Besser spät als nie und besser denn je: Goldner Anker veröffentlichen Debütalbum

· 06.10.2011 · Keine Kommentare
22. Oktober 2011
21:30 Uhr
Groovestation, Dresden

Man mag es kaum glauben, aber bei dem in diesem Monat erscheinenden Longplayer des Dresdner Indie-Trios Goldner Anker handelt es sich tatsächlich um ein Debüt-Album. Schon längst haben Goldner Anker dank leidenschaftlicher Livepräsenz, einer viel beachteten Split-Single mit den gefeierten Dyse und langjährigen Tätigkeiten in anderen Bands den Status eines Geheimtipps hinter sich gelassen.

Jetzt also endlich ein Album in voller Länge, von dem bisher zwar nur vier Titel im Netz zu hören sind. Diese aber machen wirklich Lust und würden es unter Garantie auf diverse Indie-Mixtapes schaffen, wenn es diese denn noch gäbe. Unaufgeräumte Jungszimmer mit viel Vinyl, Musikmagazinen und leeren Weinflaschen, an denen der Wachs heruntertropft: Goldner Anker wecken wunderbare Erinnerungen an die frühen 90er. Sub Pop hatte damals mit Spinanes, Velocity Girl, Hazel und den Fastbacks eine ganzer Reihe von Bands unter Vertrag, die man als Referenz für den Anker heranziehen könnte. Alles Bands, die den großen Sprung eher verpasst haben und wahrscheinlich wird auch der Goldene Anker keine goldene Schallplatte einspielen, aber mit „Wir hams so gemeint“ hat die Band einen echten Indie-Hit im Repertoire, der mit etwas mehr Mut zum Mainstream auch radiotauglich produziert hätte werden können, um dann vielleicht nicht ganz in einer Liga mit Kantes „Die Summe der einzelnen Teile“ zu spielen, aber auch nicht sehr weit drunter.

03 WIR HAMS SO GEMEINT by goldner anker

So weit ist Produzent Jarii van Gohl (Dyse) zum Glück dann doch nicht gegangen: So tight und fett die Aufnahmen klingen, ingesamt überwiegt immer noch der raue Charme einer Band, die genug Punkrock im Blut und genug Schürfwunden im Moshpit davon getragen hat, um sich nicht mit irgendwelchen Indie-Hipsters messen zu müssen. Dennoch ist der Anker keine Punkband sondern 90er Indie pur.

Malles trockenes, unspektakuläres Basspiel könnte ebenso von Kim Deal beeinflusst sein wie Claudias abwechslungsreiches Stimmenspiel zwischen Verzweiflung, Schmeichelei und einer fast arroganten Coolness. Da steckt verdammt viel Pixies im Anker und zwar auf eine ungezwungene und wahrscheinlich sogar ungewollte Art und Weise. Die Tempo- und Stimmungswechsel, die Bassläufe, die versteckten Botschaften in den Texten, die wahrscheinlich gar keine Botschaften sind, sondern einfach nur gut klingen sollen. Und das muss eine Band erstmal hinkriegen: Ohne es wollen, an die Pixies zu erinnern :-)

Spätestens am 22.10. dürfte das ganze Album dann auch hier auf dem Tisch liegen und dann gibt es an dieser Stelle noch einmal eine Einzelkritik aller Titel. Vorher geht der Anker auf Tour und zum Abschluss die Releaseparty in Dresden.

PS: Die Anker-Mittelsterne haben ebenso wenig zu dieser positiven Kritik beigetragen wie gewisse persönliche Beziehungen des Autors zur Band. „Ich habs so gemeint!“

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