RUSSIAN CIRCLES im Beatpol

Am Sonntag spielten die Russian Circles im Beatpol. Eine recht junge Band. Jung die Band an sich, wie die Mitglieder, ihr Auftreten. Sie haben sich 2004 gegründet und kommen aus Chicago.
Ich bleibe bei meinem Vergleich, dass ich sie von der Zuordnung her in den sogenannten Post-Rock stecken würde, obwohl sie sich selbst in einem Interview mal darüber lustig gemacht haben. Die Band geht mit der neuen CD Empros eindeutig in die Metal Richtung. Und so haben sie auch gespielt. Laut und schwingend.
Der Beatpol ist nahezu voll, was bei einem solchen Konzert schon mal wunderbar ist.
Schon bevor die Circles anfingen, haben sich einige die dazu passenden T-shirts gekauft und angezogen!. (Aleister Crowley ist auf einem abgebildet, oder ein Alter Ego Crowleys)
Es wird gejohlt, gebrüllt und gepfiffen.
Die drei Jungs der Circles stehen ruhig auf der Bühne und spielen nach einer Weile des Sound-Checks einfach los.
Für dieses Dröhnen geht eine ziemliche Ruhe von ihnen aus.
Ich habe es lauter erwartet, aber wie das mit den Erwartungen so ist. Von der Atmosphäre her ist es eines der angenehmsten Konzerte, auf denen ich in der letzten Zeit gewesen bin. Angenehm im Sinne davon, dass die Leute mitgehen und sie sind irgendwie beisammen. Im ganz alten Sinne. Und mit der Band, die da spielt. Trotzdem tauchen da alle in den Tönen wie für sich weg.
Das Konzert erfüllt auch das, was eine Live-Band geben kann, ohne dass sie ins Publikum springen oder selbst außer Atem kommen. So sehen die drei nicht aus. Nach eineinhalb Stunden purem Sound, mit in der sie eine erstaunlich saubere Mischung ihrer Lieder spielten, wird von Dave dem Schlagzeuger angesagt, dass sie schon gern länger spielen würden, aber Eric hat sich den Daumen gebrochen und deshalb… es gibt dennoch eine Zugabe. Und das Johlen hört auch dankbarer Weise danach nicht auf.
Wie ein Dorfkonzert von früher, wo es einen Schuppen gab, in den alle gegangen sind. Die Hippies, die Punks und die Mettler… mit Fahrrädern, Bikes oder den Autos von Mutti (oder eigenen, ja.). In den wildesten Outfits, aber es war eben egal. Man blieb auch einfach, bis man rausgeschmissen wurde. Und die Band eben auch.
Und so läuft es auch im Beatpol. Viele hingen da mehr oder weniger weiter rum, inklusive der Band. Eric erzählt den Rest des Abends vielleicht fünf oder sechs Mal von seinem Daumen, den er sich am ersten Tag der sechswöchigen Tour gebrochen hat. (wer es jetzt noch nicht weiß).
Und wie machst du es, frage ich auch noch, wie alle, weil es so Scheiß nahe liegt diese Frage. Painkiller, sagt er lachend.
Ein Sympath. Ich finde die Russians schon gewaltig, aber diese zarten Jungs, wovon Eric eine Mondrian Tätowierung auf dem Arm trägt, passen gar nicht wirklich zu der Kraft, die hinter der Musik steht, aber vielleicht ist das ein Klischee. Ich will das fragen.
Eric wird sehr viel gefragt an diesem Abend. Nach dem Daumen, der Musik und immer wieder nach Autogrammen, was mir nach wie vor ein Rätsel bleibt. Klar, eine Unterschrift macht etwas zu einem Original, aber was macht eine Unterschrift… egal. Ich will warten, bis auch wieder die nächste Cd unterschrieben wird, aber dann kommt ein Foto.
Na schön. Ich frage ihn noch, ob die Richtung Metal stimmt und er nickt, obwohl er strahlend bestätigend Oh jaaaa, nice. Good!, sagt, als ich erwähne, dass ich das Album Enter am liebsten mag, was mehr sphärische Anteile hat.
Ich will wissen, ob im Konzert Musik entsteht. Das versteht er erst nicht. Als ich das erläutere, sagt er sehr schlicht und direkt, Nein. Sie haben die Musik im Kopf, spielen sie ein und halten sich in Konzerten ziemlich nah an die Aufnahmen. Das ist mir auch aufgefallen.
Schon wieder fotografiert ihn jemand. Das ist in Ordnung. Es paßt hierher. Eric wiederholt sich oft, bleibt aber gelassen. Es macht ihm Spaß. Und er hat die Ruhe dafür.
We like it that way. Noch unter den Leuten zu sein. Er sagt auch, daß er erstaunt ist, wie gut das Konzert besucht und aufgenommen wurde. Hätte er nicht erwartet (die Erwartungen). Wir sind zum ersten Mal hier (in Dresden). Das ist gut!
Das Artwork von den Russian Circles wäre noch erwähnenswert. Die Plakate sind eine eigene Ausstellung wert. Es ist ein Freund von ihnen, der das macht. Und sie wählen natürlich auch die Bilder, die Stimmung, die sie vermitteln.
Und… Nur noch eine Frage, sagt er, dann geh ich. Mitten ins nächste Foto hinein frage ich noch spontan, nach seinem Lieblingsbuch. Da kommt ein Zögern. Ich kann dir nur sagen, was ich gerade lese. Den Hobbit von Tolkien. Ich habe es vor ein paar Tagen angefangen.
Na das paßt ja. Metal, lange Haare, der Hobbit, der Wald, die Mythen, Rollenspiele… er lacht, zuckt mit den Schultern. Wir bedienen uns von all dem. Und alles gehört zusammen.
Sagt er.

Unsere Autorin John Klein lernte Kinoplakatmalerei in Kairo und arbeitete vor ihrer Mittelstern-Karriere als Wahrsager.

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