Polis: Auf prophetischem Trip Richtung Weltuntergang

· 23.09.2012 · 3 Kommentare

Der Osten Deutschlands bleibt das Pflaster für eine lebendige und kreative Rockszene. Stop! Argh. Streiche das Wort Szene. Ersetze es durch Clique. Oder Bagage. Szene ist etepetete. Der Osten (ohne Berlin) nicht. Heute im Visir: Polis aus Plauen.

Polis

Ich finde Bandbios von Popelbands wie uns langweilig, deswegen findet man sie auch nirgends“ sagt Christian Roscher von Polis und versucht sich da nicht in falschem Understatement. Das denkt er offenbar wirklich. Polis bewundern lieber andere Bands (Von Purple über Peter Gabriel bis Rotor) auf ihrer Facebookseite als sich selbst zu feiern. Auch ihr restliches Online Marketing macht den PR-Mann in mir ziemlich fertig. Wie seltene Libellen im Schilf unentdeckter Seen verstecken sich die Jungs im Internet. Aber immerhin. Eine neue Website ist endlich online und es findet sich ein Live-Video in bester Soundqualität.

Polis machen eine Mischung aus whiskeyschwangerem Blues und  psychedelischem Alternative Rock, ausgedehnt auf epische Hymnen mit 5 Minuten und mehr. Und das mit deutschen Texten. Eigentlich gar nicht mein Ding. Aber so wie schon Selig irgendwie doch immer wieder etwas bei mir berührt haben, so gelingt das auch Polis. Aktuell arbeiten Polis am Nachfolger ihres Debut-Albums „Eins, von dem die Songs „Schwester Abenddämmerung“ und „Sag mir“ stammen:

Schwester Abenddämmerung by stadtundbuerger


Deutsche Seele in D-Moll

Ich bin gespannt auf diesen zweiten Longplayer, der vielleicht sogar noch dieses Jahr erscheint. Eher aber wohl Anfang 13. Im Unterschied zu „Eins“ soll „Sein“ melodischer, weniger progressiv sehr viel balladenhafter sein. „Ich weiß nicht, wer gesagt hat, die deutsche Seele schwinge in D-Moll. Auf „Sein“ ist jedenfalls fast alles in D“ erzählt Christian, „Ein prophetischer Trip in Richtung Weltuntergang. Mit Freudentränen in den Augen.“ Das kann sensationell werden aber auch ganz, ganz furchtbar…(aus meiner Sicht).

Auch die deutsche Sprache wird einen noch größeren Stellenwert erhalten als auf „Eins“. „Ich glaube, es gibt auf dieser Welt keine weitere Sprache, mit der die Regungen des Unterbewussten so eindringlich dargestellt werden können“ schwärmt Christian, der für Polis seinen ersten deutschen Text schrieb und nie wieder etwas anderes tun möchte. Spirituelle Geister in Text und Musik. Das äußert sich in dem erklärten Wunsch, durch die Musik mit der Seele selbst kommunizieren und das letzte bisschen Geilheit erzeugen, die einen als Musiker so nach vorn peitscht. Und das geht nur analog.

Polis sind brutale und erbarmungslose Sound- und Equipment-Fetischisten und verstehen sich als politische Band, die daran glaubt, dass Worte, Musik und Taten die Welt verbessern können.  Band-Manager mit Hang zur großen Einflußnahme können also wegtreten, mit dieser Band habt ihr wahrscheinlich keinen Spaß! Aber dass mit dieser Musik trotzdem vieles erreicht werden kann, steht mal fest. Im Deutschrock ist zwischen Gothic, Stadion und Bierzelt noch Platz für Lyrik und analoge Vintage-Sounds!

PS: Eine Bandbio wäre trotzdem voll super. Liebe Grüße im Namen aller Schreiber mit weniger spiritueller Ader und dem Hang zum Faktencheck :-)

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