Am Ende war mehr Berlin als Music Week!

· 18.09.2014 · Keine Kommentare

So richtig leicht fällt mir der Einstieg in den Rückblick nicht. Zu kurz war meine diesjährige Berlin Music Week und zu wenig wirklich Erinnerungswürdiges blieb auf der Hirnplatine hängen.
Das Ziel des Ausflugs war nicht, neue Musik zu entdecken, sondern neue Trends des Business aufzuschnappen. Das ist mir eher nicht so gut gelungen. Ob das an mir lag, weil ich in den falschen Panels saß und die „falschen“ Leute in der Raucherecke getroffen habe oder ob es einfach nicht so viel Neues gab, wird sich wohl erst zeigen. Grundsätzlich überdeckte der schwammige Nebel der öffentlichen Kreativwirtschaftsförderung (mal wieder) das kreative Schaffen der Basis. Der Musikbranche fehlen einfach die durchgeknallten Indie-Macher frührerer Tage. Und die verbleibenden strömen nicht gerade zahlreich zur Berlin Music Week.

Schlau ist alle Theorie

Stattdessen treffen Beauftrage von öffentlicher Hand und Verbänden auf Vertreter der digitalen Musikbranche und erklären den anwesenden Musikern, wie sie deren Situation verbessern wollen. Es wird viel über Vernetzung geredet (aber eher wenig dafür getan) und viel über Wissensvermittlung (die auch nur bedingt wirklich geboten wird). Es gibt wenig handfestes und viel Theorie. Dafür ist das Catering rustikal. Es gibt Bratwurst im Brötchen, die Quiche ist um 12 Uhr schon aus.

Klasse Vorträge: Paul Lamere und Hannah Donovan

Spannend waren konkrete Vorträge wie der von Paul Lamere. Der Experte von der Datenfabrik „The Echo Nest“ und Music-Data-Blogger (Tipp!) zeigte Einblicke in Spotifys Empfehlungs-Algorithmen, was gleichsam unterhaltsam und interessant war. Für uns interessant: Nicht nur das Hör- und Teilverhalten der User sondern auch externe Rezensionen werden exzessiv gescant und ausgewertet und münden in einen täglich aktualisierten Algorithmus. The Echo Nest liest tatsächlich die Daten von unzähligen Blogs und Magazinen aus und setzt diese zu einer Tag-Cloud zusammen. Je ähnlicher sich zwei Tag-Clouds sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Künstler dem selben Hörer gefallen. Unsere Rezensionen könnten also einen mikrominimalen Anteil daran haben, welche Songs Euch bei Spotify empfohlen werden. Selbst wenn uns gar keiner mehr lesen würde, hätten wir also vielleicht doch Einfluss auf Eure Hörgewohnheiten ;-) Ein Gedanke, den ich so noch gar nicht hatte. Beim „Schreiben für Maschinen“ denkt man ja eher an Google als an Spotify & Co. Hoffentlich haben die Promotion-Agenturen auch gut hingehört und bieten künftig ein sauberes Tagging statt sich selbst durch Kunstworte zu feiern. Siehe dazu auch meine persönliche (!) Sicht auf Promo-Texte von 2012.

Auch der Vortrag von Hannah Donovan war wirklich stark. Die UX Designerin für Musik-Technologie, -Oberflächen und –Plattformen war früher Kreativ- und Design-Chefin bei last.fm und ist jetzt Teilhaberin bei „This Is My Jam“, was ich zugegebenermaßen vorher auch nicht kannte. Ihre Einblicke in die Anforderungen an Design und Usability von Musik-Plattformen waren beeindruckender als erwartet. Mehr von dem Kaliber wäre super gewesen.

Abends gab es dann jede Menge Showcases, aber irgendwie hat mich das alles nicht gepackt. Es wird halt doch nie so emotional wie bei einem „echten“ Konzert, wenn hinter Dir Menschen im karierten Hemd und mit Konferenzausweis um den Hals darüber diskutieren, ob Tim Renner als Kultursenator geeignet ist.

#MusicHackDayBerlin

Konnte ich leider nicht teilnehmen. Beste Idee und geilste Aktion!

Das Ende der Berlin Music Week

Wenige Tage später lese ich, dass dies die Letzte Berlin Music Week war. Stattdessen findet mit „Pop=Kultur“ ab 2015 eine dreitägige Veranstaltung im Club Berghain statt, die laut den Organisatoren „Raum für ansonsten eher unwahrscheinliche Begegnungen und produktiven Austausch“ bieten möchte. „Subkulturen und elektronische Musik, popaffine Geister aus Film und Mode, sowie Technologietrends werden als Markenzeichen Berlins so selbstverständlich vorkommen, wie die großen Helden des internationalen Popgeschehens“, heißt es. Also noch mehr Berlin. Noch weniger Music Week.

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