Schuster bleib bei deinen Leisten

TV Noir ist das selbsternannte ‚Wohnzimmer der Songwriter‘. Das Konzept ist simpel: Die Gäste lernen in gemütlicher Atmosphäre sowohl die Musik als auch die Musiker dahinter kennen. Einen Moderator gibt es nicht. Und so erfährt das Publikum nur etwas über die Künstler, wenn sie über sich selbst reden.
Der 24 jährige Singer-Songwriter Jonas David macht dies nicht. Er lässt lieber die Musik sprechen und offenbart sich dem Publikum durch Folksongs, die vor allem vom Suchen und Finden handeln. Jonas David ist unterwegs und spielt den perfekten Soundtrack, um die Landschaft an der Autoscheibe vorbeiziehen zu lassen. Dabei ist er nicht nur der nachdenkliche Junge mit der Gitarre, der Lieder über sich und seine Mitmenschen schreibt, sondern er gibt zwischen den Liedern vielleicht mehr von sich Preis, als in den Songs selbst.

Während des Stimmens seines Instruments erzählte er mit verschmitztem Lächeln immer wieder kleine Witze. Eine nette Auflockerung, die zeigte, dass er nicht alles so furchtbar ernst nimmt, was er singt. Allerdings war der Kontrast zwischen den melancholisch-kraftvollen Liedern, die er mit seiner Falsettstimme darbot, und den albernen Witzen irgendwann zu groß. Er ist eben Musiker und kein Kabarettist. Und musikalisch heben sich der Deutsche und seine Band deutlich von anderen Singer-Songwritern unserer Zeit ab.

Ist Johannes Dietzsch, der zweite Gitarrist, mit dem Xylophon beschäftigt, bedient sich Jonas David einfach einer Loopstation, um mehrere Gitarrenspuren übereinander zu legen. Klingt der Sound einmal nicht satt genug, spielt Schlagzeuger Davide Iacono den Bass eben von Hand ein. Alles Kniffe und ‚Tricks‘, die man nicht erwartet, hört man sich seine Musik auf CD an. Ebenso wenig das Effektgerät, mit dem der junge Musiker gelegentlich seine Stimme verzerrt. Experimentierfreude, um sich von anderen Künstlern dieses Genres abzugrenzen, ist durchaus positiv. Allerdings klang ein solcher Effekt in Kombination mit seiner hohen Kopfstimme eher nach Walgesang als emotionaler Musik. Und wer will schon einen singenden Wal in seiner guten Stube haben, wenn es auch ein nachdenklicher Junge mit innovativen Folksongs sein kann?

Matthias Moritz


Dieser Text entstand im Workshop Musikkritik.
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