Pärchenkonzert

· 31.05.2012 · 3 Kommentare

TV Noir ist eine monatlich in Berlin stattfindende, moderierte Veranstaltung aus Live-Musik, Talk und Publikumsinteraktion. Als Konzertreihe schickt TV Noir das Wohnzimmer der Songwriter aber auch in andere deutsche Städte und kündigt wenig aufregend »Akustische Konzerte ohne Moderation oder sonstigen Schnickschnack – einfach nur Musik« an.

Polyana Felbel und Jonas David begingen das Bergfest ihrer TV Noir Tour in der Dresdner scheune: »Wir haben gefühlt schon 47 Konzerte gespielt und müssen noch 47 weitere Konzerte spielen, wir sind den ganzen Monat auf Tour.« Susann Den Hartog, die unter dem Künstlernamen Polyana Felbel u.a. gemeinsam mit ihrem Mann, Kilians-Sänger Simon Den Hartog, auf der Bühne steht, scheint das Tourleben zu ermüden. Aufgeregt ist sie trotzdem. Immer noch. Sie weiß nicht, wo sie ihre Hände lassen soll, spielt mal verlegen mit ihren Fingern, hält sich dann wieder an ihrem Kleid fest. Ihre Nervosität ist ansteckend und steht ihrer ausdrucksstarken Stimme gar nicht gut. Die mit Cello und Akustikgitarre minimalistisch instrumentierten, melancholischen Folksongs der Sängerin sind vorhersehbar und mädchenhaft. Nett.

»Schön« hört man freitagabendfein zurechtgemachte Mädchen seufzen, bis sie von den gelangweilt dreinblickenden Jungs an ihrer Seite in den Arm genommen werden. Auch Susann Den Hartog schwelgt auf dem Bühnensofa zum akustischen Songwriter-Folk von Jonas David und lässt sich von ihrem desinteressiert wirkenden Mann in den Arm nehmen.

»Ich frage mich manchmal, was typisch deutsche Eigenschaften sind« sagt Jonas David und meint das Bestreben der Zuhörer, nach der Pause ihren angestammten Platz einzunehmen. Mir kommt ein Mangel an Temperament und Mut in den Sinn, der Begeisterung und Intensität verhindert. Auch mit seinem markanten Falsett-Gesang und der bemühten Interaktion mit dem Publikum schafft es Jonas David nicht, seine Stücke überzeugend vorzutragen.

Erst als Polyana Feribel und Jonas David gemeinsam auf der Bühne stehen, glimmt für einen kurzen Moment so etwas wie Groove oder Flow auf. Dieser erlischt aber mit dem ambitionierten Versuch, aus sich herauszugehen, der vor allem Polyana Feribel einfach nicht gelingt.

http://www.youtube.com/watch?v=qnaYoabnSvk

Dem Publikum gefällt’s, es seufzt, lacht und klatscht ausgiebig an den dafür vorgesehenen Stellen.

 

Dieser Text entstand im Workshop Musikkritik.
Hier geht’s zu den Texten der anderen Teilnehmer:
Wärmer als in Italien
Schuster bleib bei deinen Leisten

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