Vom Iceland Airwaves nach Dresden: Vigri

· 02.10.2012 · 2 Kommentare
12. Oktober 2012
21:00 Uhr
Beatpol, Dresden
Special Show!
AK: 5€

Vor fast genau einem Jahr stolperte ich in einem Buchladen in Reykjavík zufällig in ein Konzert von Vigri und war sofort angetan. Wie schön, dass ihre erste Tour außerhalb Islands Vigri nun über die Schweiz, Tübigen und Erlangen schließlich auch nach Dresden führt.
Zum Schnäppchenpreis von 5 Euro an der Abendkasse hat das Dresdener Publikum die Gelegenheit, sich am 12.10. im Beatpol zahlreich und begeistert auf das Risiko „(noch) unbekannte Band“ einzulassen und Vigri aus Reykjavík und Okta Logue aus Frankfurt kennenzulernen.

Vigri begann als Projekt der Brüder Bjarki und Hans Pjetursson. Von 2009 bis 2011 nahmen die beiden ihr Debütalbum Pink Boats in verschiedenen Kirchen auf; aus finanziellen Gründen. Inzwischen sind Vigri ein Quintett, neben den beiden Brüdern sind Atli Jónasson, Þórir Bergsson und Egill Halldórsson mit an Bord.
Das Meer spielt bei Vigri eine bedeutende Rolle – auch das hat sich eher zufällig ergeben, betont die Band in Interviews. Vigri RE-71 war der Name des letzten Schiffs mit dem der Großvater von Hans und Bjarki als Kaptiän in See stach. Und wenn in Island die Sonne untergeht, wechseln die Boote am Horizont ihre Farbe von Weiß zu Pink.

Verträumt, romantisch und schwelgerisch ist auch die Musik der Isländer: Eingängige Pop-Melodien, die durch allerlei klassische Instrumente in Szene gesetzt sind, mit Hang zu Details (etwa dem Glockenläuten der Hallgrimskirkja in Reykjavík), überraschenden Momenten und charmant-isländischer Freundlichkeit.

Die Veröffentlichung ihres zweiten Albums hatten Vigri eigentlich im Sommer dieses Jahres angekündigt, aber dann gab es ja mal wieder gar keinen richtigen Sommer… Was wirklich dazwischen kam, erzählte mir Bjarki in einem kleinen Interview:
>> English Version (PDF)

Als du Vigri gemeinsam mit deinem Bruder ins Leben gerufen hast, hattet ihr damals schon eine Vision wie Vigri einmal klingen würden?
Nicht wirklich. Der Sound hat sich während der zwei Jahre, in denen wir Pink Boats aufgenommen haben enorm entwickelt. Wir haben an jedem Song so lange gearbeitet, bis wir glücklich damit waren. Den größten Teil des Albums haben wir selbst aufgenommen. Dabei haben wir uns immer weiterentwickelt, technisch und musikalisch. Es war eine wirklich wichtige Erfahrung für uns als Künstler, den gesamten Prozess durchzumachen.

Aber wie seid ihr beiden dazu gekommen, gemeinsam eine Band zu gründen?
Wir haben niemals gesagt: „Wir gründen jetzt eine Band“. Ich habe damals an einem kleinen Filmskript gearbeitet und mich dazu entschieden, nach Flatey zu gehen – das liegt mitten im Nirgendwo in Island – um daran zu arbeiten. Hans begleitete mich, um in einer kleinen Kirche auf der anderen Seite der Insel aufzunehmen, während ich an dem Skript schrieb. Als wir ankamen, installierte Hans seine Aufnahmetechnik und Instrumente, um an seinen Ideen zu arbeiten und auf einmal arbeiteten wir drei Wochen lang intensiv an Ideen und Demos. Leider kam mein Filmskript niemals wirklich zustande. Aber dafür hat sich Vigri ergeben.

Und wie kam es dazu, dass ihr mehr Leute in die Band geholt habt? Ihr seid ja jetzt zu fünft…
Unser erstes Konzert haben wir auf dem Iceland Airwaves 2010 gespielt. Damals brauchten wir mehr Instrumente, um die Songs glaubwürdig live spielen zu können. Wir haben einfach einige unserer Freunde gefragt, die wir schon seit Jahren kannten, ob sie mit uns spielen. Und nun sind wir zu fünft.

Sind die drei anderen Jungs seitdem auch am Entstehungsprozess neuer Musik beteiligt? Oder sind es immer noch hauptsächlich du und Hans, die neue Songs schreiben?
Am Anfang waren es nur Hans und ich. Aber inzwischen sind alle involviert. Wir haben neue Songs, die wir bis jetzt noch nicht veröffentlicht haben. Wir werden sie auf unseren bevorstehenden Konzerten spielen. Es ist uns wichtig, die Songs live zu spielen und sie dadurch noch zu formen. Alles andere kommt danach.

Ist das der Grund, warum ihr das neues Album noch nicht veröffentlicht habt? Es war ja eigentlich für Sommer dieses Jahres angekündigt…
Ja, wahrscheinlich. Das war der Plan. Aber ich denke, Qualität braucht Zeit. Und es braucht eine Weile, bis wir mit unseren Songs zufrieden sind.

Ich habe euch letztes Jahr auf dem Iceland Airwaves in einem Buchladen gesehen und erinnere mich an eine Menge Mädchen (es waren vermutlich nur vier), die euch mit Violinen und Cello begleitet haben. Ich gehe mal davon aus, dass sie auf eurer Tour nicht dabei sind. Was erwartet uns denn mit den neuen Songs?
Leider ist es nicht möglich, die Streicherinnen mit auf Tour zu nehmen. Die Shows werden jetzt wahrscheinlich ein bisschen dynamischer werden, als damals im Buchladen. Die neuen Songs sind ein bisschen schneller, als die alten.

Wie kam’s eigentlich zu eurer Zusammenarbeit mit der Schweizer Booking-Agentur Breathing Hole und damit dazu, dass ihr in Deutschland und der Schweiz auf Tour gehen könnt?
Das war nur eine Frage der richtigen Person, die im richtigen Moment unsere Musik hörte und mochte und offensichtlich der Meinung war, dass sie von einem größeren Publikum gehört werden sollte. Wir selbst hatten wirklich keinen Anteil daran, aber es hat uns eine Menge Türen geöffnet. So wie es das Iceland Airwaves auch schon für zahlreiche andere Künstler getan hat.

Das Iceland Airwaves spielt also eine wichtige Rolle?
Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir ein Teil davon sein können und unterstützen aus ganzem Herzen das, wofür das Iceland Airwaves steht. Es führt durch dieses Showcase-Feeling sehr erfolgreich beides zusammen – neue Bands bzw. Musik und Reporter und Labels. Und es ist ziemlich wahrscheinlich auch der Grund, warum wir jetzt hier sind.

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