Sehr geehrter Fußballfan… Dynamo braucht mehr Fanbeauftragte, der DFB nicht nur Medienberater!

· 26.11.2011 · Keine Kommentare

Jetzt bin ich ziemlich genau seit 25 Jahren von ganzem Herzen Fan des FC St Pauli, auch wenn ich (die letzten) 17 Jahre davon in Dresden verbracht habe. Weil nämlich ein Fußballfan ohne Fußball nicht leben kann, habe ich hier eine mittlerweile ziemlich ernstzunehmende Affäre mit Dynamo begonnen, als diese 2000 – 2002 in der Oberliga spielten und man auf den Stehrängen im „Musikerzirkel“ (Roboters, C4Spaces, Egyptian Gay Lovers, Neustadt Gitarreros, Kumpels & Friends) noch lecker Mettbrötchen, Bier und diverse Tabakprodukte genoss. Nur selten traf man seitdem zu Hause auf den magischen FC und wenn, dann habe ich mir einen Sitzplatz gegönnt und drückte von dort St Pauli die Daumen. In den Gästeblock bin ich auch in Chemnitz und Cottbus damals selten gegangen, denn da sprangen größtenteils irgendwelche Punks aus der Gegend rum, die absolut keine Ahnung vom Verein oder vom Fußball hatten. Meine Leuten aus der Gegengerade (Sanchez (RIP), Bernhard, Mark, Ulf, Macken, Jan) war der Weg in den Osten meistens zu weit.

Dass ich nun ausgerechnet in der Woche vor meinem inneren Derby zwei Mal Über Dynamo blogge, hat aber weniger mit meiner Affäre zu Dyanamo (Es ist mehr als Sex) zu tun als mit der Unfähigkeit und Hilflosigkeit des DFB.

WTF – What the Fußballbund – dachte ich nämlich gerade! What the F, der DFB antwortet mir wirklich auf meine Mail! Dachte ich in den zwei Sekunden, in denen ich mich blenden ließ von der Betreffzeile „AW: Ihre Zuschrift!“. In Wirklichkeit war das natürlich nur eine Sammelmail an alle, unabhängig vom Inhalt der eingegangen Nachricht, wie bereits an der Begrüßung deutlich wird.

Sehr geehrter Fußballfan,

Und weil wahrscheinlich ziemlich viele hornochsige Mails eingegangen sind (ich will die garantiert auch nicht lesen), geht man erstmal davon aus, dass die meisten nur aus dem Bauch heraus agieren, was aber offenbar – wie sich später zeigt – eher auf der anderen Seite der Fall zu sein scheint.

, haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben, die Sie uns nach dem Sportgerichts-Urteil vom 24. November gegen Dynamo Dresden zugeschickt haben. Damit Sie auch wirklich den aktuellen Stand mit allen Informationen haben, würden wir Sie zunächst bitten, unsere News zu diesem Thema vollständig zu lesen.

Damit ich auch wirklich den neusten Stand habe? Hallo? Erstens geht es ja wohl hier um Grundsatzfragen und nicht um Aktualitäten und zweitens steht in dem verlinkten Beitrag absolut nichts Neues! Außer dass „von diesem Urteil eine Signalwirkung ausgeht“. Und das schlimme ist: Das stimmt ja sogar. Nur eben nicht unbedingt in die gewünschten Richtung. Signalwirkung kann auch heißen, dass unzählige junge Fußballfans den DFB zukünftig nur noch als lebensfremden Feind wahrnehmen.

Weiter heißt es:

Wir haben Verständnis dafür, dass dieses Urteil die Dresdner Anhänger nicht erfreut und dass sie nun ihren Unmut darüber äußern. Gerade den vielen friedlichen Dresdner Fans, die sich im Stadion bisher stets korrekt verhalten haben, gilt unsere Sympathie.

Wir haben aber auch Verständnis für die vielen Zuschriften friedlicher Fußballfans, die uns schreiben, dass sie sich mit ihren Frauen und Kindern nicht mehr ins Stadion trauen, wenn ein Spiel gegen Dynamo Dresden ansteht. Auch diese Zuschriften müssen wir ernst nehmen. Leider haben hier viele Krawallmacher dem Ruf des Fußballs und des Vereins geschadet.

Genau! Dem RUF!!! Aber ich hoffe doch sehr, dass der DFB nicht vom RUF des Vereins geblendet war? Es ging doch hoffentlich ausschließlich um Tatsachen? Hm, am Ende nicht:

Die Bilder waren erschreckend und inakzeptabel, der vielfach sportrechtlich vorbestrafte Verein vorgewarnt, dass im Falle schwerwiegender Vorkommnisse nun härtere Sanktionen drohen. Und das hat – wie teilweise unterstellt wird – nicht im Geringsten etwas damit zu tun, dass Dynamo Dresden ein Ostverein ist!

Die BILDER? Entscheiden die beim DFB also wirklich nach dem RUF und den BILDERN??? Was ist mit Tatsachenberichten? Zeugenaussagen? Wurden die auch ausgewertet? Was haben die konkret ergeben? Wo ist der neutrale Bericht eines Gutachters? Jedes Kind weiß mittlerweile: Nichts kann Tatsachen so verblenden wie Bilder!

Ich will die Geschehnisse in Dortmund nicht kleiner reden als sie waren. Und ich verstehe, dass der DFB sich total hilflos fühlt. Aber warum kann der DFB nicht verstehen, dass das auch den Vereinen so geht? Und anerkennen, dass Dynamo in den letzten Jahren wirklich verdammt viel verbessert hat!

Aber auch und gerade die Vereinsführung von Dynamo Dresden will ich um Gottes Willen nicht von einer Schuld befreien. Der Verein weiß schon lange, dass es bei Auswärtsspielen ein massives Problem gibt mit Fans, die aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, um zusammen in anderen Städten Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber wie sieht die Lösung auf so ein Problem aus? Leider hat der DFB offenbar selbst auch keine Antworten auf diese Frage! Man macht es sich im Gegenteil sehr einfach. In den aktuellen News heißt es:

Der Kontrollausschuss hatte dem Verein Dynamo Dresden nach jeweils sechs Verurteilungen mit Geldstrafen in den Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 sowie zwei in der aktuellen Saison bereits nach den schwerwiegenden Vorkommnissen beim Relegationsspiel in Osnabrück am 24. Mai 2011 härtere Sanktionen im Falle erneuter gravierender Fehlverhalten von Dresdner Zuschauern angedroht.

Gesagt wurde also nicht, was Dynamo machen soll, sondern nur, dass sich was ändern muss. Mein erster Eindruck: Das ist ungefähr so, als würde das Bundesinnenministerium der Polizei in Frankfurt/Main (Deutschlands „gefährlichster“ Stadt) auftragen: „Wenn sich Eure Kriminalitätsrate nächstes Jahr nicht um x % senkt, dann gibt´s aber weniger Steuern an die Kommune!“

Der DFB kann mehr Fanbeauftrage fordern, strengere Kontrolle bei der Ticketvergabe, am Einlass und bei der Anreise. Aber man kann sich doch nicht einfach hinstellen und sagen: „Verhindert das!“ Ohne jede Hilfestellung! Ohne jede Mitverantwortung zu übernehmen oder sich an die eigene Nase zu fassen. Sehr wohl gab es nämlich schon einmal Tote beim Fußball. Wie hätte der DFB auf einen Ausschluss der Deutschen Mannschaft von der nächsten WM durch die FIFA reagiert, als ein Fan der Nationalmannschaft vor 13 Jahren den Polizisten Daniel Nivel ins Koma getreten hat?

Aber wo wir schon bei unglücklichen Formulierungen sind: Wie finde ich eigentlich, dass der DFB nicht mit einer Stimme spricht sondern der DFB-Vizepräsident heute in der Presse tatsächlich so zitiert wird, dass er hoffe, Dynamo werde das Urteil anfechten und dabei „bis zur letzten Patrone“ kämpfen“?

Lieber DFB, es wird Zeit, mindestens einen, wenn nicht zwei oder drei professionelle Medien-Coaches einzustellen, die dafür sorgen, dass man bei Pressemeldungen nicht den Eindruck erhält, es werde nach Bildern und Vorurteilen entschieden. Und bei dem die Gegner in den eigenen Reihen nicht auf Militärslang zurückgreifen, wenn er eine Gewaltdiskussion entschärfen will!

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