Workshop Musikkritik April

· 24.03.2012 · Keine Kommentare
21. April 2012
10:00 Uhr
scheune, Dresden
Scheune Akademie

Trüffelschweine braucht die Musikindustrie noch immer. Gaben früher Radiostationen, A&R Manager oder Musikmagazine Trends vor, wühlen sich heute jede Menge Blogs durch das schier überwältigende Angebot aus kurz aufblitzenden Bands im Internet und Online-Spartenradio. Meist ist deren Halbwertzeit (die Halbwertzeit der Bands, aber leider auch die Halbwertzeit mancher Blogs) jedoch bedauerlich gering, über das Wort „Wert“ diskutiere ich besser gar nicht erst. Das Intro wurde just 20 Jahre alt. Glückwunsch! Eine Zeitschrift, die ich häufig wenigstens durchblättere. Wenn man ein bisschen die Verwicklungen im Business kennt, wird einem aber leider auch schnell klar, dass Melt und Splash und diverse Konzerte aktuell gehypter Bands nicht allzu distanziert in der Intro beleuchtet werden –> Trends also gern auch gemacht werden.

Im Tagesspiegel erschien vor kurzem ein sehr lesenswerter Artikel über Musikjournalismus (inklusive Verkaufszahlen), betitelt mit „Auf der Suche nach dem Hit“. Können das die Magazine à la Intro, Musikexpress, Visions, younameit wirklich noch selbst leisten, ohne eigene kommerzielle Interessen zu verfolgen (Schalte eine Anzeige und du bekommst zehn Zeilen Text)? Im oben angesprochenen Artikel jedenfalls sagt André Doehring von der Uni Gießen: „Die Magazine könnten in dem wenig übersichtlichen Musikmarkt Orientierung bieten“ … „Die Überlebensstrategie für die Hefte lautet, große, zeitlose Geschichten zu machen“. Stimmt, sage ich. An Hintergrundstories und in die Tiefe gehende Interviews kommen die Abermillionen Blogger nicht ran. Tageszeitungen leider auch nicht oft. Gucke ich mir lokale Printmedien an, kann man nur bedauernd mit dem Kopf schütteln. In der Sächsischen Zeitung umfasst der Kulturteil selbst am Wochenende mit Müh und Not zwei Seiten. Vorankündigungen oder Berichterstattung populärmusikalischer Ereignisse in Dresden machen nur einen Bruchteil aus, wir haben einfach zu viel Klassik und Geschichte zu bieten. Tatsächlich ein Lichtblick: Die Dresdner Neuesten Nachrichten immerhin berichten nahezu täglich von Konzerten unterschiedlicher Genres.

Wie aber schreibt man über Dinge, die man hört? Muss ich musikwissenschaftlich gebildet sein, um über Musik „richtig“ zu reflektieren? Ist das theoretische Einordnen in größere Zusammenhänge wichtiger als das „praktische Erleben“ auf Konzerten? Musik ist Geschmackssache und selbst in unserer kleinen „Redaktion“ gibt es regelrechte Meinungsverschiedenheiten über das Potential und die Kunstfertigkeit diverser Artists. Das liegt in der Natur der Sache. Ein spannendes Thema also, dem sich die Scheune Akademie im und ab April widmet, indem sie am 21.4. Musikjournalismus theoretisch und praktisch zugänglich macht.

Zunächst wird Benjamin Schäfer Grundkenntnisse über die Geschichte des Popmusikjournalismus in Deutschland vermitteln. In einem zweiten Teil wird die Rolle und Funktion des Musikjournalismus in der Musikkultur und Musikwirtschaft insgesamt reflektiert. Das ist sicherlich auch spannend für alle Bands, die sich fragen, warum sie trotz mehrfacher Superlativ-Mails an Lokalredaktionen noch immer keinen Leitartikel bekommen haben.

Am Nachmittag des 21.4. übernimmt dann Andreas Körner zum mittlerweile dritten Mal die Leitung des Workshops Musikkritik. Gemeinsame Konzertbesuche stehen dabei ebenso auf der Tagesordnung wie das Schreiben darüber.

Anmeldungen und Rückfragen nimmt die Scheune Akademie per Mail oder Telefon entgegen. Die Kontaktdaten findet Ihr auf deren Webseite.

Ein Vorteil von Blogs ist übrigens der unendliche Platz, den man im Internet hat. Nur die Spannung des Lesers halten – das müssen Blogger wie Journalisten gleichermaßen ;-)

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