Immanu El – Claes Strängberg im Interview

· 13.04.2011 · 1 Kommentar
19. April 2011
21:00 Uhr
Societaetstheater, Dresden

Wenn ich richtig gezählt habe, befinden sich Immanu El gerade auf ihrer sechsten Europatour und scheinen das sehr zu genießen. In Dresden werden die Schweden nächste Woche bereits zum dritten Mal spielen und laden euch alle (nicht nur (in) Polen) ganz persönlich ein:

Sänger und Gitarrist Claes Strängberg hat mir vorab ein paar Fragen beantwortet:

Auf der aktuellen Tour spielt ihr einige bisher unveröffentlichte Songs. Wann wird es ein neues Album geben?
Wir werden das neue Album ein paar Wochen nach dem Ende der Tour aufnehmen, es soll im Oktober 2011 veröffentlicht werden.

Möchtest du ein bisschen was über das neue Album erzählen? Was erwartet uns?
Wir werden versuchen, unseren eigenen Sound weiterzuentwickeln, die Erfahrungen aus den beiden bisherigen Veröffentlichungen einbringen – und die aus 150 gespielten Shows. Ich denke, man kann mehr Atmosphäre erwarten als auf dem letzten Album, aber es wird treibender und rhythmischer sein, als das erste Album.

Du hast angedeutet, dass sich in der näheren Zukunft von Immanu El einige Chancen und Möglichkeiten aufgetan haben. Um was geht es da?
Eine Menge Sachen, schätze ich. Nach unserer nächsten Veröffentlichung zieht es uns zum ersten Mal Richtung Asien. Und wir werden mit einigen neuen Partnern zusammenarbeiten. Es geht in Richtung Music-Placement im Film.

Als ich euer Debütalbum [They’ll Come, They Come (2007)] zum ersten Mal hörte, hat mich die Musik sehr stark berührt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht nur mir so geht – ich habe sogar Leute gesehen, die während eurer Show geweint haben. Kannst du dir erklären, warum eure Musik so viel auslöst? Ist das etwas, das ihr beabsichtigt?
Natürlich wollen wir etwas auslösen. Aber das ist nichts, was wir in die Köpfe der Leute einhämmern möchten. Es gibt für jeden Song ein Thema und eine Absicht, aber es bleibt jedem Hörer selbst überlassen, was es für ihn bedeutet
Für mich ist es wichtig, die Musik die ich mache, ernst zu nehmen und ich scheue mich nicht davor, das auch auszudrücken.

Kosmonaut by Immanu El

Deine Stimme bzw. eure Stimmen fungieren in eurer Musik mehr als eine Art Instrument. Welche Rolle spielen die Texte, also das was gesungen wird?
Die spielen eine sehr wichtige Rolle, da sie für jeden Song ein Thema und eine Geschichte beschreiben. Auch wenn die Stimme, wie du schon sagst, in den musikalischen Arragements eher reduziert und strategisch plaziert ist.

Für mich sind eure Texte sehr kryptisch, eher Gedankenbruchstücke, die sehr viel Raum für Interpretationen lassen. Möchtest du erzählen, um was es da so geht?
Obwohl jeder Song eine andere Geschichte erzählt, denke ich, dass sich unsere Texte hauptsächlich mit ziemlich ernsthaften Themen beschäftigen und oft die großen Fragen behandeln, mit denen jeder Mensch umgehen muss. Leben, Tod, Bestimmung, Glaube und Hoffnung. Mir ist es wichtig, diese Gedanken auszudrücken. Ich glaube, dass es sich heutzutage viele Menschen zu leicht machen und diese Fragen und Erfahrungen verdrängen. Obwohl doch jeden diesen Themen betreffen. Vielleicht ein Grund, warum die Leute denken, dass unsere Musik so melancholisch oder sentimental ist…

Mir fällt es auf euren Shows jedes Mal sehr leicht, in die Musik einzutauchen. Es scheint da immer eine Verbindung zwischen euch und dem Publikum zu geben. Wie erreicht ihr das?
Wirklich? Ich finde das manchmal sehr schwer. Ich befürchte, ich habe keine gute Antwort darauf. Ich möchte diese Verbindung zwischen uns als Band und dem Publikum nicht zerstören, indem ich zu viel erzähle.
Für uns ist es wichtig, dem Publikum das Gefühl zu geben, dass es ein Teil von dem ist, was wir machen. Es ist auch wichtig, dass das Publikum aufgeschlossen ist, damit es sich auf unsere Musik einlassen und sie genießen kann…

Archers by Immanu El

Wenn ihr auf der Bühne steht – gibt es etwas, das dich am Publikum echt ärgert?
Unsere Musik ist natürlich sehr empfindlich gegenüber Geräuschen und lautstarken Unterhaltungen. Aber so ist es eben manchmal. Trotzdem – es ärgert mich, wenn Leute sehr laut sind und versuchen lustig zu sein, indem sie irgendwelchen Lärm machen oder Chaos veranstalten, während wir spielen. Das macht es wirklich schwer, sich auf die Musik zu konzentrieren. Obwohl ich nicht glaube, dass das speziell nur unsere Band betrifft.

Bei euren Konzerten vermisse ich immer wieder das Cello. Gibt es eine Chance, euch jemals wieder mit Cello (und Violine) zu sehen?
Ja, gibt es. Aber das ist hauptsächlich ein finanzielles Problem. Sobald wir es uns leisten können, mit mehr Musikern zu touren, werden wir das auf jeden Fall tun. Vielleicht ergibt sich sogar schon eher die Möglichkeit, im Rahmen eines Festivals ein spezielles Konzert mit Streichern zu spielen.
Jonatan, der Cello, Keyboard und Gitarre bei uns spielte, verließ die Band vor einigen Jahren. David, den wir dabei haben wollten, spielt zwar kein Cello, hat aber andere Qualitäten, die uns wichtig sind…

Werdet ihr im Sommer auf Festivals zu sehen sein? Auf welchen?
Diesen Sommer werden wir uns auf unser neues Album konzentrieren und all die Dinge vorbereiten, die damit zu tun haben. Wenn alles gut geht und es der Zeitplan erlaubt, spielen wir dieses Jahr vielleicht ein oder zwei Festivals. Nächstes Jahr im Sommer werden wir uns wieder mehr darauf konzentrieren.

Ich habe den Eindruck, dass die Leute Postrock langsam ein bisschen satt haben. Es gibt so viele Bands, die gleich klingen und es ist nicht einfach, wirklich neue Aspekte an der Musik dieses Genres zu entdecken. Was ist dein Eindruck? Und was könnte das für eure Musik bedeuten?
Vor einigen Jahren gab es nicht so viele Postrock-Bands und ich denke, es war einfacher, den speziellen Sound des Genres zu genießen, da stimme ich dir zu. Ich denke, das wichtigste für einen Künstler oder eine Band in diesem Bereich ist es, sich weiterzuentwickeln und nicht in alten Mustern zu verharren. Als wir 2009 Moen veröffentlichten, war das die ziemlich offensichtliche Antwort auf das, was wir zuvor gemacht haben. Wir mochten den neuen Sound. Ich schätze, das wichtigste ist es, dass man versucht, kreativ zu sein.
Ich denke, das Interesse an unserer Musik wächst weltweit und ich hoffe, dass das nicht zu sehr davon abhängt, was gerade Trend ist.
Es geht uns darum, was für uns am besten klingt. Wir machen Musik nicht, weil wir denken, dass die Leute sie mögen könnten, weil es gerade in ist oder nicht … unser erstes Album war ein softes Postrock-Album, das zweite war nüchterner und mehr Indie Rock, das nächste wird wieder anders sein. Es entwickelt sich immer aus dem, was für einen selbst im Moment am besten klingt.
Dennoch werden wir immer unsere typischen harmoischen Ausdrucksformen nutzen.

Eure Freunde von ef sind gerade von ihrer Tour in Asien zurück. Ist das etwas, das ihr euch auch vorstellen könnt? Wo würdet ihr gern mal spielen?
Genau das haben wir Anfang des nächsten Jahres vor, wenn alles läuft wie geplant. Ich würde gern in Japan spielen. Wir arbeiten dort mit einem großartigen Label zusammen, das wäre was…

Zurück nach Europa – mit Immanu El wird es schon das dritte Mal sein, dass du in Dresden bist. Gefällt es dir hier?
Ja, Dresden ist einer meiner Lieblingsorte in Deutschland. Es ist eine wunderschöne Stadt und die Menschen sind sehr freundlich und „down earth“. Ich verbinde schöne Erinnerungen mit dem Ort. Überhaupt mag ich den Osten von Deutschland …

Das lasse ich gern so stehen.

Thank you, Claes!

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