Matanza: Andenmusik vs. Street House

· 04.07.2012 · 1 Kommentar
6. Juli 2012
22:00 Uhr
L'Hibou, Dresden
1. September 2012
15:00 Uhr
Ostrale, Dresden
Infos & Lineup

Vicente Bassquez, Spec und Rodrigo Gallardo sind Matanza aus Santiago de Chile. Mit ihrem Mix aus folkloristischen Andenklängen und tanzbaren „Street House“ Sounds sind die drei gerade unterwegs, auf ihrer zweiten Tour durch Europa und spielen am Freitag in Dresden zum Maskenball der weißen Hasen im Sputnik 2.0. Wer verkleidet, mit Maske oder Indianerschmuck auftaucht, kriegt übrigens Nachlass auf den Eintrittspreis.

>> UPDATE 30.08.2012
Am Samstag, dem 01.09., verabschieden sich Matanza mit einem letzten Gig in Dresden von Europa. Die Party findet auf dem Gelände der Ostrale statt und beginnt schon 15 Uhr mit einem „Versteckspiel über das gesamte Gelände“. Mehr Infos gibt’s auf Facebook.

Zwischen dem Gottwood Festival in Wales, der Fusion (das ging ab!) und Lost in Spanish Translation war es zwar nicht ganz einfach bis chaotisch, den drei Chilenen ein paar Antworten abzuknöpfen. Spannend war es allemal, den Kopf nicht immer nur gen Norden zu verdrehen.

Ihr seid gerade in Berlin angekommen, wie geht’s euch?
Uns geht es bestens. Wir sind glücklich wieder auf Europatour zu sein!

Wie gefällt es euch in hier, in Berlin, in Deutschland?
Wir lieben es! Letztes Jahr hatten wir die Gelegenheit einige Wochen in Berlin zu verbringen. Das war eine sehr inspirierende Erfahrung. Die ganze Musik- und Kunstszene vor Ort hat uns viel neue Energie und Anregungen gegeben.

Wie ist das denn mit der Musikszene in Chile bzw. Santiago? Was geht da so? Und wie läuft’s dort für euch und eure Musik?
Chile und ganz Südamerika wachsen in letzter Zeit enorm. Jedes Jahr gibt es neue Festivals und wir durften auf den meisten davon spielen. In Santiago und vielen anderen Städten werden wir immer bekannter. Die Leute verstehen und teilen unsere Vision von Musik und musikalischer Tradition und können sich damit identifizieren. Wir versuchen die historische lateinamerikanische Kultur mit moderner Kunst zu vereinen und erschaffen daraus etwas Neues, eine neue Identität, die auch von unserem Publikum in Chile angenommen wird.

Euer Label Antartek Records hat seinen Sitz in Amsterdam. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Labelgründer Erasmo Parra (Green Pepper Boy)?
Wir haben Erasmo vor einigen Jahren kennengelernt, als er für eine Weile in Chile gelebt hat und die Musik von Valentina Fel und anderen Freunden produziert hat. Wir schätzen den Stil seiner Produktionen und er hat uns sehr geholfen, uns als Band zu promoten und unsere erste Europa-Tournee im letzten Jahr zu organisieren.

Stimmt es, dass ihr eigentlich aus der Hip Hop und Dub-Szene kommt? Wie habt ihr als Matanza zusammen und zu eurem jetzigen Sound gefunden?
Wir sind alle drei stark von Black Music geprägt und mit der Kultur des Hip Hop, Jazz, Latin, Reggae und natürlich lateinamerikanischer Folklore aufgewachsen. Gleichzeitig lassen wir uns von der Musik aus aller Welt inspirieren. Diese verstehen wir als ein globales Phänomen, um uns mit unseren Wurzeln und im Allgemeinen dem rituellen Geist von Musik auseinanderzusetzen. Wir haben alle drei vorher als Musiker und DJ´s in Santiago de Chile agiert, bevor wir dann 2009 beschlossen Matanza ins Leben zu rufen.

Die Presseinfo verweist auf die traditionelle Musik der Mapuche-Indianer, die ihr in euren Sound einfließen lasst. Wie kommt es zu dieser Verbindung?
Ja, wir verwenden ein paar Mapuche-Instrumente, wie die Trutruca. Außerdem sampeln wir ab und zu indianische Gesänge und Poesie. Die Kultur der Mapuche-Indianer ist nicht gerade für ihre komplexen musikalischen Entwicklungen bekannt. Ihre Musik ist vergleichbar mit anderer ritueller Musik in der ganzen Welt: Primitive Rhythmen, einfache Melodien, Trance. Uns beschäftigt außerdem der philosophische und politische Aspekt. Die Mapuche sind einer der wenigen indianischen Stämme, die bis zum heutigen Tage versuchen ihre Kultur zu erhalten. Sie haben eine sehr spezielle Art, die Welt, die Liebe und die Natur zu begreifen. Es ist eine sehr mystische und matriarchalische Kultur mit absoluter Wertschätzung der Umwelt und Gemeinschaft. Das neue globale Bewusstsein in den Metropolen hat unserer Meinung nach sehr viele Ähnlichkeiten mit der Lebenseinstellung der Mapuche-Indianer.

Und darum geht’s auch in euren Vocals?
Auf der einen Seite singen wir Textfragmente der indigenen Folklore, die meist die Liebe und den Respekt der Pachamama (Mutter Erde) gegenüber thematisieren. Damit stellen wir uns in eine Linie mit der Weltanschauung unserer Vorfahren, auf der unser musikalisches Schaffen basiert. Auf der anderen Seite schreiben wir Texte, die den Anspruch verfolgen, das Leben im Allgemeinen und im Besonderen die Rechte der Menschen, in einer Epoche voll von sozialer Ungerechtigkeit und fehlender Verbindung zur eigenen kulturellen Herkunft, zu respektieren.

Wie passt denn der Name „Matanza“ dazu, der eher eine grobe Bedeutung hat?
Matanza heißt auf Spanisch Blutbad oder Gemetzel. Mit dem Namen nehmen wir auch Bezug auf die indigene Kultur, deren Mythen, Rhythmen und Gesänge entscheidenden Einfluss auf unsere Musik haben. Historisch betrachtet ist der Werdegang aller lateinamerikanischen Indio-Stämme zu gewissen Zeitpunkten mit brutalen Blutbädern verknüpft. Dies ist ein Merkmal unserer nicht nur chilenischen, sondern südamerikanischen Identität, die wir in der Fusion standhafter Techno-Beats und tänzelnder Folklore-Elemente thematisieren.

Welche anderen Einflüsse spielen für eure Musik eine Rolle?
Wir kombinieren typische Instrumente der Andenvölker, aus Kolumbien und allen anderen Ländern Lateinamerikas in unserem musikalischen Stil. Die verschiedenen Musikrichtungen, die wir in unsere Lieder fließen lassen, sind ihrerseits von anderen Kulturen beeinflusst. Zum Beispiel spürt man in Kolumbien den starken Einfluss afrikanischer Musik. In Peru und Bolivien lassen sich diverse orientalische Einflüsse erkennen. Und so durchdringen sich die verschiedenen regionalen Stile gegenseitig. Die Freiheit, alles miteinander kombinieren zu können, ist etwas, das uns sehr motiviert, neue Sounds und Musikformen zu entdecken und somit alte und neue Kulturen und alles was uns berührt zu verbinden.

Ihr habt gerade ein Album aufgenommen, „Dubamerica“ …
Ja, wir haben ein großes Konzert in Santiago de Chile gegeben, um die neuen Lieder zu präsentieren. In den nächsten Tagen werden wir das Album ins Netz stellen. Wir warten auf ein paar Tracks, die noch gemastert werden und stellen es dann auf unserer neuen Website zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Ihr bietet alle eure Veröffentlichungen zum kostenlosen Download an. Geht diese Strategie für euch auf?
Die EP Apolinar auf Antartek war bisher die einzige Produktion, die wir zum kostenlosen Download angeboten haben. Die vorherigen zwei EPs wurden von Anabatic und Dubnoir über Beatport zur Verfügung gestellt. Persönlich bevorzugen wir die Mentalität der gratis Downloads. Wir glauben, es ist viel besser alle Leute zu erreichen, die an der Musik interessiert sind, anstatt nur ein paar Club-DJ´s zu beliefern.

Wird es euer neues Album auch auf physischen Tonträger geben? Habt ihr’s auf eurer Tour dabei
Leider haben wir es noch nicht geschafft Platten zu produzieren. Wir hatten einige Verspätungen bei der Studioarbeit und wägen jetzt die Möglichkeit ab, Dubamerica auf Vinyl zu pressen. Aber noch haben wir bedauerlicherweise keine eigenen Platten in unseren Reisekoffern.

Einen schönen Sommer euch und viel Spaß auf der Tour!
Vielen Dank für das Interview. Und viele Grüße an all die wunderbaren Menschen, die uns bisher mit offenen Armen empfangen haben!

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