A Forest – Sät Samen, erntet einen Wald

· 23.03.2014 · 1 Kommentar
3. April 2014
20:30 Uhr
Thalia, Dresden
VVK ab 10 €
Verlosung
12. April 2014
20:00 Uhr
Kleiner Donner, Hamburg
VVK ab 10 €
Verlosung

A ForestNachdem es eine Weile ziemlich still um A Forest war, meldet sich die Leipzig/Hamburger Formation nun mit voller Kraft zurück. Mit der EP Surfaces und einer kleinen Tour kündigen sie für Herbst dieses Jahres die Veröffentlichung eines kompletten Albums (endlich!) an; und starten gleichzeitig das Experiment, all das in ein neuartiges Bandkonzept einzufassen, das zuerst einmal mit folgender Behauptung alles auf null zu setzen versucht:

Wir sind keine Musiker mehr.

Nach der erfolgreichen Crowdfunding-Aktion für die 2011 erschienene EP A Square denken A Forest den Wandel der Fan-Band-Beziehung nun einen Schritt weiter, indem sie den Entstehungsprozess ihrer Musik sichtbar machen und ihre Hörer, Freunde, Unterstützer zum Dialog einladen. Dazu stellen A Forest auf ihrer Website iamaforest.com nach und nach einzelne Songs vor, die sich an einem beliebigen Punkt zwischen einer ersten Idee und der albumfertigen Version befinden und fordern das Publikum auf, in Kommentaren oder sogar durch Bearbeiten einzelner Spuren, durch Sampling oder Remixe an der Entwicklung der Songs teilzuhaben.

 
Die Unterstützung, die A Forest durch jede Beteiligung an dieser Idee ebenso erfahren, wie durch Klicks, Likes und Streams (den Soundcloud-Player habt ihr bitte allerspätestens jetzt angeworfen) oder ganz konkret finanziell durch den Kauf von Konzerttickets, Merchandise-Artikeln, Downloads oder physischen Tonträgern, visualisiert die Band, man ahnt es, anhand des Wachstums eines Waldes. Aus Samen werden Blätter, aus Blättern Bäume. Zur Zeit besteht der Wald von A Forest aus acht Bäumen, elf Blättern und vier Samenkörnern:

A Forest - Details

 
Wir basteln 40 weitere Blätter dazu, indem wir für die Konzerte in Dresden und Hamburg je 1×2 Tickets verlosen. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt ihr bis 1. April, 20:03 Uhr eine E-Mail an redaktion[at]mittelstern[.]de mit dem Betreff „Ich steh im Wald“ + der gewünschten Stadt. Vergesst bitte nicht, euren vollständigen Namen anzugeben.

 
Die Währung ist also virtuell bis, nun ja, pflanzlich, die Idee interessant und vor allem die konkrete Umsetzung der Einflussnahme auf die Musik dürfte ziemlich spannend werden – zeigt doch die Erfahrung immer wieder, dass sich Musiker bei aller Offenheit für Meinungen und Kritik letztlich nur ungern ins Werk quatschen lassen. Aber A Forest sind ja keine Musiker mehr und die Frage nach der Schmerzgrenze für äußere Einmischung beantwortet Fabian Schütze (Gesang, Keyboard) mit »Kritik ist gut, können wir gut mit um. Natürlich haben wir einen klaren Plan, was wir tun, aber ich finde es immer recht erfrischend zu hören, wie das andere Leute finden.« und versichert auch gleich, dass berechtigte Einwände wie etwa der Hinweis auf eine grammatikalische Unstimmigkeit in den Lyrics durchaus Konsequenzen haben können.

Ob die Visualisierung der Unterstützung und das Teilhabenlassen die Bindung zwischen Fans und Band so intensivieren kann, dass sich aus dem Konzept auch ein Ansatz ergibt, den Veröffentlichungsprozess von Musik an die Gegebenheiten des digitalen Marktes anzupassen und neue Wege zur Finanzierbarkeit zu erschließen, bleibt fraglich. Charmanter als Jammern ist es allemal.

Bei allem Ideenschmieden, Konzeptebasteln und angestrebter Transparenz nehmen sich A Forest »keine Zeit für Gossip«. So gab es im letzten (oder vorletzten?) Jahr einen doch gewichtigen Besetzungswechsel, über den kaum ein Wort verschwendet wurde. Anstelle von Sängerin Franziska Benkert komplettiert neben Fabian Schütze und Florian Wienzcny (Schlagzeug, Electronics) nun Robert Seidel aka Arpen das Trio und sorgt neben der Bedienung von Tasteninstrumenten für die recht ungewöhnliche Konstellation zweier männlicher Stimmen. Abgesehen davon bleiben A Forest ihrem musikalischen Ansatz treu, aus verschiedensten Einflüssen wie Electronica, Kammerpop, Singer-Songwriter, altem Soul und Minimal Techno einen vollkommen eigenen Entwurf von Pop zu schaffen. Der unterscheidet sich von anderen Entwürfen allein schon durch die Präsenz und Intensität von Fabians Stimme, die sich nun eben an der von Arpen ausgleicht. Und auch in dieser Herrenkonstellation schmiegt sich der Sound von A Forest so wohlig um die Ohren, dass es in der Magengegend schon fast ein wenig verliebt kribbelt.

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