Avantgardisten aus dem Norden

· 02.04.2011 · 2 Kommentare
8. April 2011
22:00 Uhr
Beatpol, Dresden

Ulver - Wars of the Roses Tour 2011Wüsste ich nichts über Ulver und würde die Musik der Norweger (2011) zum ersten Mal querhören – würde ich dann zu einem ihrer Konzerte gehen (wollen)? Ich kann es nicht sagen.

„Ulver sind wohl die einzige Band der Welt, die man als Portishead-Fan genau so verehren kann wie als Slayer-Kutte“ heißt es in einem Pressetext zur aktuellen Tour. Und trotz der stilistischen Vielfalt, die Ulver in ihrer Musik vereinen, gibt es abseits von Metal-Magazinen in der Musikpresse nur sehr wenig über sie zu lesen.

Ulver sind anstrengend. Ulver polarisieren. Auch mich.

Meine erste Begegnung mit der Musik von Ulver liegt etwa 12 Jahre zurück. Und tatsächlich kann man nichts über diese Band erzählen, ohne auf deren besondere musikalische Entwicklung einzugehen:
Auf ihren ersten Alben pendelten Ulver (1995 – 1997) noch zwischen traditionellem norwegischen Black Metal und akustischem Folk; Polarisierten damit schon damals die Fangemeinde.
Mit ihrer Vertonung von William Blakes The Marriage of Heaven and Hell fanden Ulver (1998) zum ersten Mal auch mein Gehör. Äußerst progressiv für die damalige Zeit (vor allem für den Black-Metal-Bereich) verfrickelten sie Industrial, elektronische Elemente und Ambient zu einem abgefahrenen Konzeptalbum.
Nach der folgenden EP mit dem bezeichnenden Namen Metamorphosis veröffentlichten Ulver (2000) ihr damals wie heute großartiges Album Perdition City (Music To An Interior Film), ein Trip-Hop-Album, das durch seine Atmosphäre besticht:

Nach diesem Album verlor ich das Interesse an Ulver (und irgendwann auch am Metal). So entgingen mir nicht nur diverse Veröffentlichungen von EPs, Alben und Soundtracks, sondern auch Ulvers Auftritt auf einem norwegischen Literaturfestival (2009) – der erste Liveauftritt nach 15 Jahren Bandbestehen.
2010 folgte eine erste Europatour; Einen recht kritisches Review über den Auftritt in Berlin gibt es hier. Die Stimmen der Fans in diversen Foren lesen sich weitaus euphorischer.

Nun sind Ulver wieder auf Tour und werden auch den Beatpol beehren. Das neue Album Wars Of The Roses erscheint Ende April und auch in Dresden werden fast ausschließlich die neuen Stücke live zu hören sein. Ich finde das gewagt, da die Musik von Ulver keine ist, die sich schon beim ersten Hören völlig erschließt.

Reviews und Forenbeiträge zu den bereits gespielten Konzerten (2011) lesen sich – natürlich – unentschieden, schwanken zwischen Begeisterung und Enttäuschung. Und wie immer hängen diese Bewertungen von den persönlichen Erinnerungen und Verbindungen zu Musik und Band sowie den daraus resultierenden Erwartungen ab, die ein jeder zu einem solchen Konzert trägt. Gerade bei einer Band wie Ulver.

Auch wenn ich noch immer sehr unentschlossen bin, was meine persönliche Einordnung von Ulver (2011) angeht, eins weiß ich: Ich werde am 8.4. in den Beatpol gehen und mir ein eigenes Bild von der Live-Qualität dieser Band machen. Ich erwarte lieber nichts. Höchstens ein winziges Kribbeln im Magen, wenn mir bewusst wird, dass da oben auf der Bühne tatsächlich ULVER stehen.

twitter share buttonFacebook Share

Hallo Kristin,

ich fand diese Seite über den Beatpol.
Mir gefällt Eure Seite mit allen Informationen die auch sehr durch eigene Erfahrung geprägt ist.
Das verleitet sofort zu fragen, wie ist die Meinung nach dem Konzertbesuch?
Für mich war Ulver neu und könnte mir die Band in der Osloer Oper gut vorstellen.
Oder einfach nur diese Musik vom Tonträger geniesen.
Frank

Hallo Frank,
danke!

Mir hat das Konzert sehr gut gefallen. Das Kribbeln im Magen gab es definitiv und ich fand auch, dass die neuen Songs ganz gut funktioniert haben. Trotzdem – das eine oder andere alte Stück mehr im Set, hätte ich schön gefunden. Warst du auch da?

Verwundert bin ich ein bisschen über das Publikum. Ich habe mit mehr Leuten gerechnet, muss aber auch zugeben: Es hatte was, so nah und ohne Platznot vor ULVER zu stehen. Überrascht hat es mich, dass doch überwiegend metal-affine Besucher da waren. Schade, denn ich bin mir sicher dass Ulvers Musik auch Zuschauer/-hörer aus anderen Musikbereichen ansprechen würde.

Wäre sicher sehr interessant, Ulver mal ohne deren Metal-Vergangenheit und evt. unter anderem Namen anzukündigen…