Iceland Airwaves ’11: Björk – Biophilia

· 25.10.2011 · 1 Kommentar

»There are humans who think that I do not really exist, and that I was just invented by a famous woman called Björk.«
(FB-Auftritt Iceland, Statusmeldung 18.10.2011)

 

Zum Iceland Airwaves führte Björk zu ihrem neuen Album Biophilia zwei Konzerte für je 700 Zuschauer in der Harpa Concert Hall in Reykjavík auf. Pro Show gingen 500 Tickets in den Verkauf (wobei Iceland Air Festival-Kunden bevorzugte Bestellmöglichkeiten hatten; An dieser Stelle sei erwähnt: Trotz technischer Panne – Spitzenservice!), die restlichen 200 Tickets wurden nach first come, first serve-Prinzip am Tag der jeweiligen Show in einem Plattenladen ausgegeben. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Andrang recht groß war, die Aufregung jedenfalls war es definitiv – während der Festivaltage war das Thema Biophilia oft aufgeschnappter Inhalt vieler Gespräche.
Abseits des Airwaves wird Biophilia in Reykjavík an vier weiteren Terminen aufgeführt, inzwischen wurden wegen der großen Nachfrage zwei Zusatztermine veröffentlicht.

Fotografieren war während der Show übrigens verboten, alle Fotos im Beitrag sind von www.facebook.com/bjorkdotcom.

Wie war denn nun das Konzert von Björk? Wollen alle wissen. Und ich weiß doch selbst immer noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Man schleppt wohl doch eine große Tasche voller Erwartungen in einen Abend, auf dessen Eintrittsschein »Björk« steht.

Ein Konzert von Björk nimmt man nicht (mehr?) einfach mal so nebenbei mit. Wie ich eben auch ihre Alben nicht nebenbei laufen lassen kann, ohne dass mir die Musik den letzten Nerv raubt, sollte man sich mit so einem Multimedia-Projekt wie es Biophilia ist, eventuell vorab ein bisschen auseinandersetzen. Und obwohl man sich dem Medienhype um Biophilia kaum entziehen konnte, habe ich alles, was damit zu tun hatte, ausgeblendet, seit ich das Ticket in den Händen hielt. Ein Fehler?

Ja?! Wenn man nicht weiß, welche Ansätze und Visionen hinter Biophilia stecken, ist das, was Björk live aufführt, in seinem Anliegen nur sehr schwer, eigentlich gar nicht zu begreifen.

Nein?! Eine Live-Show, auch von Björk, sollte doch möglichst so konzipiert sein, dass sie für sich alleine stehen kann, auch wenn man sie dann eben nur als gewöhnliches Konzert aufnimmt.

Dass die Show nur ein budgetbedingter Kompromiss ist und laut Björks Vorstellungen eigentlich in ein Museum gehört hätte, um die Verknüpfung musikalischer Elemente mit naturwissenschaftlichen Themen für die Zuschauer interaktiv (be)greifbar und erlebbar zu machen, entnahm ich jedenfalls erst im Nachhinein einem Interview. Auch der Ansatz, Musik ganz intuitiv mithilfe von Touchscreens zu kreieren bzw. Instrumente damit zu bedienen, blieb mir während der gesamten Show überwiegend verborgen.

Theateraufführung, Instrumentenausstellung oder Konzert? Eine sehr kunstvolle Show war es. Bombastisch, durchgestylt, knallig bunt. Schön anzusehen, zu hören auch – klar! Ich hätte mir allerdings mehr körperliche Klangwahrnehmung gewünscht; Bässe, die in den Magen kriechen, Musik die einen vollkommen um- und einschließt.
Die Bühne befand sich in der Mitte des Raumes, beeindruckend vollgestellt mit nie gesehenen Instrumenten:

Um diese Bühne standen bzw. saßen die Zuschauer zu allen vier Seiten – Björk und der Mädchenchor bauten sich abwechselnd in jede Richtung auf und hinterließen dennoch den Eindruck, dass die eigene Seite viel zu oft Rückansichten zu bestaunen hatte.

Eine eingespielte Märchenonkel-Stimme erklärte vor Beginn des Konzerts ein bisschen was zu Biophilia und sagte zwischen einzelnen Songs die behandelten Themen an. Das verlieh der Show den Hauch des Gefühls, etwas Besonderes zu erleben, nützte jedoch zum Gesamtverständnis des Projekts nicht genug.
Viel mehr geredet wurde leider nicht – außer für ein »takk« nach jedem Song und die Vorstellung der – natürlich erstklassigen – Musiker auf isländisch, benutzte Björk ihre großartige Stimme ausschließlich zum Singen.

Schön Kunst, aber emotional kühl bis kalt war es im sehr funktionell und modern eingerichteten, gläsernen Harpa, das erst im Mai 2011 eröffnet wurde und demnach zum ersten Mal als Location für verschiedene Airwaves-Veranstaltungen diente. Ein wenig wärmer wurde es mit den altbekannten und geliebten Songs: Hidden Place, Isobel, One Day.
Schwer, einen Zugang zur Musik zu finden, vor allem aber zu Björk selbst. Hinter ihrer großen Perücke und der vielen Schminke, auf riesigen Plateausohlen und umgeben von 24 (offizielle Angabe, ich zählte 22, ich hatte Zeit zum Zählen!!) schönen Mädchen, die – barfuß – tanzten und wunderbar Background sangen, war Björk kaum zu sehen.

Sie wurde für mich nicht greifbar, Björk. Blieb weit weg, obwohl der Raum klein war und die Bühne nah.
 

Lag das vielleicht auch ein bisschen daran?
»i would like to thank people who attended my show last night . unfortunately i had a serious stomach bug , as we say in iceland : gubbupest . and was struggling with it through the gig . i hope my generosity somehow overcame it … i gave it my best shot ( pun intended ) otherwise , i apologize . im grateful for your warm gushes ! huge hug , björk.« (FB-Auftritt Björk, Statusmeldung, 17.10.)

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