Soundcheck: Moss – Indiepop aus Amsterdam

sebastian · 21.01.2012 · Keine Kommentare

Moss ist ein Quartett aus Amsterdam, das in wenigen Tagen ihr drittes Album beim niederländischen Indielabel Excelsior herausbringt. Auf „Ornaments“ findet sich teils sphärischer, teils rockiger Indiepop mit Mut zur Überraschung (sind das Kastagnetten in The Hunter?) und einigen wirklich tollen Hooklines. Moss haben die etwas experimentelleren Sounds rund ums Millenium (Phoenix, Air und vor allem die späteren Motorpsycho) aufgesogen und erweitern sie um eigene Facetten. Der Umgang mit Synthies und Effekten dient nicht als Emotion-Captcher sondern erfolgt ganz offensichtlich aus purer Begeisterung für Soundtüfteleien. All die Spielereien sind allerdings auch nötig, um Schwächen im Songwriting zu kaschieren. 3voor12 prophezeit erhöhte Aufmerksamkeit und Erfolge im Ausland („Met dit materiaal moet de band weer een flinke stap kunnen zetten. Zeker ook in het buitenland“), was ich noch etwas anzweifele. Moss sind nicht Discounter-Wein und nicht Premium. Sie liegen im 8,00 Euro Regal und werden einige treue Fans vereinen, aber für mehr fehlt einfach Charakter, Power, die ganz große Stimme und last but not least: Der Hit (auch wenn Andrea „The Comfort“ damals immerhin als möglichen Ohrwurm bezeichnete).

Das von Schlagzeuger Finn produzierte Video für die erste Single wird auch nicht wirklich helfen.

Weitere Anspieltipps:
The Hunter

Spellbound

Außerdem noch was älteres:
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Guido und Maurizio De Angelis: Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle

sebastian · 21.01.2012 · Keine Kommentare

Selbst unter ihrem Pseudonym Oliver Onions sind die Brüder Guido und Maurizio De Angelis wohl den wenigsten Deutschen ein Begriff. Aber über 90% aller Deutschen kennen ihre Musik: Die Römer Guido und Maurizio sind verantwortlich für die unvergesslichen Melodien aus den Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill. Jeder, der das Herz am rechten Fleck hat, braucht keine keine drei Sekunden, um die folgende Melodie sofort dem Abenteuer um Plata, Salud und Matto zuzuordnen. Übrigens in Ost und West!

Auch Just a Good Boy aus „Sie nannten ihm Mücke“ ist wohl jedem im Ohr…

Aber die zwei lieferten längst nicht nur musikalische Untermalung für Prügelkomödien. Auch das wissen die wenigsten, dass die beiden hinter dem Evergreen „Santa Maria“ stecken, der  1980 in Deutschland sowohl in der Originalversion als in der berühmten Coverversion von Roland „Filmnächte“ Kaiser Platz 1 der deutschen Charts belegte. Guido und Maurizio De Angelis vereinten ein unglaubliches Gespür für eingängige Melodien, griffige Produktionen und haben stets die Ohren ganz weit aufgesperrt, um in der ganzen Welt nach Einflüssen zu tauchen, die nach Abenteuer, Liebe und Freundschaft klangen. O Pateo ist ein hervorragendes Beispiel und Tarantino hat die Platte bestimmt in seiner sensationellen Sammlung: Aber ihr Haupt-Metier waren Film- und TV-Melodien. Auch ihr Titelsong zur italienisch-deutsch-österreichischen Serie Orzowei – Weißer Sohn des kleinen Königs landete auf Platz 1 in den deutschen Charts! Wie man hier sehen kann, waren sie verdammt schmerzfreie Entertainer und extrem schlechte Playback-Performer: Weiterhin lieferten sie die Musik zu Klassikern wie Zorro is back, Sandokan – Der Tiger von Malaysia und eben diversen Kopfnussmovies mit dem Ex-Lommatzscher Terence Hill und dem siebenmaligen italienischen Meister im Brustschwimmen und über 100-Meter-Freistil Bud Spencer.

Es wird allerhöchste Zeit, dass jemand (z.B. die Gema) die Brüder für ihr Lebenswerk belohnt!

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Sascha Lobo: Strohfeuer

kristin · 21.01.2012 · Keine Kommentare

Mit dem Phänomen Sascha Lobo habe ich mich nie auseinandergesetzt und kann deswegen weder meine Antipathie gegen seine Erscheinung begründen, noch seinen Debütroman Strohfeuer in den Kontext seiner Blogs, Kolumnen und Sachbücher einordnen. Wie es dieses Buch trotzdem auf mein Sofa und schließlich in mein Bett geschafft hat? Gute Frage.

So leicht und rasant ich Strohfeuer in nur zwei Tagen weggelesen habe, so oberflächlich und emotionsleer ist der Eindruck, den die Geschichte bei mir hinterließ. Die Charaktere der Protagonisten werden in durchgängig eher schlichter, neutraler Sprache nur unscharf angerissen; Ihre Gedanken, ihr klischeehaftes Verhalten und vor allem ihr innerster Antrieb wurden mir nicht begreiflich oder gar nachvollziehbar. Von Feuer keine Spur.

Muss man die aufregende Zeit der New Economy intensiv miterlebt haben, um Lobos Buch gutfinden zu können?

Da werden unter dem Konstrukt der »Agentur« Arbeit, Wissen und Können simuliert, Mitarbeiter erfunden und Schauspieler geschickt, um Programmieraufträge zu bearbeiten. »Dass dabei nicht unbedingt auf verkaufshinderliche Faktoren wie Wahrheit oder realistische Prognosen geachtet wurde, war das am schlechtesten gehütete Geheimnis der New Economy.« Völlig abstruse Ideen werden für immense Geldsummen an scheinbar vollkommen ahnungslose Kunden »delivert« – jede Menge Potenzial für eine schräge, richtig witzige Story. Verschenkt. Lobos Humor, wenn es da welchen gibt, trifft den meinen kaum und auch für Liebe, Sex und Zärtlichkeit haben andere schon schönere, zumindest aber treffendere Worte gefunden. Irgendwann muss das alles schiefgehen, das weiß man, bevor man das Buch überhaupt aufgeschlagen hat und so ist und bleibt die Story vorhersehbar und damit nur in sehr wenigen Momenten spannend.

Kann man mal eben schnell weglesen. Ungelesen weglegen ist aber auch nicht schlimm.

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