We should try to wear more than just one hat

· 18.12.2011 · 1 Kommentar

Um nicht alleine zu sein, erschaffen Hera und Akut ihre Kunstwerke gemeinsam und am liebsten öffentlich. Als Herakut wollen sie gesehen und verstanden werden, geschätzt und geliebt. Sie sagen das sehr klar und deutlich, weil es nichts ist, wofür man sich schämen muss, sondern ein ganz natürliches, menschliches Bedürfnis.

Hera (Jasmin Siddiqui) aus Frankfurt und Akut (Falk Lehmann), der aus Schmalkalden bei Erfurt stammt, arbeiten seit 2004 zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Akuts Crew Maclaim in der Szene bereits einen Namen als »Graffiti’s Finest Photorealists« ersprüht.
Hera und Akut haben nur sehr wenig gemeinsam, sind Yin und Yang. Indem sie einander voll und ganz vertrauen, verbinden sie ihre konträren Charaktereigenschaften und unterschiedlichen Arbeitsstile in Herakut zu einer harmonischen Einheit. Wie The Perfect Merge gelingt, zeigt ihr erstes gemeinsames Buch, das 2009 erschienen ist.

Auf ihren Bildern erwecken Herakut in einem unverwechselbaren Stil eine ganze Spezies zum Leben und betrachten diese Wesen als ihre Kinder, die die Symbiose zweier Individuen symbolisieren. Oft wirken die Figuren tatsächlich recht kindlich, fast immer verletzlich und zerbrechlich. Mit tiefen Blicken aus riesigen, ernsten Augen scheinen sie den Betrachter ins Bild ziehen zu wollen. Man möchte darin versinken, in diesen Augen und in der etwas düsteren Melancholie, die viele der Werke des Duos auszeichnet. Jedes der Bilder wird erst durch die zugehörige Textebene vollständig. Worte, Gedankenbruchstücke oder Erklärungen, die die Wirkung des Bildes verstärken oder den Betrachter in eine völlig andere Richtung der Interpretation führen, zum Nach- und Weiterdenken anregen.

Düstere, melancholische Bilder mit nachdenklichen, manchmal auch provozierenden oder verletzenden Worten – das spricht mich generell an. Aber erst in ihrer vollen Größe haben mich die Bilder von Herakut bei der Hallenkunst in Chemnitz wirklich berührt und beeindruckt. Da kam ich am erst kürzlich veröffentlichten Buch After the Laughter natürlich nicht vorbei und konnte am vorletzten Tag der Ausstellung gerade noch das letzte Ansichtsexemplar mitnehmen. Ausverkauft.

After the Laughter ist eines der schönsten Bücher, das ich je in der Hand hatte. Es »erzählt auf 240 Seiten in detailverliebten Collagen von den Höhen und Tiefen des Künstlerduos von 2009-2011. Ausdrucksstark und sehr persönlich, wie all ihre Werke, wird das Buch somit selbst zu einem Kunstwerk.« – der Anpreisung des Verlags (publikat) darf man gut und gerne glauben.

In After the Laughter zeigen Herakut natürlich nicht einfach nur ihre Arbeiten – Skizzen, Bilder, aber auch Plastiken – sie verdeutlichen auch Hintergründe und Entstehungsprozesse einzelner Werke, z.B.

Der Leser erfährt (in englischer Sprache, »not our native language but to communicate usually the safest choice«) etwas über die in den Bildern verwendeten Symbole und was diese bedeuten. In Bildern und Worten, zusammengefügt im für Herakut typischen collagenartigen Stil, erzählen die beiden, was sie als Künstler und Menschen an- und umtreibt, bewegt und hin und wieder auch zum Zweifeln bringt: Wenn man das, was man liebt zu seinem Beruf macht, wird Freiheit oft zu Druck. Und dann?

»Bring mir Glück oder ich tret dich tot« - Herakut (Hallenkunst 2011, Chemnitz) - Foto: Manuschke

Herakut wollen verstanden werden.

Und dank After the Laughter verstehe ich für mich persönlich nun sehr genau, was mich an der Kunst von Herakut so begeistert.

 

 

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