Videopremiere: Polarkreis 18 – Frei

· 22.12.2011 · 2 Kommentare

Soll ich, soll ich nicht? Seit Tagen grübel ich darüber, ob ich zum neuen Polarkreis 18 Video was schreiben soll oder nicht, denn bereits die beiden bei Youtube verfügbaren Trailer haben mich mehr erschreckt als nur enttäuscht. Beim Song musste ich an die blauen 80er denken (Bad Boys Blue und Blue System) und die Videoszenen versprachen mehr Fremdschäm-Potential als Gänsehaut. Sicherlich verstärkt durch einen Lokalbezug (ich wohne 50 Meter von der Startszene entfernt). Aber das alleine ist es nicht…

Ich hab die Band wirklich mal sehr gemocht und ich habe ihnen den Superhit „allein, allein“ von Herzen gegönnt und die Arbeit von Sven Helbig daran mehrfach gelobt. Aber was bitte ist das? Die Musik belangloser Schlagerpop der modernen Sorte. Das taugt maximal als Hit-Reminder für „Allein, allein“. Mehr leider nicht.

Und dann das Video: Was will uns das sagen? Wo ist die Story? Wo die Überraschung? Wo das ästhetische Moment? Wieso ausgerechnet die Rothenburger und nicht wenigstens der Lutherplatz? Oder wäre da die Kirche noch näher dran am Video zu Jay Khans „Nackt“ (siehe unten)?

Wie frei ist die Band wirklich? Trennungen, Seiten- und Soloprojekte erwecken eher den Eindruck eines schleichenden Zerfalls als den einer eingeschworenen Truppe mit einer künstlerischen Mission. „Frei“ als Befreiung der Gruppendynamik? Schade wäre das, aber am Ende auch logisch bei so viel geballter Kreativität. Die hat einst für einen quicklebendigen und intellektuell ansprechenden Mix geführt und scheint jetzt nur noch im Weg zu stehen. Das ist – leider – meine Meinung.

 

twitter share buttonFacebook Share

Auf der Facebookseite der Jungs erschien soeben dieses Statement:

„Die Zeitschrift «Bild» steht für Slogans und Schlagzeilen, und so auch für «Polarkreis 18, Alles Aus!». Das könnte ein guter Liedtitel sein, hat aber mit der Realität nichts zu tun.
Auch wenn wir in viele neue Projekte involviert sind, verstehen wir uns weiterhin prächtig und sehen keinen Grund, die Band aufzulösen. Wir sind dabei ein Künstlernetzwerk zu gründen, welches all unsere Projekte (inklusive Polarkreis 18) unter ein Dach bringt. Vorerst allerdings noch ein Verweis auf die Wirklichkeit: Unser aktuelles Video «FREI» ist seit gestern veröffentlicht und über den Link anzuschauen…“

Danke für das Stellen der richtigen Fragen! Die Antworten jedoch will man nicht wissen, denn dann wäre wohl die eigene Enttäuschung noch größer. Dann lieber Meinung bilden… (und ich kann mich nur anschließen: was bitte ist das?) oder was würde uns die Band antworten?
Hört man sich „Allein, allein“ im Vergleich an, stellt man fest: ja, es war gut! „Frei!“ dagegen wirkt wie der Versuch einer Bearbeitung, einer Reproduktion, einer Reprise – aber mit welchem Ziel? Unbewußt? Oder kann die Band nicht anders? Der Song macht Bauchschmerzen und kommt leider über den Proberaumstatus nicht hinaus. Auch oder gerade Vorbilder haben Verantwortung ihrem Genre gegenüber. Oder heißt Polarkreis‘ neues Genre: Musical?!
Das Video wirkt wie eine trotzige Geste, wie der Versuch einer Umsetzung einer guten Idee, die aber leider schon sehr abgegriffen ist. Man möchte antworten: da hat sicher die Plattenfirma Druck gemacht („Nackt verkauft?!“). Ich für meinen Teil (kein Fan, aber bisher Befürworter der Band) muss sagen: Jungs, das war nüscht. Selbst treue Fans sollten hier vorsichtig rangehen.