Josh Bazell: Schneller als der Tod / Einmal durch die Hölle und zurück

· 22.01.2012 · 1 Kommentar

Dass ich bisher noch keinen einzigen Beitrag für die Literatur-Kategorie verfasst habe, liegt nicht daran, dass ich keine Bücher lese. Ich lese sogar recht viel! Es fällt mir nur unglaublich schwer, über Bücher zu schreiben. Unterstreichungen mit Bleistift, Post-its oder Eselsohren, um die besten Sätze zu notieren, werdet ihr in meinen Büchern nicht finden (nur Kaffee-, Rotwein- und Leberwurstflecken). In der Regel weiß ich drei Tage nach Beenden eines Buches nicht mal mehr den Autoren oder den Titel. Jedenfalls bei den etwa zweihundertsiebenundachtzig Krimis, die ich in meinem Leben in deutschen Bahnhofsbuchhandlungen erstanden habe. Ab und zu passiert es aber, dass ich mir den Autoren merke, weil ich nämlich unbedingt am nächsten Tag los muss, um mir „alles“ von ihm zu kaufen. Zuletzt passiert bei Don Winslow und brandaktuell bei Josh Bazell.

Schneller als der Tod

Schneller als der Tod habe ich mir in Bremen gekauft (Danke, Motte, für den Tipp!) und während der Zugfahrt nach Dresden habe ich das Buch nur weggelegt, um zu Pinkeln. Noch am selben Abend war ich durch und Gott war ich happy, als ich recherchiert hatte, dass die im Anhang angekündigte Fortsetzung Einmal durch die Hölle und zurück gerade erschienen war.

Josh Bazell ist Arzt und Schriftsteller, was jetzt nicht so außergewöhnlich ist. Beide Berufsgruppen, so schrieb Marcel Reich-Ranicki einmal, seien „Fachleute für menschliche Leiden“. Prominente Beispiele sind Friedrich Schiller, John Keats, Georg Büchner, Anton Tschechow, Alfred Döblin und auch Schachtelsatzpresse Uwe Tellkamp.

Seine Hauptfigur Peter Brown aka Pietro Brnwa allerdings ist Mafiakiller und Arzt. Mafiakiller zwar nur noch im Ruhestand aka Zeugenschutzprogrammteilnehmer, aber das weiß nun jedes Kind: Mobster bleibt man bis zum Tod und nichts wünscht dir die „Familie“ sehnlicher, wenn du ihr den Rücken kehrst. Erst recht, wenn du den Sohn eines angesehenen Führungsmitgliedes umgenietet hast (oder das zumindest glaubst).

Scheiße also, dass die (versehentlich falsch) tätowierte Hartkante Dr. Brown unter seinen Patienten in dem ziemlich abgefuckten New Yorker Krankenhaus, in dem er arbeitet, plötzlich ein „Familien-Mitglied“ entdeckt. Logische Reaktion: Polnischer Abgang schnörkellos! Wenn da nur nicht der verdammte Eid des Hippokrates wäre…

In Schneller als der Tod begleitet der Leser Peter in dieser vertrackten Situation in Echtzeit und lässt ihn zurückblicken auf seine von Leichen, Leiden und Lachern gepflasterte Geschichte.

Diese Melange aus Dr. House und Sopranos (oder Koks und Lachgas) sprüht vor Ideen wie ein Familienteller Lesli Voodoo und Zartbesaitete sollten vorher unbedingt den Beipackzettel lesen. Ich bin einiges gewohnt, aber auf den letzten zehn Seiten habe ich gleichzeitig so laut gelacht und fast gekotzt vor Ekel wie selten (eher nie) zuvor. Leonardo DiCaprio hat sich die Filmrechte an „Schneller als der Tod“ gesichert und ich wünsche ihm von Herzen, dass er einen Dreh findet, um den Sprachwitz (Bazell arbeitet mit brillianten Fußnoten) zu visualisieren!

Einmal durch die Hölle und zurück

In der Fortsetzung Einmal durch die Hölle und zurück lernen wir, dass man auf der Flucht vor dem Mob so erniedrigende Jobs annehmen muss wie Schiffsarzt. Oder noch schlimmer: Pfadfinder im Auftrag eines Milliardärs, der sich von der Geschichte um ein angebliches prähistorisches Monster in einem einsamen See in Minnessota begeistern lässt. Außerdem lernt man erneut einiges über Medizin, das amerikanische Gesundheitssystem und bekommt neben Leichen und Monstern erschreckende Lektionen in Sachen amerikanischer Ignoranz gegen jedwede Form des Naturschutzes.

Einmal durch die Hölle und zurück hat nicht mehr das Tempo, Flow und den Witz des Vorgängers, ist aber trotzdem ein brillianter Wurf der Extraklasse. In Deutschland gibt es solche Autoren nicht, aber vielleicht schreiben ja Frank Schätzing und Max Goldt mal einen Krimi (oder ein Drehbuch) zusammen? Da könnte ähnliches bei rauskommen!

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