Polohemden, SUVs und Lackdosen: Friedrichstadt bekommt Gartenzwerg- und Graffiti-Paradies

· 15.09.2011 · Keine Kommentare

In letzter Zeit war der ebenso zentrale wie sträflich vernachlässigte Dresdner Stadtteil Friedrichstadt vor allem im Zusammenhang mit Nachrichten aus und über die Kreativwirtschaft verbunden. Nach einer eher beschaulichen Zeit zwischen Krankenhaus, Brachen und liebenswerten Kultur-Akteuren wie Riesa Efau, Friedrichstadt zentral oder Motorenhalle, wird das Viertel gerade durch einen wahren Kreativboost an zwei Flanken (Kraftwerk Mitte und Ostragehege) eher wachgevögelt als wachgeküsst.

Für ein wenig Abwechslung im Kreativhype sorgt jetzt die TLG Immobilien GmbH, ein Unternehmen, das zu 100% dem Bund gehört (hervorgegangen aus der Treuhandanstalt), aber mittlerweile keine unmittelbaren Treuhandnachfolgeaufgaben mehr wahrnimmt. Die TLG verkauft sich mittlerweile als Ostdeutschlands Immobilienunternehmen Nr. 1 und als solches hängt man in so engagierten Projekten wie Mediaspree in Berlin oder dem „Gartenzwerg- und Graffiti-Ghetto“ (Urheber der Redaktion bekannt) auf dem Areal der ehemaligen Spirituosen- und Hefefabrik Bramsch.

Auf dem zentrumsnahen Gelände sollen auf 49 Flächen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser entstehen. “ Quasi ein neues grünes Dorf mitten in der pulsierenden Metropole Dresden„, schreibt die DNN und man weiß irgendwie nicht so genau, ob das als Schwärmerei oder Sarkasmus zu verstehen ist.

Ganz ohne Kreativwirtschaft geht es aber auch hier nicht. Das „Dorf“ wird umringt von einer formschönen, grauen, etwa 3 Meter hohen Betonmauer, die wahrscheinlich als Trainingsobjekt für aufstrebende Grafitti-Künstler des zukünftigen Kreativhauptquartiers der Stadt dienen soll. Ich weiß nicht genau, ob die angehenden Bewohner (stellen wir uns mal illustre Typen vor wie Fußballprofis, Lehrerehepaare und niedergelassene Hautärzte) das wirklich so gewollt haben, aber die TLG hat ihnen das ziemlich clever als funktionellen Lärmschutz verkauft.

Das perfekte Idyll für Polohemden, SUVs, Hunde und Gartenzwerge hat außer diesem postmodernen Bronx-Bezug höchstens einen Haken: Ein Schwimmbadbauer der Region berichtet von einem signifikanten Anstieg der Anfragen danach, ob Unterkellerungsverbote in Hochwasserschutzgebieten auch Bau von Swimming.Pools betreffe. Ein Zusammenhang zur Bramsch-Siedlung kann aber muss nicht vermutet werden. Aber herrje, irgendwas ist ja immer!

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