Konzertrückblick: Nias in der Dresdner scheune

Nias kommen auf die Bühne mit Lampen im Mund, die aussehen, wie Leuchtkapseln aus dem Angelbedarf. Das ist ihre einzige Auftrittsbeleuchtung und ich denke sofort, die Band hat Humor. Ein Witz, ein Spaß. Nicht neu, aber dennoch mal was anderes. (Ich denke an die Leningradcowboys, die mit weißen Elementen im Schwarzlicht auf die Bühne gekommen sind.) Es sieht gut aus und gibt mir einen Eindruck der Bühnenqualitäten der Band. Ihre Ansage ist unvermutet etwas schnodderig und schnell, endet mit „Viel Spaß“ und selbst erklärend fügt der Sänger zwischendrin hinzu; Berlin eben.

Die stoische Kraft einer Maschine

Daß sich eine Band nach dieser Ansage dennoch so sehr ins Zeug legt, hätte ich fast nicht vermutet. Der Saal der Scheune füllte sich nur spärlich. Und dennoch legten sie los. Mit was für einem Verve!!! Und was für einer Kraft. Auch wenn der Schlagzeuger einen Beat spielt, den er stoisch wie ein Maschine durchzieht. Der Sänger tanzt fast, vom Licht unterstützt, was mich immer aufmerken läßt. Wird das Licht einer Show, wenn es eine ist, doch oft unterschätzt und das erzählt mir auch Tille, der Sänger von Nias nach dem Konzert.

Dass er diese übliche Beleuchtung brechen will. „Den Spot?“ Frage ich nach und er nickt.

Und obwohl Nias mit einer Geschwindigkeit – die allein man der Band vorwerfen will (nicht den Sound, der ist laut und geht durch alles) – ihr Programm durchzieht, als hätte sie es eilig, ist da eine erstaunliche Intensität. Erstaunlich, denn es handelt sich um Pop! Das betitelt Tille später Gespräch selbst. Trotzdem brennt er auf der Bühne, was fast schon paradox ist. Wo wird im Pop gebrannt??

Warhol, Hendrix, John Lurie

Pop brennt nicht. Pop unterhält. (fragt Warhol, den großen Löscher der sechziger Jahre! Er hat den Pop mitbegründet in einer Zeit, wo wahrscheinlich zu viel ver- und gebrannt wurde!) Pop ist die Methode eine melodische Ruhe einkehren zu lassen. Aber so ruhig ist Nias nicht. Melodisch durchaus, wenn einem das Tempo und die Stetigkeit gefällt. Ich denke an Balladen und Hardrock. Seltsam, denn das paßt erst einmal in keiner Weise zu dieser Band. Das bedeutet, sie können auch anders.

Als ich Tille nach dem Konzert nach seinen Idolen frage oder den Scheiben, die er genannt haben will, kommt als erstes Jimi Hendrix „Electric Ladyland“ (Groß!!!). Er erwähnt auch Tony Scherr, ein amerikanischer Folk und Jazzmusiker, der (unter anderem) mit Leslie Feist gespielt hat. Aber auch mit den Lounge Lizards. John Lurie! Dieser Name macht schon ein ganzes Faß an Verweisen und Referenzen auf.

Da ist die Ballade, die ich Tille unterstellt habe. Auch das Herzblut, das hier noch einmal geklärt wird. Herzblut im Tun. Und in der Musik. Da gibt es ein Spektrum, was entweder eindeutig negiert oder entfaltet werden will. Eine Session ohne das strikte Popprogramm der Band wäre spannend.(Für den einen oder anderen.)

Die CD ist sehr eindeutig im Pop zuhause. Schwung und kraftvoll. So teilen sich hier die Geister wie üblich im Geschmack über den sich nicht streiten, aber schreiben läßt.

Mal sehen, was noch von Nias kommt. Und wie sich die Band Zeit nimmt, alles auszuspielen.

Nias übrigens ist nur ein Name. Der kam, weil er gefiel und blieb. Gut so. Er klingt!

Unsere Autorin John Klein lernte Kinoplakatmalerei in Kairo und arbeitete vor ihrer Mittelstern-Karriere als Wahrsager.

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