Dubstep Is The New Metal

· 03.12.2011 · 1 Kommentar

Mit ihrem zehnten Studioalbum in fast 20 Jahren Bandgeschichte versuchen Korn auf den derzeit allgegenwärtigen Dubstep-Trend aufzuspringen. Na, warum auch nicht?! Nachdem meine persönliche On-/Off-Beziehung zu Korn seit einigen Jahren, abgesehen von gelegentlichen Sentimentalitäts-Rückfällen desinteressiert vor sich hin dümpelt, hörte ich in meiner Vorstellung auf einmal düstere Beats, die schwere, tiefe Bässe und Gitarren vor sich hinschleppen und dem Jonathan Davis aus meiner Erinnerung ganz gut stehen könnten.

Mit diesem Geniestreich im Genre-mixen haben sich die Kalifornier laut Presseinfo nicht nur selbst komplett neu erfunden (mal wieder?!), sondern auch das Genre „Hard Rock“ revolutioniert (schon wieder?!) und viel besser noch, eigentlich haben Korn schon Dubstep gemacht, als es Dubstep noch gar nicht gab!
Dem Billboard erzählte Jonathan Davis in einem Interview »We were dubstep before there was dubstep. Tempos at 140 with half-time drums, huge bassed-out riffs. We used to bring out 120 subwoofers and line them across the whole front of the stage, 60 subs per side. We were all about the bass.«

Aus der Idee entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Skrillex zunächst die Single Get up!, die man mit großem Erfolg an den Facebook-Fans testete: »the kids are more than ready for it«. Ihr auch?

Ok, ist nicht ganz schlecht geworden, bleibt aber hinter meinen hoffnungsvollen Erwartungen zurück. Da die Single bei den Kids so gut ankam, konnte man dem Experiment getrost ein ganzes Album nachschieben und so steht The Path of Totality seit gestern in den Läden und kann hier im Stream testgehört werden.

Vorsicht! »Euch erwartet jedoch keine typische Korn Scheibe. [*gähn*] „The Path of Totality“ ist ein sehr experimentelles Album, auf dem Korn einen anderen Gang einlegen und neues Territorium betreten. [*gääääääähn*] Eigentlich erwartet euch nichts, was man in dieser Form schon kennt. […]« (Presseinfo Roadrunner Records)

Ehrlich gesagt, für mich klingt das alles nicht wirklich weit weg von dem, was Korn auf ihren letzten Alben gemacht haben – nach einem, leider inkonsequent umgesetzten, guten Ansatz, halbherzig und damit unglaubwürdig.

Vielleicht sollten die Jungs aufhören, irgendwelchen, schon fast wieder angestaubten, Trends hinterherzurennen, um die Korn von früher mit aller Gewalt zukunftsfähig zu machen. Und das Charisma des traumatisierten Prinzen der Finsternis nimmt dem inzwischen 40jährigen Jonathan Davis doch auch schon lange keiner mehr ab, oder? Vielleicht sollte er sich eine Ukulele zulegen oder zur Akustikgitarre Folksongs trällern. Irgendwas geht doch da bitte noch?!

Bleibt zu hoffen, dass Korn mit The Path of Totality nicht den entscheidenden Beitrag zum Begräbnis eines ganzen Genres geleistet haben, wie Josiah Hughes in seinem amüsanten Artikel auf exclaim.ca befürchtet – »Wherever he is right now, a single tear is running down James Blake’s silky-smooth cheek.«

:'(

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