Tattoos sind für Loser – Kakkmaddafakka in der scheune

· 07.10.2011 · 1 Kommentar

Im Norwegen der 70er und 80er Jahre wurden die meisten Ehen geschieden, weil die betroffenen Ehemänner ihren hart verdienten Lohn für den „an Sucht grenzenden Erwerb von Rockmusikschallplatten“ ausgaben und nicht zum Wohle der Familie. So jedenfalls hat es mir mal ein norwegischer Tourbegleiter erzählt und man mag es auch durchaus glauben, wenn man einen Blick auf die musizierenden Söhne und Töchter des Landes wirft. Die haben alle ne ziemliche Schacke. Und das wiederum haben ja angeblich – zumindest laut Aussage meines einstigen Konfirmandenlehrers – alle Scheidungskinder. Außerdem haben diese musizierenden Söhne und Töchter Norwegens alle einen dermaßen breiten musikalischen Background, als wären sie nicht im Kindergarten sondern im Plattenladen groß geworden. Welche Band vor Motorpsycho hat psychedelischen Rock so elegant und organisch mit Country und Jazz zu vermengen verstanden? Und wie viele Leute haben so viel dazu beigetragen, dass sich die europäische Folk- und Elektroszene so nah gekommen sind, wie Erlend Øye?

Zwei Leuchttürme der norwegischen Indieszene, die auf ihre Art und Weise den Weg bereiteten für die „New Bergen Wave“ und damit auch für die durchgeknattertsten Rotzlöffel der Saison: Ladies & Gentlemen, please welcome Kakkmaddafakka!

Kakkmaddafakka stammen aus Bergen und sind ein Haufen äußerst sympathischer, lustiger aber ebenso hochbegabter Jungs von nebenan. Die bereits 2004 gegründete Combo eroberte das kleine Norwegen wie im Sturm und in diesem Jahr – mit neuem Album im Gepäck – endlich auch den Rest Europas. Wie sagt man so schön: First we take Brumunddal – than we take Berlin! Und zwar – mega Pluspunkte vom Oldschool-Indieander – ganz ohne Tattoos!

Den Stil der Jungs zu beschreiben, ist nicht ganz einfach und dann wieder doch. Also jedenfalls wenn man auf Begriffskonglomerate wie RapFunkDiskoRock (würg) steht. Notiert habe ich mir Einflüsse von Madness, Electric Light Orchestra, Sly Stone, Blur, Kinks und karibischem Calypso. Und ich mag das alles….



Dass sie einst wirklich den gleichen Tanzlehrer hatten wie die Dresdner Surfband Robert & the Roboters halte ich für ein Gerücht, aber die Moves, die der dreiköpfige, rein männliche Backgroundchor am Dienstag in der scheune zeigte, waren zumindest ziemlich nah dran. Leider konnte bei den Roboters kein einziger singen! Bei Kakkmaddafakka dagegen hat mit Ausnahme des Trommlers jedes Bandmitglied das Zeug zum Leadsänger und fast jeder durfte das am Dienstag auch zeigen und somit den charmant gespielten Größenwahn der Band noch bekräftigen. Mit Ausdauerwerten wie einst Rune Bratseth rockte, tanzte, rappte, feierte und schenkelklopfte sich der Norwegen-Express durch 90 nie langweilig werdende Minuten.

Fazit: Ganz, ganz großes Ballett! Eins der besten Konzerte in der scheune in diesem Jahr.
Weiß eventuell jemand, warum ich als letzte Notiz das Wort „Megabomb“ zugefügt habe?

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