Auf ein Bier mit John Klein: Nachtrag, Giana Factory im Thalia

· 10.05.2012 · Keine Kommentare

Hiermit gebe ich dieser Rubrik die zu lesende Überschrift, als kleine Ode an eines meiner ersten und entspanntesten Interviews im Rahmen des Mittelstern, nämlich dem mit John Wright vion No Means No, mit dem ich wunderbarerweise tatsächlich auf ein Bier im Backstage der Groovestation saß und sprach, was auch hier zu lesen war.

Die drei Frauen der dänischen Band Giana Factory tranken Prosecco, was aber dem kurzen Interview keinen Abbruch tat.

Der Name der Band von den drei Skandinavierinnen ist grundsätzlich schon assoziationsreich.

Giana Factory läßt vor meinem Auge eine Karikatur von Lady Diana erscheinen. Dieses überzogene Bild der blonden Prinzessin der Herzen. Factory wird auf ewig immer die Factory des Andy Warhol sein. Dazu sieht man auch noch in dem Video zu ihrer Single Rainbow Girl die drei Frauen mit glänzenden Gesichtern und dazwischen maskenhaft kostümierte Gestalten, tanzend, mit einer schwarz weiß und teilweise wie colorierten sechziger Jahre Ästhetik. Das im Zusammenhang mit der Factory läßt mich wiederum an Nico denken. Und die Bilder ihres Videos  sehen auch ein wenig danach aus.

Das Konzert findet im Thalia statt, was natürlich durch die unwiderruflich festen Stühle eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Der Rhythmus  ihrer Musik hat tanzbares Tempo. Sie treiben an und/aber es ist kurz davor, monoton zu sein, oder zu glatt, aber der Sympathiebonus der drei Däninnen wirkt durchaus gegen diese Wahrnehmung. Somit funktioniert die Sitzgelegenheit, da man ihnen zusehen kann!

Sie wirken gelöst und wie ein Team. Selbst wenn ihnen kleine technische Fehler unterlaufen und das ganze schon recht minimalistisch ist, denn sie spielen zu ablaufenden Tonspuren, wenn auch nicht ohne Verve.

Es ist witzig, denn beim kurzen Interview nach dem Konzert, stelle ich eine Frage in den Raum und sie (Loui, die Sängerin, Sofie am Keyboard und Lisbet am Baß) sehen sich gegenseitig an, bevor sie antworten. Niemand ist hier dominant, auch wenn Sofie am meisten redet.

(Sofie ist auch die, die optisch einer jungen und gesunden Nico am nächsten kommt.) Bei Giana Factory gibt es keinen Leader, aber das ist nur meine Beobachtung.

JK: Ich habe euch bis heute nicht gekannt und auch bis vor dem Konzert nur ein Video und ein Lied von euch gehört. Rainbow Girl, was mich ein wenig an die Nico- Ästetik denken ließ.

Liz: Wow. Das ist eine gute Assoziation. Wirklich?

JK: Erstaunt euch das? Spielt ihr nicht offensichtlich auf Nico an?

Liz: Niemand hat das bis jetzt gesagt, aber natürlich lieben wir Nico.Sie hat auch etwas Kantiges, auf der Ecke, neben dieser Dunkelheit.

JK: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben, oder einordnen?

Sofie: Oh, es ist immer schwer, die eigene Musik einzuordnen.

JK: Nicht unbedingt. In welche Richtung möchtet ihr denn gehen, welche Vergleiche bevorzugt ihr?

Sofie: Wir arbeiten mit Gegensätzen. Süß gegen herb, dunkel gegen hell. Mehr dieses industrial, gegen die organischen Klänge  der Gitarre.

JK: Industrial finde ich es ja nun gar nicht.

Sofie: (lacht) Ja, vielleicht ist es auch eher was wir so hören.

JK: Was hört ihr für Musik.

Sofie: Tatsächlich höre ich viel Krautrock und afrikanische Musik.

Loui: Einige Leute haben mal gesagt, wir wären so etwas, wie die weibliche Version von Joy Division.

Sofie: (lacht) Ja, das würden wir auch gern behaupten.

JK: Rainbow Girl ist im Grunde ein Popsong, der dieses stoische von der Joy Division-Linie beinhaltet. Wo wollt ihr mit er Musik hin, zu welchem Publikum?

Sofie: Rainbow Girl war unser erstes wirkliches Lied. Wir wissen nie genau, in welche Richtung wir da gehen. Wir hocken einfach zusammen und machen unsere Musik, was gut zusammen geht. Wir ergänzen uns auch ziemlich gut. (Wohl wahr!)

Liz: Ich mag ja…(zögern) kennst du Anna Calvi?

JK: Ich liebe Anna Calvi!

Liz: Sie mag ich wirklich. Kennst du ihre Sessions, die sie auf einem Dachboden eingespielt hat? Das ist wirklich großartig. Und sehr intensiv. Und sie ist natürlich eine wunderbare Gitarrenspielerin.

Loui: Nico gehört in jedem Fall dazu.

Anna Calvi ist eine junge Sängerin, italienischer Abstammung, die letztes Jahr mit einer gewaltigen Stimme und unglaublich wunderbaren Gitarrenspiel aufgefallen ist. Sie begann als Vorgig von Grinderman; das zur Musikgeschichte.Das besondere ist, das Anna Calvi Musik aus ihren ganz eigenen Kosmos macht und damit vergleicht sich Liz.Interessanterweise hat sie auch einen fast ähnlichen Stil, wie Anna Calvi. Die Gitarre, der Look. Und sehr weiblich.Da sie optisch wirklich sehr viel mit in die Musik mitgeben, trotz relativ reduzierter Showelemente, liegt mir meine nächste Frage schon auf der Zunge.

JK: Wie wichtig ist euch der Look, wie ihr auf der Bühne ausseht, eure Erscheinung? Gehört das dazu? Eure Videos sehen so aus.

Sofie: Wir sind so wir sind.

Liz: Wir sind nicht versessen darauf, uns für ein Konzert anzuziehen, aber  wichtig ist es schon.Wir ziehen uns so an, wie sonst auch, vielleicht ein wenig …mehr. (we do it ..more!)

JK: Wie war es für euch in einem Kino zu spielen?

Loui: In Ordnung, aber natürlich sehr anders. Man bekommt nicht so schnell mit, was die Leute mögen, weil sie sich eben nicht bewegen.

JK: Und hier?

GF: (alle durcheinander) Doch. Sie mochten uns, denke ich.

JK: Ihr konntet die Leinwand für Projektionen nutzen.

Sofie:  Das machen wir ohnehin immer. Es sind unsere Videos. Wir haben auch mal in einer Schule in so einem Kinoraum gespielt. In Louis Kunstschule.

JK: Loui studiert Kunst?

Sofie: Loui ist Künstlerin, ich studiere Philosophie. Und Liz ist Architektin. Sie gibt uns auch die Struktur.

JK: Alles dabei.

Sofie: Ja, stimmt. Alles dabei.

JK: Mal abgesehen von einem Konzert. Was interessiert euch auf Tour am meisten an einer Stadt? Was seht ihr euch an?

Loui (lacht) Wir sind immer auf der Suche nach gutem Essen.

Sofie: Und wo man einen guten Kaffee trinken kann!

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