Andre Williams & The Goldstars

20. Mai 2012
21:00 Uhr
Beatpol, Dresden
VVK ab 15,50 €
Verlosung

»Mister Rythm«

»The Black Godfather«

»The Father of Rap«

»Mister Bad Motherfucker«

»Mister Wild Motherfucker«

»Ex-Drogenbaron von Ike Turners Gnaden«

… eine Aufzählung aller Synonyme, welche von jeher das tatsächliche (und recht wundersame) Leben des 1936 in Bessemer/Alabama geborenen Zeffrey „Andre“ Williams zu umschreiben versuchen, fände mit Sicherheit kein allzu schnelles Ende.

Seit über 50 Jahren im Geschäft, eine lebende Legende. Songwriter und/oder Produzent u.a. für Mary Wells, die Contours, Marvin Gaye, Parliament, George Clinton, Edwin Starr, B.B. King, Tina Turner und sogar Stevie Wonder. Kollaborationen und Aufnahmen mit den Demolition Doll Rods, Jon Spencers Blues Explosion, den Red Hot Chilli Peppers, sowie mit Mitgliedern von The Gories und der White Stripes. Darüber hinaus für zwei der größten Hits des 60’s Soul verantwortlich – „Shake A Tailfeather“ von den Five Dutones und Mack Rices Original von „Mustang Sally“.


1956 und 1957 schrieb Andre Williams für das kleine Chicagoer Label Fortune Records „The Bacon Fat“ und „Jail Bait“, neben so einigen anderen, seine wohl berühmtesten Songs. Songs, die aus dem Leben gegriffene Situationen zu anzüglichen Lyrics in vollkommen surreale Szenen übersetzten. Da Williams wusste, dass er stimmlich mit den damaligen Gesangsstars keineswegs mithalten konnte, röchelte, grunzte und knarzte er über einen schrägen, fast funkigen Rhythmus. Das Subgenre Dirty Soul entsteht und so einige heutige Musikjournalisten sehen in Williams, aufgrund seines heiseren, für damalige Verhältnisse völlig ungewöhnlichen Sprechgesangs und seiner betont ruppigen Attitüde, sogar den „Father of Rap“.

In den 60ern arbeitet Andre Williams dann für Berry Gordys berühmtes Soul-Label Tamla Motown, später dann beim renommierten Chicagoer Label Chess Records, vor allem als Produzent und Komponist. Man nennt ihn nun den „Black Godfather“, doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis sein künstlerischer Höhenflug mit der Bekanntschaft von Ike Turner jäh endet. Williams verirrt sich in Turners Welt der wildesten Koks-Partys, der Dauerexzesse und der Paranoia und endet schließlich pleite und mit einem handfesten Drogenproblem sprichwörtlich unter einer Brücke in Chicago als obdachloser Junkie. Symptomatisch für die gewisse Tragik in Andre Williams Leben ist eine Szene im 2010 fertiggestellten Film „Agile Mobile Hostile“ der US-Regisseure Tricia Todd und Eric Matthies. Darin besucht Williams das heutige Motown Historical Museum in Detroit, erklärt zunächst das Haus in seinen früheren Umrissen und stellt sich dann dem Security-Mann am Einlass vor, der ihn selbstverständlich nicht erkennt. Sichtlich gekränkt verlässt der Mann, der Stevie Wonder einst zu seinem Namen verhalf, das Anwesen mit den Worten: »Ich war in keinem Scheiß-Museum, ich bin das Scheiß-Museum!« Doch andererseits trügt hier auch der Schein, denn „Mr. Rythm“ trauert seinen Erfolgen von einst beileibe nicht hinterher. Mit Hilfe von Garage-Rockern der neueren Generation, wie z. Bsp. John Spencer, nahm die Karriere des Dirty Old Man in den 90ern wieder Fahrt auf. Seither ist Williams eine Art Underground-Club-Phänomen, hat ein paar richtig gute Alben aufgenommen und geht trotz zwischenzeitlicher Drogen-Rückfälle (»Ja, ich nehme Drogen. Ja! Ja! Und ihr nehmt auch Drogen.«), damit verbundenem Knastaufenthalt, schwerer Lungenentzündung, Alkoholvergiftung und diversen Herzproblemen immer mal wieder auf Tour „um Ärsche zu kicken“.

Zum Ableben hat Mr. Stehaufmännchen einfach keine Zeit und man kommt nicht umhin an jenen berühmten Satz eines Motörhead-Fans zu denken: »Wenn irgendwann die Atombombe fällt, werden nur Kakerlaken und Lemmy überleben.« Und Andre Williams.

Für die Show im Beatpol verlosen wir 2×2 Tickets unter allen, die uns bis zum Samstag, 19.05., 10 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff Andre Williams schicken.

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