Marketing-Flaschen? Radeberger Gruppe eckt bei sächsischen Brauereien und Liveclubs an

· 09.10.2011 · 2 Kommentare

Einige Marketing-Ideen der Radeberger Gruppe kommen zwar beim Endkunden gut an, sorgen aber für akuten Unmut bei nicht ganz unwesentlichen Partnern.

Zum einen geht es dabei um die individuelle Flaschenproduktion und -gestaltung der Premium-Marke Radeberger. Diese hat seit drei Jahren ihr Markenlogo als eine Art geprägtes Relief auf den Flaschen und ist somit quasi untauglich gemacht worden für den normalen Pfandkreislauf. Jede leere Individualflasche muss im Mehrwegkreislauf manuell oder mit teuren Maschinen aussortiert und zu ihrer Ursprungsbrauerei zurückgefahren werden. Das schadet dem kleinen Wettbewerber genauso wie der Umwelt. Der Präsident des Sächsischen Brauerbundes spricht in der Sächsischen Zeitung (hinter der Bezahlschranke) von einem „ökologischen Wahnsinn“. Da fragt man sich schon, warum die (grüne) Politik das bisher nicht wirklich an den Pranger stellt, wenn man berücksichtigt, welchen Aufstand sie gemacht hat, damit Handyhersteller ihre Ladegeräte ab 2012 in einem einheitlichen Standard produzieren. Während das ökologisch wiederum sehr fraglich ist, da ja am Ende doch mit jedem Neugerät ein Ladekabel ausgeliefert wird, wäre ein Protest im Hinblick auf diesen massiven Eingriff in das bewährte Pfandsystem sehr wohl nachvollziehbar.

Zum anderen versucht Radeberger gerade, die seit 2006 zur Gruppe gehörende „Punker-Plörre“ Sternburg (aka Sterni) durch Guerilla-Kampagnen als Szene-Bier zu vermarkten.

Vorbild dafür dürfte eindeutig Astra (in meiner Jugend noch billigstes Bauarbeiterbier ohne jedes auch nur ansatzweise spürbares Szene-Image) gewesen sein. Mit der Kampagne beauftragt wurde die Agentur Ogilvy & Mather, die sonst für Kunden wie IKEA oder die Deutsche Bahn am Start sind. Viele Ideen sind dabei wirklich sehr mutig und witzig, zum Beispiel im Berliner Wahlkampf mit diesen oder jenen Plakaten). In der Dresdner Neustadt dagegen setzt Sternburg vor allem auf Schwarzplakatiererei im Stile der Kulturszene (vor allem Livemusik). Das kommt nicht überall gut an:

„Wer sich eine der bekanntesten Werbeagenturen leisten kann, sollte lieber Nachwuchsbands unterstützen als die Arbeit von Clubs zu behindern, deren Werbebudget bei wenig über Null liegt“ schimpft ein Neustädter Veranstalter, dessen Plakate zum dritten Mal in vier Wochen von Sternburg überklebt wurden. „Bei uns im Club werden wir Sterni so garantiert nicht ins Sortiment aufnehmen, obwohl wir bereits fest an die Radeberger-Gruppe gebunden sind.“ Nun, das ist zwar einerseits nachvollziehbar. Dass aber das wilde Plakatieren nur für Kulturveranstaltungen „erlaubt“ ist und für Konsumgüter nicht, ist dann doch eher ungeschriebenes Gesetz als geltendes.

Auch die Konsumenten jedoch reagieren nicht ausnahmslos begeistert. Fans der regionalen Kleinstmarke „Lößnitz-Pils“ reagierten auf ihre Art und Weise auf die Plakate.

Plakat auf der Facebookseite von dieneustadt.de

Soweit so ungut, denn welche Alternative bleibt einem? Wie Bio sind die Biobiere wirklich, wenn sie aus Bayern nach Dresden gekarrt werden? Welche Marke agiert wirklich Kulturfreundlich, gehört keinem Konzern an und schmeckt dabei vor allem auch noch gut? Oder anders: Was ist Euer Indie-Bier?

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