Von wegen Tal der Ahnungslosen

· 05.04.2011 · 3 Kommentare

Omnipräsenz durch Bespielen aller Kanäle, Erfolg durch Hartnäckigkeit.

Was das Dresdner Label Uncanny Valley gerade an Output in die Welt wirft, degradiert so manchen anderen lokalen Künstler, der immer noch bei Myspace bastelt und mit Privatprofilen Leute zuspammt. UV dient für mich als Best Practice Beispiel: Die Labeleigene Webseite ist aufgeräumt und aktuell, bei Facebook wird man informiert, bei Soundcloud erfolgt die Hörprobe, bei Youtube reicht es für einen eigenen Kanal – und dann finden sich dort (Hurra!) nicht nur verwackelte und rauschende Halbminüter sondern tatsächlich ganz brauchbare Videos, wie dieses hier von One Day In Metropia, das nicht nur wegen der Musik ein bisschen trippy ist:

Da kann doch der entsprechende Wikipedia-Eintrag nicht mehr weit sein.

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Mit ausführlichen Hintergrundinformationen auch bei den Nachbarn von frohfroh im Portrait:
http://www.frohfroh.de/?p=4052

Diskussionen muss man anstoßen, Diskussionen muss man auch führen. Ich kommentiere meinen Beitrag selbst, weil ich per E-Mail eine Reaktion darauf erhielt, mit der ich so nicht gerechnet habe. Darin heißt es, dass ich den Rest der Dresdner Musikszene degradiere. Das möchte ich nicht unbeantwortet und erst recht nicht so stehen lassen.

Im obigen Beitrag über UV wollte ich mit wenigen Zeilen meinen Respekt dafür zum Ausdruck bringen, dass das Label sich ganz offenbar nicht nur breit aufstellt, sondern diese Kanäle auch noch ziemlich professionell betreut. Mit professioneller Betreuung meine ich nichts anderes als Aktualisierungen, Hintergrundinfos und ja, auch meine besondere Freude über brauchbares Video-Material. Wenn ich im Gegensatz dazu von Künstlern rede, die immer noch bei Myspace basteln und mit Privatprofilen Leute zuspammen, heißt das übersetzt:

– Myspace hat ausgedient. Myspace lässt den Rechner abkacken. Myspace lässt den Nutzer fluchen. Myspace klappt Werbeflächen auf, wo man keine vermutet. Myspace baut permanent die Nutzeroberfläche um. Myspace hat keine gescheiten Player. Myspace nervt. Es verwundert wenig, dass man auch als Künstler Myspace nicht optimal aka funktional nutzen kann. Dennoch haben viele nur ein Myspaceprofil. Und sind dann darüber nicht mal mehr erreichbar.

– Facebook: Was ich mich schon geärgert habe über Freundschaftsanfragen von Bands, die ich noch nie gehört habe, von Veranstaltern, deren Konzepte mir nicht zusagen, von Musikern, deren Talent ich als eher bescheiden einstufe, von Clubs, deren Tanzfläche ich nie betreten werde. Bands/Musiker/Veranstalter/Clubs müssen laut Facebookregularien Facebookseiten verwenden. Dann nämlich können höchstens „Fans“ sie weiterempfehlen, aber sie sich nicht selbst mit 50 neuen Leuten am Tag befreunden. FB-Seiten schicken auch keine Eventeinladungen, die verschicken höchstens Aktualisierungen, Einladungen gehen über Privatprofile und somit sind Privatprofile auch für Werbung da, natürlich – denn wenn ich von einer Sache überzeugt bin, vielleicht sogar an einer Idee mitwirke, möchte ich, dass viele Menschen davon erfahren. Auch die, die meinen kunstvoll gestalteten Flyer sonst nicht in die Hand kriegen würden – und die erreiche ich über Facebook durch sharen von Links und über Einladungen. In den Einstellungen kann man easy die Nutzer blockieren, die es „zu gut“ meinen.

Ganz sicher zielen diese Kritikpunkte nicht nur auf ein musikalisches Genre, sondern betreffen ebenso Theater, IndieBands, Gastrounternehmen, Musikstudenten usw.
Was wir bei der Scheune Akademie (www.scheune-akademie.de) so alles erleben, mag man manchmal nicht glauben. Und doch denke ich, dass ein Mindestmaß an Engagement und Abgucken bei den Guten erwartet werden kann, wenn man selber kreativ/aktiv sein möchte. Hat man dafür keine Zeit/keinen Nerv/kein Verständnis, muss man sich halt Gedanken um eine Problemlösung machen.

Eine Degradierung der Dresdner Musikszene steckt in diesem Beitrag ganz sicher nicht! Die Person, die mir das unterstellt, müsste es eigentlich besser wissen. Das widerspräche ja enorm meiner Motivation, Mittelstern mitzugestalten, indem man ebendieser Szene eine Plattform bietet, Termine angekündigt, von Konzerten berichtet, vielleicht sogar Neues entdeckt, wo aber eben auch hinterfragt wird – ob nun Crowdfundingkonzepte oder Web2.0-Auftritte.
Es gibt auch die Konsumentenseite der Kreativität und die ist nicht immer nur passiv.

Stefan Goldmann hat einen interessanten Artikel zum Thema Musikbusiness verfasst und dabei auch die Zusammenhänge zwischen iTunes, Youtube und der Nasdaq unter die Luppe genommen. Dabei erklärt er, warum sich ein Künstler auf seine Kernkompetenz – Musik machen – konzetrieren sollte:

http://www.littlewhiteearbuds.com/feature/everything-popular-is-wrong-making-it-in-electronic-music-despite-democratization/