Tiere essen

· 11.07.2011 · Keine Kommentare

„Jede Woche ein Buch“ war erklärtes Ziel für 2011. Schnell wurden aus einer Woche 14 Tage. Doch nun bleibt zu wenig Zeit zum Schreiben der Rückblicke. Hier ist #11.

Jonathan Safran Foer hat mit „Tiere essen“ ein persönliches Sachbuch geschrieben, das aufarbeitet, warum er und seine Familie zu Vegetariern wurden. Der Amerikaner recherchierte etwa drei Jahre, stieg in Tierfarmen ein, unterhielt sich mit Farmern und Tierschützern.
Man kann die Augen länger verschließen, man kann sie aber angesichts der Fakten auch erschrocken aufreißen:
Der Deutsche verspeist im Schnitt 88kg Fleisch im Jahr – 54kg davon sind Schweinefleisch – fettig und ungesund. Hühnchen ist gesünder? Das Huhn selbst ist es sicher nicht, wenn es auf der Fläche eines A4 Blattes sein Leben fristet. 98% der Tiere, die in Deutschland zum Fleischverzehr gezüchtet werden, stammen aus Massentierhaltung. Etwa 80-90% Meeresgetier landet beim Fischen als Beifang tot oder verletzt wieder im Meer oder im Schredder. Für ein Pfund Garnelen gehen 12kg totes Meeresgetier völlig sinnlos wieder über Bord. Auch Tiere haben eine Lebenserwartung – nicht aber in der Nahrungsmittelindustrie: ein Huhn kann etwa 20 Jahre alt werden, es sei denn, es wird nach fünf bis sechs Wochen geschlachtet – weil die Wachstumsrate pro Tag um 400% gesteigert wurde. Rinder, Schweine und Geflügel werden fast ausschließlich mittels künstlicher Befruchtung gezüchtet. Tiere werden produziert. Sie sehen nie Tageslicht, werden mit Medikamenten vollgepumpt. Die industrielle Herstellung von Fleisch führt zu absurd billigen Preisen – auf Kosten unserer Gesundheit und der Umwelt. Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung trägt 40% mehr zur globalen Erwärmung bei als der gesamte Transportverkehr weltweit; sie ist die Ursache Nummer eins für den Klimawandel. oder anders veranschaulicht: Für jedes Kilogramm Rindsteak auf dem Teller muss zuvor die zehnfache Menge Getreide verfüttert werden, außerdem werden 16.000 Liter Wasser verbraucht. Allein um unsere Lust auf Fleischluxus befriedigen zu können, arbeitet eine gigantische, gefräßige Maschinerie (Spiegel)

Jonathan Safran Foer ist drastisch in seinen Ausführungen, aber erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Und nun? Weder Fisch noch Fleisch? „Tiere essen“ vermittelt anschaulich ebenjene Fakten, die man bislang ganz gut ignorieren konnte. Was man tun kann, wissen wir. Bewusster Umgang mit Nahrungsmitteln steht an – und zwar ganz generell, das zeigt auch die EHEC-Diskussion der letzten Wochen. Warum der Knoblauch aus Argentinien in deutschen Supermärkten als Bio gekennzeichnet ist, darf ebenso hinterfragt werden, wie die enormen Preisunterschiede zwischen argentinischen/australischen/südafrikanischen & deutschem Wein. Auch der saftige Apfel aus Neuseeland schippert einen Monat um die halbe Welt und ist trotzdem noch spottbillig. Und 20 Millionen (in Ziffern 20.000.000) Tonnen Lebensmittel werden im Jahr in Deutschland weggeworfen. Guten Appetit!

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