SPOT Festival: Sakaris im Interview

· 08.05.2012 · Keine Kommentare

Es muss nicht immer Island sein – auch auf den Färöern lassen sich zu atemberaubenden Landschaftsbildern schwermütig-melancholische Gedanken träumen und von talentierten Musikern, die z.B. Teitur, Guðrið Hansdóttir oder Orka heißen, in oft recht speziellem Sound vertonen. Einer weiterer, Sakaris Emil Joensen, verpackt die trüben Begebenheiten, die einem manchmal den ganzen schönen Spaß im Leben verderben, in blinkend-fröhlichen Electro-Pop. Selbst angekratzte Seelen lassen sich davon schnell mal zu guter Laune verleiten, wenn sie nach Super Mario World gebeamt werden weil sie versehentlich nicht auf den Text geachtet haben.

Auf dem diesjährigen SPOT Festival spielte Sakaris seine erste richtige, vielversprechende Live-Show. Am ersten Festivaltag um 17 Uhr war das kein ganz einfacher Start. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt noch nicht dazu bereit, sich schon zahlreich in ausgelassenen Festivalmodus bringen zu lassen.

Nach seinem Auftritt traf ich mich mit Sakaris auf ein Bier, um ihm ein paar Fragen zu stellen und auf unser gemeinsames Interviewdebüt anzustoßen.

Als Sakaris machst du seit 2007 Musik?
Ja, ich mache schon sehr viel länger Musik, aber ungefähr 2007 hatte ich meine erste Band, Lama Sea, eine Rock-Band, die auf den Färöern ziemlich bekannt war. Es ist sehr leicht, auf den Färöern bekannt zu werden, weil alles so klein ist. Es lief ziemlich gut, aber dann haben wir uns aufgelöst. Nebenbei habe ich immer auch Musik mit dem Computer gemacht, seit ich 12 bin oder so. Aber dieses Projekt, Sakaris, gibts eigentlich erst seit 2010. Ich fange gerade erst an. 2010 habe ich meine EP Darling digital veröffentlicht, das war sozusagen der offizielle Start von Sakaris.

Schreibst du deine Songs alleine oder arbeitest du auch mit anderen Musikern zusammen?
Nein, ich arbeite alleine in meinem Wohnzimmer, wo ich eine Menge Zeug habe. Ich sitze da und … die Musik entsteht hauptsächlich am Computer und ich spiele viel Keyboard. Ich würde mich zwar nicht als Keyboarder bezeichnen, aber ich habe mich daran gewöhnt und versuche, das auch live umzusetzen. Ich habe mir gerade diese “Keyboard-Gitarre” gekauft…

Auf der Bühne haben dich Janus Rasmussen (Bloodgroup, Kiasmos) und Heðin Ziska Davidsen unterstützt. Betrachtest du die beiden als feste Live-Besetzung für Sakaris?
Ich hoffe es. Es ist hauptsächlich mein eigenes Projekt, ich betrachte es nicht als Band. Aber wenn wir live spielen, werde ich immer versuchen die beiden zu bekommen. Es ist nicht ganz so einfach, denn wir leben in drei verschiedenen Ländern, Janus in Island, Heðin in Dänemark und ich auf den Färöern.

Janus hat auch dein Album gemixt?
Ja, Janus und ich sind sehr gute Freunde seit wir ungefähr 7 Jahre alt sind. Er hilft mir unglaublich viel.

Erzähl mir was über das geplante Album. Ich hatte während eurer Show den Eindruck, dass sich die neuen Songs etwas von denen unterscheiden, die ich auf der EP gehört habe.
Ja, die EP ist „Party Party“. Das wird auf dem Album anders sein, vielleicht nicht ganz so lustig. Es wird ein bisschen ernster sein, das Album ist ziemlich dramatisch geworden. Und … uuuuh, 80er Drama und das Herz ausschütten – aber auf lustige Art.
Auf dem Album sind Songs, die ich vor fünf Jahren geschrieben habe und ganz neue. Das ist toll, denn ich habe vor fünf Jahren Songs geschrieben, die ich ziemlich gut fand. Dann hatte ich sie über oder sie sind verblasst und ich habe neue angefangen. Und nun hatte ich den Luxus, all diese Songs herzunehmen, sie anzuhören und festzustellen ‚Hey, das ist ziemlich gut, das kann auf mein Album‘. So konnte ich reinen Tisch machen und habe nichts mehr um mich, das mich noch beschäftigen muss. Ich kann alles veröffentlichen und für mein nächstes Album vollkommen neue Songs schreiben.

Wann wird das Album veröffentlicht?
Es ist für Anfang Juni geplant und wird zunächst nur auf den Färöern veröffentlicht. Das alles ist so neu für mich. Ich habe noch nie ein Interview gemacht, wie das hier.

Echt? Ich auch nicht.

*Cheers!*

Ich habe mich auch noch nicht um irgendwelche Verträge gekümmert. Fürs Erste ist der Plan, das Album auf den Färöern zu veröffentlichen. Dann werde ich mich um einen guten Deal bemühen, um es überall zu verbreiten … Von jetzt an stecke ich alle Energie in dieses Projekt, und … volle Kraft voraus! Bisher war mir das Ganze nicht so ernst, aber jetzt will ich den nächsten Schritt gehen.

Arbeitest du noch an anderen Projekten?
Ja, auf den Färöern gibt es viele Bands, jeder kennt jeden und jeder hat drei oder mehr Projekte. Ich selbst spiele noch in zwei, drei oder mehr verschieden färöischen Bands.

Kannst du davon leben, oder arbeitest du nebenbei?
Nein, ich studiere. Aber nur, um bezahlt zu werden. … Nein, ok … ich versuche es auch durchzuziehen.

Was studierst du?
Sowas wie Bibliothekar. Aber ich denke nicht, dass ich als Bibliothekar arbeiten möchte.

Und du bist so unglaublich deprimiert? Wie kommt das?
Genau. … Ach, du meinst den Song … Ja, das war an einem verkaterten Morgen, ich hab Keyboard gespielt und fand diesen Sound. Und der klang so deprimiert. Nicht ich war deprimiert …

Ich mag dieses Konzept – die verspielte, fröhliche Musik und dazu die pessimistischen Texte…
Ja und das Album wird noch mehr so sein. Es klingt wirklich positiv und verspielt und die Texte sind sehr frustriert, ironisch und uuuh – ich hasse dieses und finde jenes scheiße …
Ich weiß nicht, das ist ziemlich seltsam. Wann immer ich Musik schreibe, klingt es so ‚didididi‘, es entsteht etwas helles, fröhliches. Und dann setz ich mich hin und schreibe Texte und die werden immer so negativ.

Interessant …Vielleicht eine Art Therapie?
Vielleicht, ich kann mich nicht erinnern, jemals einen positiven Text geschrieben zu haben. Ach doch! Es gibt dieses eine Liebeslied. Obwohl, ich bin mir nicht sicher, ob das positiv ist …

Gibt es Tourpläne?
Ich habe bis jetzt nichts geplant. Erst das Album und danach fange ich an, Auftritte zu planen, das alles, Promotion. Ich denke, ich muss mir Leute suchen, die mir damit helfen, damit ich mich auf die Musik konzentrieren kann. Momentan mache ich alles selbst und … allein der Trip hier her – ich musste mich um alles kümmern, das war ziemlich stressig.
Aber ich bin mir sicher, du wirst noch mehr von mir hören. Das heute war der erste Test für unser Live-Set. Ich habe vorher nur eine oder zwei Shows mit viel Playback gespielt, das zählt nicht. Jetzt habe ich Heðin, der live Bass gespielt hat und Janus hat viel gesungen …

Was bedeutet es für dich, auf dem SPOT zu spielen?
Es ist großartig! Es ist so verrückt, dass es doch noch geklappt hat. Ich hatte mich beworben, wurde aber abgelehnt. Und einen Monat später bekam ich plötzlich die Nachricht, dass sie mich buchen wollen. Das lief über dieses färöische Label, TUTL.

Wie findest du das Festival?
Ich habe bis jetzt noch nichts gesehen, ich war vollkommen damit beschäftigt, alles zu organisieren. Das hier ist mein erstes Bier, jetzt kann ich mich entspannen. Ich werde dieses Wochenende eine Menge Spaß haben!

Kannst du mir noch ein paar Bands empfehlen, die ich mir anschauen sollte?
Ich kenne mich mit der dänischen Musikszene nicht so aus, ich kenne nur die großen Namen – The Raveonettes, Alphabeat … Allerdings solltest du dir Marius anschauen, der ist auch von den Färöern und ziemlich gut.

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