Soundcheck Audiophil

· 27.07.2011 · Keine Kommentare
5. November 2011
20:00 Uhr
Toskana Therme, Bad Schandau, Bad Schandau

Mit Call Myself von Audiophil erschien auf dem Netlabel Phonocake zum ersten Mal ein Album mit Vocals.

»Mit dem Album von Nico Steckhan und der Vokalistin Pollyx begeht Phonocake Neuland. Audiophil’s Arbeit trifft sich an einer Kreuzung von kickender Elektronik a la Apparat, Pop, Indie, Gesang und IDM. Für uns kein großes Genre-Problem, geht es uns doch vor allem auch um die Vorstellung eines neuen Musikers. Lasst es uns intelligente Pop-Musik nennen… IPM.«

Klingt wie: Ein Soundtrack für laue Sommerabende auf dem Balkon, zu dem man aber auch gut unter dem Schreibtisch mit den Füßen wippen kann; Mit einer Stimme, die mich zuweilen an Beth Gibbons oder Kosheen denken lässt. „Let the others run and we watch the sun“

Das gesamte Album (mit tollen Artworks von Ursula Breinl zu jedem einzelnen Song) gibt es auf der Phonocake Website zum kostenlosen Download.

Nicht Genre-Problem, aber Grund zur Aufregung, mindestens jedoch willkommener Anlass, dem Mann hinter Audiophil – Nico Steckhan – einfach mal ein kleines Loch in den Bauch zu fragen:

Woher kennt man dich, bzw. könnte man dich kennen, welche Projekte gibt’s, wo hast du noch so deine Finger im Spiel?
Ja das ist von außen nicht so transparent :)
Angefangen habe ich unter dem Pseudonym Zenda. Damals habe ich viel HipHop Beats gebaut, mit einem Freund Beatflorenz gegründet und wir liefen später gut mit der P4B Crew. Daher kommt es auch, dass in meiner aktuellen Musik teilweise HipHop-Anleihen zu hören sind.
Das reine Beat-Basteln wurde mir aber schnell zu eintönig – ich habe immer weiter experimentiert, auch in Richtung Orchester-Stücke und Electronica. Einen richtigen Stil habe ich also erst durch diese frühen Experimente gewonnen.

Audiophil ist somit als Neuanfang und Weiterentwicklung entstanden. Gemeinsam mit Vera Blaas habe ich 2010 das Album Pie-ces auf elpa rausgebracht.

Mein anderes Projekt Pandaya entstand dieses Jahr aus dem Wunsch heraus, live zu spielen. Ich wollte gern Folk mit Frikkelzeug verbinden und suchte eine Sängerin. So habe ich Helen (aka Nele) kennengelernt. Wir hatten ähnliche Vorstellungen und bringen beide Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen mit.
Helen wollte allerdings auch tanzbare Sachen spielen, was nicht die primäre Idee war. Mittlerweile genieße ich lustigerweise genau die tanzbaren Teile im Proberaum. Von Pandaya wird auf jeden Fall noch mehr kommen. Bisher haben wir nur einen eigenen Track (Du machst mich krank), die übrigen sind unsere jeweils mitgebrachten, entsprechend aufgearbeiteten Songs.

Um diese beiden aktuellen Projekte in zwei verschiedene Schubladen einzusortieren, sehe ich bei Pandaya die Tendenz zum Tanz und mein Audiophil Projekt mit Pollyx eher als Musik für zu Hause.

»Touched me« by Audiophil …. Phoke72 …. Phonocake Netlabel by phonocake netlabel

Du spielst Klavier und Gitarre?
Ja beides… Klavier aber nur autodidaktisch, deswegen live lieber Gitarre.
Ich habe lange Keyboard und Gitarre in einer Band namens The Blind Spot gespielt. Seit meinem Umzug nach Berlin im April 2010 kann ich allerdings nicht mehr mit ihnen proben. Leider. Das Spielen und Jammen mit den Jungs vermisse ich schon.

Du hast dir deine musikalischen Fähigkeiten autodidaktisch angeeignet?
Ich hatte 8 Jahre Gitarrenunterricht, leider übe ich zu selten… (das soll sich ändern). Sonst liebe ich Tutorials und bin immer auf der Suche nach News was Musik-Tools angeht. Ohne Autodidaktik, denke ich, kann man seine eigenen kreativen Ideen wenig bis gar nicht umsetzen.

Was machst du im echten Leben?
Ich bin Doktorand im Neurocure Cluster Berlin. Meine erste Leidenschaft ist Forschung.
Genauer gesagt, dreht es sich um die synaptische Transmission und die Rolle für die Ausbildung von Arealen, die bei Lernen und Gedächtnis eine Rolle spielen. Ich quäl dich da nicht mit Einzelheiten…

Zum aktuellen Album – Wie kam es zu der Verbindung Schreiben/Text/Singen?
Generell schreibe ich Gedichte oder kleine Texte. Dass ich diese mit meiner Musik verbinde, liegt dann nicht fern. Meistens weiß ich was ich mit einem Song sagen will und finde spontan die richtigen Formulierungen… die restlichen Inhalte stricken sich dann oft um die erste Inspiration. Ich singe auch probehalber die Ideen ein und verflechte somit Text, Gesang und Musik.
Auf dem aktuellen Album habe ich sogar meinen Gesang gelassen, da ich finde er passt stellenweise besser als weiblicher Gesang.

»Eaglewolf« ….. by Audiophil ….. (phoke72) ….. Phonocake Netlabel by phonocake netlabel

An welcher Stelle wurden die Vocals für Dich interessant und warum?
Vocals entstehen oft mit dem Stück, teilweise sehe ich den Gesang auch als eigenständiges Element/Instrument, wie das auch andere Musiker tun.
Deswegen gibt es zum Beispiel bei Enter the Surface einen eher „unverständlichen, man kann vielleicht etwas erkennen“-Gesang. Diese Idee dann an die Sängerin weiterzugeben, ist meistens amüsant: „Sing mal eher youu soooo hooo duuu miiiii…“ ;)

Der Phonocake-Seite kann man entnehmen, dass deine Idee zu Titel und Text des Albums mit dem Koan (Zenrätsel) zusammenhängt. Magst du das etwas näher ausführen?
Im Zen werden Koans von den Meistern und auch Schülern genutzt, um die Natur des Geistes zu erkennen. Für mich ist das im Gegensatz zur Forschung die subjektive Herangehensweise bei der Erforschung des Bewusstseins.

Auf Call Myself geht es ja speziell um selbst erlebte Gefühle und deren Verarbeitung; Den inneren Dialog, den man ständig führt und die Tatsache, dass man sich selbst der beste Zuhörer ist.
In diesem Sinne spreche ich eine uns innewohnende, fundamentale Grundlage des Geistes an – die Reflexion.
Im letzten Titel hört man Schritte im Schnee. Als Zusammenfassung des Albums sozusagen. Fußstapfen im frischgefallenem Schnee als Analogie zum Entstehen von Gedanken/Gefühlen im Raum des Bewusstseins. Wie die Gedanken vergehen, so fällt auch neuer Schnee…

Wo soll’s hingehen?
Immer weiter ;)

Definitiv mehr Gigs, weitere interessante Projekte, wie z.B. ökogetriebene Parties und Aufbau einer kreativen Musik/New Media Szene auf einer griechischen Insel ;)

Audiophil live – was erwartet das Publikum?
Bis jetzt werden alle kommenden Gigs mit Gesang und live Instrumenten sein. Ich möchte nicht als reiner Laptop-Act verstanden werden.
In Bad Schandau wird Sonja (aka Pollyx) dabei sein. (Hurra, ich konnte sie endlich überreden!)
Also, Geheimtipp!

Du arbeitest schon an einem neuen Album?! Verrätst du, in welche Richtung es gehen wird?
Ich arbeite mit Sonja an neuen Titeln, mit dem Ziel weniger Elektronik, mehr Handmade und Vintage, Lo-Fi, Folk zu machen.
Wie ich mich kenne, werde ich diese Regel an der einen oder anderen Stelle brechen. Was und wie das dann auf dem Album/EP landet??? Gern würde ich das eventuell mit einem Video auf CD bringen und diese für wenig Geld verkaufen.

Generell möchte ich meinen Stil vertiefen. Vor allem die Kombi aus Akustik-Gitarre und IDM (unter anderem auch, weil’s so was viel zu selten gibt)

Und mit Pandaya?
Mit Pandaya werden auch eigene Titel entstehen, mit der Betonung auf Frikkel und Rave. Etwas, was live Spaß macht.

Schallplatten?
Mhh ich finde Artefakte toll, obwohl ich kaum Platten habe. Vielleicht CDs mit schönem Artwork, Booklet und kleiner limitierter Auflage, Gimmicks (Videocodes, Rätsel). Keine Ahnung, finde so was sehr spannend und interdisziplinär.
Mir ist es bei meinem künstlerischem Output auch immer wichtig, ein in sich rundes und konzeptionelles Rangehen zu haben, Video und Lyrics zu fusionieren und in einem gewissen Rahmen zu präsentieren.

Festivals?
Dieses Jahr steht noch La Libertad (05.08.) an, was ich als Pandaya mit Helen (aka Nele) bespiele.

 
Herzlichen Dank an Parmon (für einen Teil der Fragen) und Nico (für alle Antworten) – wir sehen uns in Bad Schandau!

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