Wärmer als in Italien

Jonas David und Polyana Felbel bezauberten das Dresdner Publikum.

Italien war schwierig, beklagte sich Jonas David. Dort hatte er gegen ein geschwätziges
Publikum anspielen müssen, das sich lieber lautstark unterhielt als seiner Musik zu lauschen.
Nun gab der Wuppertaler seinen Einstand in der Dresdner Scheune. Sein Blick schweifte
einige Male erstaunt über die gut besetzen Stuhlreihen. Hier gab es keine Geräuschkulisse,
die nichts mit Musik zu tun hatte. Nur andächtig lauschende Zuhörer und der Prototyp
eines Singer-Songwriters mit Bart und beigem Pulli, dessen melancholischer Gesang die
gefühlvollen Lieder trug.

Das zum größten Teil junge Publikum war verzückt an diesem Abend. Der Beifallsturm
ebbte nach Konzertende nicht ab, und die Musiker ließen sich für zwei Zugaben nicht lange
bitten. Jonas David sowie die Sängerin Polyana Felbel, die das Konzert eröffnete, schienen
die Sehnsucht nach fragiler Songwriter-Mentalität zu stillen. Die Kölnerin Polyana Felbel
teilte mit David die Bühne, neben ihr zupfte Simon den Hartog von der Band „Kilians“ die
Gitarrensaiten. Wie ihre Lieder agierte Felbel auf der Bühne mit Charme und Zurückhaltung.
Mehrmals entschuldigte sie sich für ihr Lampenfieber, dabei die Hände oft vor dem Bauch
verschränkt. Sie ist keine Frau großer Gesten – aber eine mit wandelbarer Stimme, die zarte
als auch kraftvolle Töne vereint.

David und Felbel gelang nicht nur mit ihrer intimen Musik das Eis zwischen Bühne und
Zuhörerschaft zu brechen. Zudem lockerten ihre kurzen Kommentare die Stimmung auf. So
verglich David Dresden mit Hamburg, ein großes Kompliment seitens des Hamburg-Fans.
Und Italien schien plötzlich vergessen.

Jana Schäfer


Dieser Text entstand im Workshop Musikkritik.
Hier geht’s zu den Texten der anderen Teilnehmer:
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