CSC, DSC: Das Fußball ABC der Gefallenen

· 16.05.2012 · Keine Kommentare

Beim Stöbern in einem alten Kicker Sonderheft von 1985 bin ich bei den Tabellen der Amateur-Oberligen hängengeblieben. Was für klanghafte Namen, was für Erinnerungen und … was für Überraschungen. Neverever hätte ich die Millionenfrage: „Welcher Kassler Fußballclub stand im Jahr 1985 vor dem KSV Hessen?“ richtig beantwortet. Wahrscheinlich hätte ich Baunatal gesagt und mächtig auf die Plotze gekriegt, weil Baunatal gar nicht Kassel ist.

Den CSC 03 Kassel jedenfalls, den hatte ich nun wirklich nicht auf dem Schirm. Und da ich immerhin zwei (wunderbare) Jahre in Kassel verbracht habe, musste ich doch ein wenig recherchieren. Wozu gibt es Dr. Google? Die glanzvollste Zeit des CSC 03 waren die 1930er und 1940er Jahre, als man der Gauliga Hessen als höchster deutschen Spielklasse angehörte. Hier gelang in der Saison 1938/39 die Meisterschaft und die damit verbundene Qualifikation zur Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft, in der man jedoch bereits in der Vorrunde als Tabellenletzter am FC Schalke 04, Vorwärts-Rasensport Gleiwitz und Wormatia Worms scheiterte. In den 1980er Jahren konnte der CSC 03 mit dem Aufstieg und der Vizemeisterschaft in der Oberliga Hessen noch einmal an alte Erfolgszeiten anknüpfen…“

In der Folgezeit verschwand der Verein aus dem überregionalen Fußball. Mit kurzen Ausflügen nach oben, spielt der Verein seitdem in der Kreisoberliga.

CSC, DSC – Von der höchsten Spielklasse in die Stadtoberliga

Höchste Spielklasse im Krieg, am Profifußball angeklopft in den 80ern, Kreisoberliga.. Das erinnert an viele und auch an den Dresdner SC, dessen Fußballabteilung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts international bekannt war. Die größten Vereinserfolge der DSC-Fußballer waren 1940 und 1941 der Gewinn des Deutschen Pokals (damals Tschammerpokal) und 1943 und 1944 die Deutsche Fußballmeisterschaft. Im Ostragehege (heute Steyer-Stadion) verfolgten bis zu 60 000 Zuschauer die Spiele der damals stärksten sächsischen Mannschaft um den Fußballgott Helmut Schön (Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft und von 64-78 Bundestrainer).

Nach der Wende startete der DSC 1990 in der Bezirksliga. Bereits 1991 stieg man in die Landesliga Sachsen auf. Dort wurde man sofort Sachsenmeister und spielte bereits 1992/1993 in der dritthöchsten Spielklasse, der Amateur-Oberliga. Als ich 1993 nach Sachsen kam, spielte ich mit Budissa Bautzen eine Klasse darunter. Der DSC stieg ab, wir aber auch: Es gab also kein Aufeinandertreffen. Mitspieler wollten mich zu einem Wechsel zum DSC überreden, weil es dort angeblich jede Menge Kohle gab. Scheint was dran zu sein: Gereicht hat es jedenfalls für einen sofortigen Aufstieg in die Oberliga, die allerdings mittlerweile dank der eingeführten Regionalliga nur noch vierte Liga war.

Aber pünktlich zum 100. Geburtstag gelang dem Verein 1998 wieder der Sprung in die Drittklassigkeit.  Aufbruchstimmung, Fußballparty…. Größenwahn! War es naiv zu denken, dass man der „DDR-Geburt“ Dynamo Dresden den Rang als Nummer 1 der Stadt wieder ablaufen konnte? Hätten bessere Markenstrategen und eine solidere Führung das hinbekommen? Wer will das heute beurteilen? Die Antwort lautet wohl eher: Nein! „Tradition“ als Maßstab für Vereine war besonders in den späten 90ern extrem beliebt. Und Tradition meinte nicht „echte“ Geschichte sondern Erfolge der 70er und 80er Jahre. In der Saison 2002/03 dann der finale Todesstoß. Entschuldung, Abstieg, strukturelle Probleme. Nach erneutem Abstieg und der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, spielte der DSC F98 in der Saison 2006/2007 in der Bezirksliga Dresden, aus der der Verein nach nur einer Saison erneut abstieg. Aktuell spielt der DSC in der Stadtoberliga Dresden…

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