausdrücke.), es ist ein stilles Buch, das einen Kloß im Hals auslösen kann, aber wenig Nachhall hinterlässt. Ich mochte die Sprache und die Bilder, die Elisabeth Rank schuf. Dass mir die Figuren aber fremd blieben, finde ich schade. In Vorbereitung auf diese Rückschau habe ich das Buch nicht nur nochmals durchgeblättert, sondern gleich noch einmal gelesen (vier Stunden). Das Fazit bleibt ähnlich. Mit dem Schmerz und der Leere, die der Tod eines geliebten Menschen hinterlässt, geht jeder anders um und jeder nimmt sich ganz individuell Zeit, um zu trauern. Es gibt kein richtig oder falsch und wahrscheinlich ist es deshalb auch so schwer, darüber zu schreiben.

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Tiere essen

andrea · 11.07.2011 · Keine Kommentare

„Jede Woche ein Buch“ war erklärtes Ziel für 2011. Schnell wurden aus einer Woche 14 Tage. Doch nun bleibt zu wenig Zeit zum Schreiben der Rückblicke. Hier ist #11.

Jonathan Safran Foer hat mit „Tiere essen“ ein persönliches Sachbuch geschrieben, das aufarbeitet, warum er und seine Familie zu Vegetariern wurden. Der Amerikaner recherchierte etwa drei Jahre, stieg in Tierfarmen ein, unterhielt sich mit Farmern und Tierschützern.
Man kann die Augen länger verschließen, man kann sie aber angesichts der Fakten auch erschrocken aufreißen:
Der Deutsche verspeist im Schnitt 88kg Fleisch im Jahr – 54kg davon sind Schweinefleisch – fettig und ungesund. Hühnchen ist gesünder? Das Huhn selbst ist es sicher nicht, wenn es auf der Fläche eines A4 Blattes sein Leben fristet. 98% der Tiere, die in Deutschland zum Fleischverzehr gezüchtet werden, stammen aus Massentierhaltung. Etwa 80-90% Meeresgetier landet beim Fischen als Beifang tot oder verletzt wieder im Meer oder im Schredder. Für ein Pfund Garnelen gehen 12kg totes Meeresgetier völlig sinnlos wieder über Bord. Auch Tiere haben eine Lebenserwartung – nicht aber in der Nahrungsmittelindustrie: ein Huhn kann etwa 20 Jahre alt werden, es sei denn, es wird nach fünf bis sechs Wochen geschlachtet – weil die Wachstumsrate pro Tag um 400% gesteigert wurde. Rinder, Schweine und Geflügel werden fast ausschließlich mittels künstlicher Befruchtung gezüchtet. Tiere werden produziert. Sie sehen nie Tageslicht, werden mit Medikamenten vollgepumpt. Die industrielle Herstellung von Fleisch führt zu absurd billigen Preisen – auf Kosten unserer Gesundheit und der Umwelt. weiterlesen…

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Salvador und der Club der unerhörten Wünsche

andrea · 10.07.2011 · Keine Kommentare

„Jede Woche ein Buch“ war mal erklärtes Ziel für 2011. Schnell wurden aus einer Woche 14 Tage. Leider bleibt zu wenig Zeit zum Schreiben der Rückblicke. Hier ist #10.

Salvador, etwa 60 Jahre alt, arbeitet als Reinigungskraft auf dem Flughafen und beobachtet dabei Menschen. Er schäkert mit der Kioskverkäuferin, erzählt Passagieren im Wartebereich Geschichten, die nicht so recht auf den Punkt kommen wollen, wird zum Ruhepol im TimeLapseZustand der Abflughalle, zur kurzen Atempause beim schnellen Lauf zum letzten Aufruf. Vieles bleibt fragmentarisch; unverbindlich inmitten steter Bewegung. Im Plauderton führt Salvador einen Monolog, andere Charaktere erschließen sich nur durch die Antworten des Ich-Erzählers. In der austauschbaren Aufteilung eines Flughafens, der immergleichen Weite, Leere und Hektik zwischen Business und Urlaub, Begegnung und Verlassen erzählt Autor Alberto Torres Blandina in Salvador und der Club der unerhörten Wünsche leichtfüßig von Glücksverheißungen und Identitätsfindung. Wie viele philosophische Erkenntnisse darin verborgen sind, überliest man beinahe.
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Der alte König in seinem Exil

kristin · 26.06.2011 · Keine Kommentare

Sechs Jahre hat sich der 43jährige österreichische Schriftsteller Arno Geiger für das Buch über seinen an Demenz erkrankten Vater Zeit genommen und es vor dessen Tod veröffentlicht, weil er »fand, dass der Vater, wie jeder Mensch, ein Schicksal verdient, das offen bleibt.«

Vielbeachtet, gelobt und für den Preis der Leipziger Buchmesse 2011 nominiert, steht Der alte König in seinem Exil in den Bestseller-Regalen. Denn es liest sich so leicht, dass die erschütternde Realität der Demenzerkrankung fast ein bisschen verschwimmt. Strapazen und Kraftaufwand im Umgang mit dem Kranken werden zwar immer wieder thematisiert, verflüchtigen sich in meinem Gesamteindruck jedoch in eine gewisse Beiläufigkeit. weiterlesen…

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Sebastians BRN-Marschroute für Samstag

sebastian · 18.06.2011 · Keine Kommentare
18. Juni 2011 to 19. Juni 2011
Neustadt, Dresden

Langsam und gemütlich anfangen mit Dresdens junger Indiefolk-Kapelle vor der Scheune:
14:00 Uhr Rookfly / Scheunegarten

Über die Louise, so lang es noch geht. Görlitzer hoch zu Lollis:
15:15 Esa Z Lesa / Lollis Homestay (Postcore)

Über die Kamenzer und den Lutherplatz zurück zur Homebase Scheune-Garten. Metalfaust machen und erstes Bierchen trinken.
16:00 Uhr Nevertrust im Scheunegarten

Mal die Alaunstraße hochschlendern und beim Supreme einen ersten Cocktail trinken.
17:00 Uhr Hip-Hop, Funk & Soul am Supreme

Rüber auf die Sebnitzer ins Rapghetto zwischen Görlitzer und Kamenzer.
18:00 Uhr Findus MC – Balkonrap / Sebnitzer

Anschließend ein gemütliches Bierchen im Laika bis zum Set vom Hannes (der mit dem Islandvideo, remember?)
20:00 Uhr: Hannes Smith – Buttendorf

Es wird langsam dunkel, es wird sowas von time to rock! Dresdens nächstes großes Ding feiern:
21:15 Uhr: Harry Bushh / Aluna

Anschließend mal im Madness vorbei. Am besten gleich, wenn ein Mitstreiter aus ersten BISS.FM Tagen auftritt.
22:15 Men Should Brothers Be / Madness

Immer noch eine der besten Kapellen der Stadt. Leider offenbar nicht hip genug für Intro & Co.
23:00 Uhr Hello Yes Yes / Rockbühne

Die Bands im Lustgarten haben mir nicht so zugesagt. Aber Spur1-Session um Mitternacht ist Pflicht!
00.15 Uhr: SPUR 1-Music / Lustgarten

Wenn man eh schon in der Ecke ist: Schnell im Büro ein vorgekühltes Fläschen Sekt aufmachen und mal im U-Boot vorbei
01:30 Uhr: BRN-Afterhour Drum’N’Bass mit der High Finesse Crew / U-Boot

Immer noch wach? Dann ab zur VIP-Afterlounge ins Wettbüro
Ab 02:30 Uhr: Altes Wettbüro / VIP-Lounge

Alle Angaben sowas von ohne Gewähr! Verfolgt mein Tun lieber auch auf Twitter.

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Bad Things Happen

andrea · 16.06.2011 · Keine Kommentare

Jede Woche ein Buch. Die Erfahrung lehrt: Eine Woche hat hier 14 Tage. (Die Aufholjagd läuft!! Jawoll!) Rückblick #9

David Loogan, Enddreißiger in Ann Arbor, Michigan, USA, hat eine geheimnisvolle Vergangenheit und einen spannenden Job: er arbeitet als Lektor beim Magazin „Gray Streets“, das sich auf Kriminalgeschichten spezialisiert hat. Auch Bad Things Happen lässt sich in dieser Rubrik aufspüren. Bereits auf den ersten Seiten erfahren wir, dass David Loogan gar nicht David Loogan ist, eine Affäre mit Laura, der Frau seines Chefs Tom Kristoll hat, und ebenjenem Tom dabei hilft, die Leiche eines Einbrechers verschwinden zu lassen. Spätestens als auch Tom tot aufgefunden wird und „David Loogan“ in den Fokus der Verdächtigungen gerät, kommt die Geschichte ins Rollen. Wendungen gibt es viele in diesem Buch, nichts ist, wie es zunächst scheint. So einfach wie es auf dem Buchdeckel angedeutet wird: „Plans go wrong. Bad things happen. People die.“, ist es nämlich nicht. Dafür hat Autor Harry Dolan viel zu viel Personal aufgestellt. Ein Ensemble aus Kriminellen und Krimiautoren, Charaktere zwischen Erfolg, Betrug und Neid – die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen zunehmend. Und mehr Menschen werden sterben. Die Polizei ermittelt, David Loogan ebenfalls – unter den bereits genannten Umständen ist das nicht ganz ungefährlich. Und so folgt man vielen geschickt gelegten Spuren, die immer wieder ins Leere führen, denkt mehrmals, den/die Täter überführt zu haben, um kurz darauf zu erkennen: wieder nix. Das Tempo wird auf den 420 Seiten hochgehalten. Wie es ein gutes Drehbuch verlangen würde, entsteht eine düstere Atmosphäre, man wähnt sich in der Kulisse von alten Krimiserien, rollt da nicht ein Auto langsam durch den Nieselregen? Bad Things Happen wäre der Videothekenregalnachbar von Die üblichen Verdächtigen und Der talentierte Mr. Ripley. Es gibt viele Tote, aber keinen Serienkiller und das ist letztlich fast das Problem des Buches: Man begibt sich aufgrund des Tempos und der Vielzahl der Geschehnisse nicht mehr selbst auf die Tätersuche, so dass man in den aufdeckenden Momenten des Buches beinahe desinteressiert wahrnimmt, wer nun wen und warum getötet hat. Alles in allem ein richtiger Schmöker mit raffinierten Wendungen, der trotz der vielen Morde auf ausufernde Gewaltexzesse oder Blutlachen weitgehend verzichtet.

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