Der Welt den Rücken

· 20.09.2011 · Keine Kommentare

“Jede Woche ein Buch” – längst aufgegebenes Ziel für 2011. Immerhin sind noch mehrere Rückblicke auf dem To-Do-Stapel. Ältere gibt es zum Beispiel hier. Das ist #14.

Ich mag Elke Heidenreich. Ihre Sendungen kamen zwar immer zu spät, ihre Talkshow-Auftritte habe ich meistens verpasst und dennoch sind mir ihre schnatterige, flapsige und dabei intelligente Art immer sympathisch gewesen. Kürzlich fiel mir ihr Büchlein „Der Welt den Rücken“ in die Hände und mit ihm sieben Erzählungen. Auf 191 Seiten seziert die Heidenreich mit Witz und Wehmut die Schrulligkeiten ihrer Protagonisten, den Hang zum Alkohol, duldsames Eheleben und Altern ohne durchzudrehen: „Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Zeit ist die Wunde“. Beinahe beiläufige Beobachtungen von Altlasten und Einsamkeit, große Gefühle zwischen Resignation und Verdrängung, manche Geschichten stärker als andere. Da ist zum Beispiel das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, die sich einfach nicht näher kommen wollen und können, was auch immer sie versuchen oder das Suchen und Finden der ersten Liebe und wie sich zwei Menschen auch ohne Verbindlichkeiten nahe sind und gut tun. Wie Nachbarn kommen einen die Menschen vor, über die hier geschrieben wird, sie sind unmittelbare Umgebung und dennoch fremd, voller kleiner Geheimnisse, die ein Leben lang bewahrt werden. Wie man vor Offensichtlichem die Augen verschließt, Balance hält und aus Erinnerungen schöpfen kann, beschreibt Elke Heidenreich ohne Vorwurf oder Belustigung.

there’s a crack, a crack in everything, that’s how the light gets in (Leonard Cohen, Anthem)

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