Ballroom Studios – Ein Kleinod in der Neustadt wird wachgeküsst

· 07.02.2013 · 3 Kommentare

Die Seitenstraße im Hecht macht ihrem Namen alle Ehre und ist nicht gerade weltberühmt. Dass sich dort hinter dem geduckten Friseursalon „Schnitte“ und schräg gegenüber der „Seite“ die Reste eines alten kleinen Ballsaal verbergen, ahnen sicher nicht mal die meisten Anwohner. Johannes Gerstengarbe, einer der wenigen künstlerischen Pop-Produzenten in Dresden, die von ihrer Arbeit leben können, erfuhr durch Zufall beim Friseurbesuch von dem verfallenen Juwel in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Er wurde hellhöriger als es sein Beruf eh verlangt und bekam raus, dass die Eigentümer (eine Erbengemeinschaft aus Heidelberg) sehr an einem professionellen Mieter aus der Kreativwirtschaft interessiert war.

Heute morgen habe ich ihn in der „Bruchbude“ besucht, die bis vor einigen Jahren eine Druckerei beherbergte und im nächsten Jahr als Studio für Ton-, Foto- und Videoproduktionen in neuem Glanz erstrahlen soll und war total begeistert. Wer bei diesen Räumen keine Fantasien entwickelt, sollte Beamter werden.



So ging es auch Johannes. Er träumt schon lange von einem eigene Produktions-Studio, das internationalen Ansprüchen gerecht wird und erzählte seinem Nachbarn und Freund Frank Hellwig vom Ballsaal. Der steigt sofort als Geschäftspartner ein und bringt das nötige betriebswirtschaftliche Know-how mit. Gemeinsam beschließen sie, das Projekt zu stemmen, als der Vermieter zusagt, weitestgehend alle nötigen Sanierungsmaßnahmen (Heizung, Strom, Dämmung etc) zu übernehmen. Dann geht im Grunde alles recht schnell. Produzenten-Kollege Nathanael Wendt (Natom Productions @ Schokofarbik) und die aufstrebenden Motiondesigner Mokost sind die nächste Partner. Gemeinsam entwickeln sie ein Konzept, bei dem die Räumlichkeiten für crossmediale Produktionen vom Fotoshooting über Musikaufnahmen bis zur Video- und TV-Produktion genutzt werden können. Im Mittelpunkt: Professionelle Ton und Greenscreen-Technologie und ein architektonisches Kleinod (auf dem Foto nicht zu erkennen: Im Hintergrund war einst eine echte „Bandmuschel“ und diese wird nach den Umbaumaßnahmen ein zentrales Element darstellen). Wer Stephan Böhlig kennt, wundert sich nicht, dass der Band- und Neustadtfotograf sich ebenfalls sofort ins Team integrierte.

Bands können in den künftigen Ballroom-Studios an einem Ort ihre Single, ihr Video, eine Live-DVD und neue Promofotos vorn Profis produzieren lassen. Das dürfte sowohl für lokale als auch internationale Acts sehr interessant sein. „Die einen buchen uns einen Tag, die anderen einen ganzen Monat. So verrückt das klingt: Erste konkrete Anfragen sind bereits jetzt da“, schildert Johannes, der dabei fast über Bauschutt stolpert. Auch über 200 Fans auf der Facebookseite sprechen für sich. Ein Jahr vor dem Start setzt das die Macher natürlich auch unter Druck. Wer schon mal saniert hat weiß, dass da noch alles passieren kann. Aber Johannes ist trotz aller Sorgen absolut optimistisch, dass alles gut geht.

Wir wünschen ihm alles Gute. Am Wochenende werden die Jungs sich mit einem Video (wie sonst?!?) vorstellen. Natürlich bei Youtube!

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