Sieben Freunde, sieben Jahre Ska: Ken Guru

· 08.11.2012 · 1 Kommentar
10. November 2012
21:30 Uhr
Groovestation, Dresden

Ken Guru & the Highjumpers ist nicht die erste Band, die im Sportunterricht gegründet wurde. Wahrscheinlicher ist, dass das jede Woche an irgendeinem Gymnasium in irgendeiner deutschen Provinz passiert. Aber ich wage zu behaupten: Maximal 10% der so gegründeten Band-Ideen schafft es bis zu ihrer ersten Bandprobe. Und von dieser kleinen Minderheit überlebt wiederum nur ein Bruchteil die Abi-Zeit und die damit verbundene Weiche des Zusammenlebens. Sänger (oder auch „Sänger“) gehen nach Hamburg oder Berlin, Bassisten studieren Machinenbau in Siegen oder Zwickau und Gitarristen rauchen viel und denken über ihre Zukunft nach.

Nicht so Ken Guru & the Highjumpers. Vor sieben Jahren in Radebeul gegründet, hat die siebenköpfige Ska-Truppe erst einen Wechsel in der Besetzung erlebt, gibt noch regelmäßig Konzerte und hat noch jede Menge Ideen und Pläne. Ich habe mich mit Schlagzeuger Björn und Gitarrist Max getroffen, um ein wenig über die bevorstehende Show in der Groovestation und die Bandgeschichte zu plaudern.

Ken You Feel It by The Highjumpers

Björn und Max von Ken Guru

Björn und Max von Ken Guru



Gegründet hat sich die Band wie angedeutet bereits 2005 in Radebeul. Schnell wird im Gespräch deutlich, dass sich zwar viele Kleinigkeiten geändert haben, das Fundament aber immer noch dasselbe ist: Eine feste Freundschaft der Bandmitglieder untereinander und die ungebremste Lust auf Ska! Geändert hat sich dagegen die Arbeitsstruktur, da nicht mehr alle Bandmitglieder in Dresden wohnen. Man probt nicht mehr regelmäßig jede Woche sondern vor den Auftritten mehrere Abende hintereinander. Das aber immer noch im selben Proberaum wie als Teenager. Schöne Randnotiz: Das Gebäude, in dem der Proberaum ist, liegt genau auf der Grenze zwischen Radebeul und Dresden, woran offenbar ein gewollter Verkauf der Eigentümer permanent scheitert. Sieben Jahre lang im selben Proberaum. Das geht nur, wenn man mit sich und seinen Freunden im Reinen ist, was beide auch mehrfach betonen. Der Umgang der Mitglieder sei sehr offen und ehrlich aber stets freundschaftlich. Die Band ist mehr als ein Hobby, aber auch nicht so viel mehr, dass Raum da wäre für verletzte Eitelkeiten oder ausufernde Rockstar-Träume.

Auch die Songs entstehen mittlerweile anders. Nicht mehr vornehmlich im Gruppenprozess sondern vor allem im Zusammenspiel von Markus (Gesang und Posaune) und Max (Gitarre). Beide gehen dabei weniger mit der Maxime an ein neues Stück, einen Ska-Song zu schreiben, sondern sind stets auf der Suche nach schmissigen, eingängigen Popmelodien. Erst wenn diese gefunden sind, werden diese auf ihre Offbeattauglichkeit überprüft, überarbeitet oder verworfen. Überhaupt wird deutlich, wie wenig Berührungsängste die Ken Gurus mit dem Begriff Pop haben. Ska, Soul, 60s Beat: Am Ende alles nur Spielarten des guten alten handgemachten Pops. Trotzdem verstehen sie sich nach wie vor zu 100% als Ska-Band. Als Ska-Band mit Ecken und Kanten (bzw. weichen Kurven), die viel zu sehr an ihren Texten arbeitet und viel zu interessiert an Politik und Popkultur ist, um als reine Partyband von Festzelt zu Festzelt zu ziehen.

„Szene“ birgt Chancen und Risiken

Die Zugehörigkeit zu einer gut vernetzten Szene wie beim Ska hilft natürlich ungemein, um als unbekannte Band Fuß zu fassen und Auftritte zu bekommen. Größere Bands nehmen dich mit auf Tour, Clubs engagieren dich, Fans kaufen deine CD. Schnell waren Ken Guru in ganz Europa unterwegs. „Als mainstreamtaugliche Popband ist dieser Weg wesentlich schwerer“, weiß Max aus eigener Erfahrung mit einem Nebenprojekt. Andererseits muss man mit Gegenwind leben, wenn man als Ska-Band klassische Klischees verlassen will. Das mussten die Ken Gurus spüren, als sie mit ihrer ersten eigenen T-Shirt-Kollektion an den Start gingen. Einige Ska-Puristen kamen mit dem Stil nicht klar. Die Band steht aber weiter voller Überzeugung dazu. „Klischeefreier Ska ist immer am interessantesten“ betont Björn.

Ein weiteres „Risiko“ für Bands mit klarem Szenebezug ist natürlich, dass die Szene selber schwächeln kann und man plötzlich out ist, ohne etwas dafür zu können. Ska ist ein perfektes Beispiel. Denn waren Ska und Soul noch vor wenigen Jahren auf vielen Dancefloors zu Hause, kann man aktuell nicht gerade von einem Boom sprechen. Das spürt Max als Musiker, aber auch als DJ. Früher kamen mehr Leute an sein DJ-Pult und wollten wissen, welche Scheibe gerade läuft. Es zeigt sich, dass Ken Guru den richtigen Weg gewählt haben, sich nicht zu sehr über Klischees zu profilieren.
Pressure by The Highjumpers
Wer für sie die interessanteste Nachwuchsband der Region sei, frage ich und beide schweigen verlegen. So richtig fällt ihnen keine ein. Das Spannendste dürfte wohl im elektronischen Bereich passieren, mutmaßen beide. Einer Szene, in der beide nicht zu Hause sind. Ein Remix von Ken Guru? Darüber habe man bisher noch nie nachgedacht. Ausschließen wollen sie es aber auch beide nicht. Ken Guru sind eine Analogband und spielen für ein Publikum, dass das zu schätzen weiß. Daher hoffen die Jungs auch auf ein volles Haus am Sonnabend in dem Club, in dem sie einige ihrer wunderbarsten Abende erlebten. Als Band, als Fans, als Freunde!

Nach dem Konzert ist vor der Zukunft

Auch wenn die Show in der Groovestation ein ganz besonderes Highlight des Jahres wird, danach wird Ken Guru sich nicht faul auf die Haut legen. Man hat mehr als genug neue Songs für ein zweites Album und wird weiter am Wunsch arbeiten, diese Platte auch zu produzieren. Nicht auf Teufel komm raus, das ging schon einmal schief, aber doch mit entspanntem Nachdruck. Typisch Dresden irgendwie, sage ich, anderswo wäre die Band doch bestimmt längst auseinandergefallen wegen unterschiedlicher Ziele und Ansprüche. Beide stimmen mir durchaus zu. Revolution und Karrieregeilheit sind dem Dresdner nicht so nah wie dem Leipziger oder dem Berliner. Hier sitzt man die Sache gerne auch mal aus. Wenn auch mit Nachdruck…

Thank You by The Highjumpers

twitter share buttonFacebook Share