Der Anfang eines wunderbaren Missverständnisses?

· 02.04.2011 · 7 Kommentare
3. April 2011, 15:00 Uhr to 4. April 2011, 01:00 Uhr
Altes Wettbüro, Dresden

Am Sonntag, den 3.4.2011 gibt es ab 15:00 Uhr im Wettbüro das illustre Aufeinandertreffen (von Teilen) der elektronischen Szene der Stadt zum Zwecke der Unterstützung der Tanzproduktion ROHRPOST. Im Rahmen der 20. Tanzwoche nämlich soll das Stück im Projekttheater zur Uraufführung kommen.
„Das Geld wird benutzt um das Tanzstück ROHRPOST für die Tanzwoche Dresden zu realisieren. Die Produktionskosten beinhalten Künstlerhonorare, Requisiten, Kostüme sowie die Marketingkosten. Die Honorare für die Aufführung werden seitens der Tanzwoche Dresden übernommen.“ (startnext)

So weit – so gut – so Benefiz. Und während ich die Veranstaltungsankündigung schreibe, frage ich mich angesichts einiger DJs und Liveacts, die ihre Unterstützung für das Projekt nicht monetär, sondern mit Leistung abgelten und selber jeden Cent umdrehen müssen:
Wer bezahlt denen eigentlich den nächsten Gig in einer schummrigen Bar?

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Ja, das ist genau die richtige Frage!
Ich finde, man muss dieses Crowdfunding-Zeugs eben größer denken. Das Rohrpost-projekt ist nur der Prototyp, das „Pionier-Projekt“. Ich finde, man kann das Crowdfunding-Konzept als Idee nur verstehen, wenn man es im Kontext von „Nachbarschaft“ sowie „Nachbarschaftshilfe“ sieht. Und die sogenannte „Nachbarschaft“ ist eben die kleine Dresdner Szene. Im besten Falle wird sie sich gegenseitig beflügeln und supporten. Das Verständnis dazu sehe ich allerdings erst noch in den Kinderschuhen. Das ist genau wie mit dem „Donaten“ (Spenden) im Internet, wobei Crowdfunding mehr eine Art sehr coolen Shoppens ist, da man ja auch immer Gegenleistungen bekommt.

Mir erschließt es sich allerdings nicht so richtig, warum der Kulturkonsument zweimal zur Kasse gebeten werden soll. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der eine oder andere oft noch nicht mal bereit ist, einmal Eintritt zu zahlen.

Hm, ja, interessanter Punkt! Das ist bei Rohrpost so nicht gegeben, sollte man mal beachten. Eintritt sollte da schon drin sein, denk ich auch.

Ich möchte dieses Jahr auch Erfahrungen mit Crowdfunding sammeln, wobei ich auch denke, dass für den ‚geringsten‘ Support das Ergebnis, in meinem Fall wird das dann eine Schallplatte sein, schon mit dabei sein müsste. Bei Bühnenstücken ist das etwas schwieriger und in Abstimmung mit der ersten Location zu organisieren, aber im Grunde geht es bei Rohrpost auch erst einmal vor allem um die Produktion.

Naja, ich finde es grundsätzlich einen guten Weg, auch wenn das Verständnis dafür in Deutschland erst einmal wachsen muss. Schauen mer mal. = ) Ich bin da relativ optimistisch, wenn ich mir so z.B. das Funding von „Invisible Allies“ anschaue. : D Mitmachen und Teilhaben macht aber einfach mehr Spaß als irgendwelche Monster zu unterstützen. Vor allem wenns auch noch tolle Gegenleistungen gibt.

Mein Verständnis für das Projekt wird immer kleiner.

Aus meiner Konsumentensicht stellt sich das so dar:
„… das wollen wir diesmal unabhängig von irgendwelchen städtischen oder Land-Kulturförderungen versuchen…“ (http://tinyurl.com/3zdnlum) – impliziert für mich, dass eine solche Förderung rein theoretisch möglich wäre. Warum soll das nicht genutzt werden?

Ist Crowdfunding nicht für Projekte gedacht, die ohne Förderer gar nicht stattfinden können? Sehe ich hier nicht gegeben. Dass dieses Stück zur Tanzwoche aufgeführt wird, scheint ja festzustehen.

Außerdem stört es mich auch, dass Benfiz gerufen wird und dann alle Informationen versiegen. (Oder finde ich sie nur nicht?) Wieviel Geld wurde denn in Wettbüro und Bon Voyage eingenommen? Und was genau passiert jetzt damit? Wird es in die bei startnext.de angegebene Zielsumme eingerechnet? (Sieht nicht so aus.) Und ist es nicht auch so, dass die Förderungsbeträge auf startnext.de wieder freigegeben werden, wenn die Gesamtsumme nicht zusammenkommt?

Ich kann mir schon vorstellen, dass Crowdfunding – vielleicht – funktionieren kann. Aber nicht so.

> Konsumentensicht

hmm, achja… Crowdfunding wird man aus reiner Konsumentensicht nicht allzu gut verstehen können. Da sind dann Infos zum Prozess und zur Entstehung wohl eher Ballast, auch die Unsicherheit der Realisierung. Das ist eher was für Leute mit DIY im Blut, wobei das auch kein Garant für Verständnis ist. Ich glaube, die sogenannte Konsumentensicht ist zur Zeit schon extrem und massenweise verinnerlicht. Das ist im Grunde die Reflektion der Beschränkung des Vertrauens in die Umsetzung der eigenen Ideen. Dagegen zu opponieren ist an sich schon Grund genug, sich mit Crowdfunding zu beschäftigen .

Am ehesten hat wohl die Gruppe der Fans noch das (Support- & ) Funding-potential, in Kombination mit Gegenleistungen. Aber gerade das Thema Menge der Fans für ‚Nischen-Kunst‘ ist vielleicht ein schwieriges. … Usw. usf. … noch ein langes Thema. Nicht umsonst gibts dazu auch eine Konferenz als SpinOff zur diesjährigen Re:publica.

Zu mehr empfehle ich die Interviews von Rohrpost in den Sendungen Buschfunk und „Megahits und Bytes“.

Bei städtischer Förderung entscheidet letztendlich eine Person über das Zugeben von Unterstützung, bei Crowdfunding entscheiden die Leute. Das ist eher Demokratisierung.

Zum Thema Rohrpost allgemein… wie geschrieben, das ist ein Pionier-Projekt, ein Ausprobieren, mit einem für meine Ansicht viel zu hohen GeldZiel, in einem eher schwierigen Kulturbereich. Aber das ist das Experiment. Diskussion dazu finde ich interessant, aber auf diesem Prototypen jetzt drauf rumzuhacken finde ich eher lahm. Wie geschrieben, das Verständnis dazu scheint in Deutschland noch nicht so gegeben zu sein. Mikrobeträge, gutes Gefühl, Gegenleistungen, mitzuhelfen, statt ’nur‘ anonym zu konsumieren, über das Blog am Entstehungsprozess beteiligt zu sein scheinen an sich nicht viel zu bedeuten. Wahrscheinlich ist das für einige ein Schock : D Bon Voyage und Wettbüro sind eher Notlösungen, die ich aber als Ansatz aber gut finde. Transparenz ist dabei natürlich ein wichtiger Faktor, aber vielleicht vor allem gegenüber den Supportern, die ihr Vertrauen aussprechen und nicht unbedingt gegenüber einer anonymen Masse.

Wie gesagt, ich probier das diesjahr auch noch aus, ich bin da für mein Projekt sehr optimistisch. Die Diskussionspunkte hier werde ich da unbedingt mit einfliessen lassen.

Also, ich bin ja ein großer Fan von der Idee des Crowdfunding. Die Idee, gemeinsam mit seinen Fans eine Platte oder eine ganz besondere Show zu realisieren ist ja nicht neu! Neu sind bei Portalen wir Startnext zwei ganz wichtige Aspekte!

1. Es ist gewährleistet, dass ich nur zahle, wenn das Projekt auch durchgezogen wird. Das ist enorm wichtig. Das weiß jeder, der schon mal etwas mitfinanziert hat, wo dann das Geld versoffen, verplempert oder anderweitig ausgegeben wurde

2. das eben auch Nichtfans aufmerksam werden können auf Projekte.

Insbesondere für Bands ist die Vorfinanzierung von Alben ein extrem guter Punkt. Und da man das Album als Mindestdreingabe (inkl. Namensnennung) in jedem Fall garantieren kann, haben auhc beide Seiten was davon.

ich glaubem bei rohrpost ist das „problem“ eben, dass so viele töpfe auf einmal angezapft werden und man als potentieller sponsor gar nicht mehr durchblickt.. da ist einfach in der kommunikation was schief gelaufen. aber ich denke, das betrifft nur uns ewige hinterfrager. die mehrheit wird (hoffentlich) einfach nur auf das projekt UND auf startnext aufmerksam geworden sein.

ich hätte es aber eindeutig besser gefunden, eine „projektstart-party“ zu geben statt eine „benefiz-veranstaltung“. das war unglücklich. als künstler sollte man damit sehr vorsichtig sein, mit diesem begriff in verbindung gebracht zu werden. könnte nämlich sein, es ereilen dann nur noch entsprechende anfragen!

Am Freitag, den 15.4. findet in Berlin „co:funding! – Kreativität gemeinsam finanzieren“ statt. Die Veranstaltung wird wohl von 10:00 – 17:00 gestreamt.

Programmpunkte gibt es hier: http://www.cofunding.de/Programm/Ablauf.html
Den Stream hier: http://www.cofunding.de/Live.html