Fifteen Love – Die Groove feiert 15. Geburtstag

· 01.04.2011 · 4 Kommentare

Wenn in einer Kneipe schon seit über fünf Jahren die Türen nach außen aufgehen und man immer noch in die verkehrte Richtung drückt, dann hat man sich in Zeiten davor den Dienstgrad Stammgast redlich verdient. So geht es mir mit der Groove Station, die mir zwischen 1997 und 2004 ein extrem gemütliches zweites Zuhause war..

Mit der Groove verbinden mich wirklich verdammt viele Erinnerungen. Als Musiker und DJ, als Veranstalter, Tischfußballer, Fernsehfußballer, Pogotänzer, Diskotänzer, Cineast, Tischtennisturnierausrichter, Flenstrinker, Grasovkatrinker, Beatduelljury und vor allem als Kumpel.

15 Jahre wird die Groove also heute! Wow! Das kann ja nu ma wirklich nicht jeder Neustadt-Club für sich deklarieren.Vor 15 Jahren, war Katy’s Garage da am Ende noch eine Auto-Werkstatt? Wurde im heutigen Metronom im Hinterzimmer noch geboxt? Titty Twister Striesen? Titty Twister Neustadt? The Church? Ostpol? Alles Neuzeit! Da gab es doch schon keine Stoßstangen mehr an Autos und bei der Eröffnung hatten die Booker eine E-Mail Adresse. Es ist Zeit, ein wenig zurückzublicken und vor allem zu sagen „Herzlichen Glückwunsch

Ich kann mich an meinen ersten Besuch in der Groove nicht mehr erinnern. Ok, ich geb´s zu: Ab und zu tue ich so. Ich bin (nach drei Fernet Branca) ganz gut darin, mir Geschichten auszudenken und habe in den letzten 15 Jahren in dem Laden am Ende genug erlebt, um einen ganzen Roman draus zu machen. Aber mein erster Besuch? Wahrscheinlich eine Lage Absacker mit Bettina nach einem Abend im damals noch ziemlich coolen Downtown. Ich sehe zwar noch die Empore (über der heutigen Bühne) mit dem Tattoo-Studio vor mir, aber wirkliche Erinnerungen habe ich daran nicht. Das Stammpublikum war jedenfalls älter als heute und auch durchaus einen Zacken härter. Psychedelic-Punkrock aus der 60er Garage – das war die musikalische Gangart auf der kleinen wackeligen Bühne (damals noch an der Wand links von der jetzigen Bühne). Dort habe ich auch das erste Mal in der Groove live gespielt. An die 6 Inch Heels wird sich – zu recht – wahrscheinlich keiner mehr erinnern, an die Hammerkonzerte der Monsters mit zwei Schlagzeugern (sensationell: Di Putto und Swain Lee) dagegen garantiert. Shows, die einem gezeigt haben, wie extrem strapazierfähig die menschlichen Sinnesorgane sind! Merci, dass es das gab!

Ein Laden, eine Lache

Hinter der Bar rockten damals weltbekannte Tresenkräfte, vor der Bar hingen Dudes ab, für die das Wort Nerd erfunden wurde. Manche davon schlagen sich noch heute die Nächte in der Neustadt um die Ohren. Andere sind verzogen, ausgewandert oder spielen – wie der Autor – alltäglich nicht mehr Mäxeln sondern Vater, Mutter, Kind, Beruf. Nicht alle sind mehr unter uns. Umarmungen der Trauer: Auch sie gehören leider zur Geschichte der Groove. Gehören dazu wie Konzertbesucher, die „nur Billiard spielen wollen“, wie das harte Klackern der Bälle am Kicker, wie einst Johnnys legendäre Lache* im Hintergrund und wie die Gesichter der guten Seelen des Ladens, denen man zutraut, dass sie mittlerweile jeder Schraube und jedem Fitzel Gaffaband einen Spitznamen gegeben haben. Wer die Groove kennt, der weiß, wen ich meine! *hahahahahahahahahahahahaha

Ein Mann, ein Laden.

Die Groove Station ist Klaus! Klaus ist die Groove Station. So sehr Uli und Erich den Laden durch ihre „musikalische Leitung“ (hört sich das jetzt mal geil an, oder was?) geprägt haben, so sehr sind sich alle einig, dass niemand den Laden ohne den bodenständigsten und nettesten Kiezkneiper östlich von Liverpool weiterführen könnte. Ich habe ihm jedenfalls einiges zu verdanken. Er hat mir längst nicht nur die Möglichkeit gegeben, Konzerte zu veranstalten, die ich woanders nicht hätte machen wollen oder können. Merci, dass es das gibt!

Miss Claudia & Pornorama zum Beispiel. Ich glaube, die wurden mir damals als absolut unbekannte Band spontan drei Wochen vor der Show angeboten und zwar für einen Montagabend. Im Grunde die schlechtesten Bedingungen, die man haben kann. Aber eines der wunderbarsten Konzerte meines Lebens. Wie da plötzlich fast 100 Gäste kamen. Und wie Miss Claudia von Fürstenberg da nach jedem dritten Lied in einem neuen Kleid die Treppe hinter der Bühne auf- und abschwebte…Was heißt „hach“ nochmal auf französisch?

Oder Tokyo Sex Destruction. Bis heute weiß ich nicht, wer damals die Mundpropaganda für die Band in Gang gesetzt hat. Aber nie zuvor oder danach war eine Show so schnell ausverkauft. Und wie geil war der Abend, oder? Ampersand, Ricochets, die Zusammenarbeit mit dem AZ Conni bei Turbostaat und Bitume – unvergessliche Abende!

Ménage à trois – Freddy, Groove et moi

Ende 2003, Anfang 2004 habe ich meinen myspace-Account eröffnet und mich nächtelang auf der Suche nach neuer Musik im Netz rumgetrieben. Die damals noch simple – und deswegen funktionierende – Musiksuche bei myspace erlaubte Sachen wie: „Zeige mir alle Bands in Kolumbien, die von Supergrass beeinflusst wurden“. Oder zeige mir alle deutschen Soulbands. Dabei spuckte myspace übrigens an einem dieser Abende genau 14 Bands aus! Eine davon waren Freddy Fischer & his Cosmic Rocktime Band. Der Beginn einer noch immer andauernden ménage à trois zwischen dem Berliner Diskokönig, der Groove Station und mir. Beim ersten Konzert waren etwa 40 zahlende Gäste anwesend. Aber als die Nacht zu Ende ging, habe ich der Band in die Hand versprochen, dass sie in der Groove noch einmal vor ausverkauftem Haus spielen. Ziel erreicht. Freunde wäre wir auch ohne das!

Heute bin ich nur noch seltener Gast. Man wird nicht jünger. Aber dafür langweiliger. Manchmal darf mich noch als Jurymitglied auf Kosten des Hauses öffentlich im Rampenlicht betrinken. Ich geh dafür eben nicht zum Karneval! Manchmal schleift mich meine Freundin in eine schöne Lesung oder ich will einfach nur dem Social Media Fotografen meine Zuneigung ausdrücken, in dem ich freiwillig Bayern gucke. An anderen Tagen packt es mich und ich brauche ein paar Klatschen am Kicker (bei 0:6 kriech ich aber schon lange nicht mehr unterm Tisch durch). Und alle fünf Jahre wird ein Jubiläum gefeiert und ich schreib irgendwelchen Stuss in irgendein Blog in der Hoffnung auf ein Freibier. So einfach ist das. Und längst nicht alles. Aber zum Glück scheint es weder von meinen Auftritten mit den Roboters noch mit den Egyptian Gay Lovers Videomitschnitte zu geben.

Wir auch immer:
Alles, alles Gute zum Geburtstag!

twitter share buttonFacebook Share