Pop Down: Die Pop Up verliert ihr Herzstück

· 11.04.2011 · 4 Kommentare

Ein extrem trauriger Tag für die (sächsische) Popmusikszene: Heute wurde die Entscheidung verkündet, dass die Pop Up ihr Herzstück verloren hat. Mit großem Bedauern hat das (seit jeher rein ehrenamtlich agierende) Team die Messe abgesagt und wird ab sofort „nur“ noch Festival mit begleitenden Panels sein.

Don´t Messe with AustinLeipzig Pop Up, das ist (war) seit mittlerweile 11 Jahren ein inniges und leidenschaftliches Netzwerken, Plattentauschen, Biertrinken und Flirten abseits vom klassischen Musikbusiness mit dem dicken Geld. Wer dort war, der brannte für Musik und nicht für goldene Schallplatten. Popkultur in Reinkultur. Wohl keine Musikmesse der Welt kann so wenige kokainabhängige Ehrgeizlinge und sich selbst zelebrierende Promo-Tussen vorweisen wie die Pop Up.


Ich sage das weder mit Stolz noch mit großer Wehmut, aber ich war tatsächlich mehr oder weniger von Anfang an dabei. Meine erste „Pop Up“ war das „1. Festival Neue Beiträge zur Deutschen Popkultur“ im Mai 2000. Ich erinnere mich an eine für Außenstehende wie mich extrem ruppig wirkende Stimmung in Connewitz damals. Die Antifa-Szene rund um die alternative Szene des Conne Island schien weder mit der „deutschen Popkultur“ noch mit deren Auseinandersetzung wirklich glücklich, um es mal naiv auszudrücken. Ich kann, will und werde die damalige Situation absolut nicht beurteilen. Mir persönlich war Leipzig damals ehrlich gesagt ziemlich suspekt und fremd und ich fühlte mich klassisch zwischen den Stühlen. Musikalisch war ich seinerzeit ganz klar beim Conne Island (Postpunk, Hardcore, Skatecore) philosophisch eher in llses Erika, wenn man das so sagen kann… Plenen habe ich jedenfalls schon immer lieber gemieden.

Ich meine mich an Stände in einer Außenhalle des Werk 2 zu erinnern, die es mittlerweile entweder nicht mehr gibt, umfunktioniert wurde oder von mir immer übersehen wird. Dort bin ich mit tschechischen Musikern und ungarischen Comiczeichnerinnen jämmerlich abgestürzt. War das 2000? Oder schon 2001? Wen interessiert das? So viel jedenfalls zu meiner Wahrnehmung einer „deutschen“ Popkultur. Später war es vor allem ein Pflichttermin, um sehr gute Freunde zu treffen, die damals wirklich noch so was wie einen „Messestand“ hatten (Tisch, zwei Stühle, Plakate, Bier, keine oder selbst gemalte Visitenkarten). Lange ist das her. Da hatte ich noch eine Hotmail-Adresse, es gab noch jede Menge Fanzines und der Begriff Blog war mir so fremd wie Eurodance.

Es war abzusehen, dass die Pop Up in der alten Form dem Untergang geweiht ist. Wichtige neue Szenen (z.b. deutscher HipHop) haben sich nie richtig angesprochen gefühlt und das Publikum und die Aussteller wurden entsprechend älter (und langweiliger). Orte und Konzepte wurden gewechselt und in diesem Jahr noch einmal so intensiv, dass eigentlich klar war: Es funzt oder es geht gar nicht. Leider geht es gar nicht.

Die Gründe dafür sind vielfältig, woran es genau lag, weiß niemand so genau. Aber Fakt ist, es haben sich zu wenige Aussteller angemeldet.

Das Business Indiepop ist zu einer Hobby- und Nebenberufszone geworden, in der DIY noch größer geschrieben wird als zu den besten Punkrock- und Hardcorezeiten. Bands brauchen keine Labels mehr, um ihre semiprofessionellen EPs im Internet zu vertreiben. Die Chance, ein Album via Crowdfunding zu finanzieren, ist größer, als ein Label zu finden, was Vorschüsse zahlt. Im Grunde war die Pop Up seit zwei Jahren eine „Audiolith und die anderen“-Messe.

Hoffen wir, dass sich wenigstens das Festival und die Panels auch für die Zukunft etablieren und vielleicht ist es auch die Chance für einen Neuanfang mit einer stärkeren lokale Ausrichtung am Tage und internationaler Ausrichtung in der Nacht?

Ich möchte dem Pop Up Team in jedem Fall von ganzem Herzen danken für die unzähligen Arbeitsstunden, die investiert wurden, um Sachsen auf der Weltkarte des Pop zu markieren! Das ist Euch gelungen!
Danke, tiefer Respekt und eine dicke Umarmung!

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