Angela Aux? Whatever you guess it’s not…

· 29.04.2011 · Keine Kommentare

Ich mag ja solche Sachen, die sich nirgendwo so richtig einsortieren lassen, dadurch überraschen und Erwartungen zerstreuen.
Zur Sonntags-Matinée im Wohnzimmer erwartete ich mit Angela Aux „nur“ einen weiteren Gitarrenklimperer und war umso überraschter, als Hip-Hop-Töne die Nachmittagsgesellschaft zum Mitwippen bewegten. Auf seinen CDs allerdings, warnte Flo, wäre dann doch eher „Weird-Singer-/Songwriter-Musik“ zu hören – whatever you guess it’s not. Unter diesem Titel veröffentlicht Angela Aux heute sein neues Album und besser lässt sich seine Musik eigentlich auch nicht zusammenfassen.

Whatever you guess it’s not – der junge Herr aus München loopt, pfeift und singt sich darauf durch Geräusche, Beats und Melodien, die ein Sortiment an Stimmungen und Assoziationen hervorrufen, dass ich mich nach 45 Minuten frage, wie genau ich noch mal vom einen auf das andere kam. Und schon aus diesem Grund kann und will ich diese Platte gar nicht mehr weglegen.
Noch bevor man einen Song ganz greifen und sich auf dessen Stimmung einlassen kann, geht es ein, zwei Stücke später schon wieder in eine ganz andere Richtung, immer wieder auch mit einem Augenzwinkern in und zwischen den Zeilen.
Vorsicht! Mit dieser Platte auf den Ohren kann es durchaus passieren, dass man seine Mitmenschen gelegentlich durch eifriges Kopfnicken, Grinsen oder, noch schlimmer, schiefe Pfeiftöne erheitert oder gar verstört.

Das alles nun musikalisch einzuordnen, fällt nicht leicht, da halte ich mich lieber gleich an die Presseinfo des Labels: „Vielleicht Weird-Kraut-Folk mit Field-Recording-Attitude, oder Neo-Indietronic-SingerSongwriting oder… wie war nochmal der Albumtitel?“

Hier und da holt sich Angela Aux noch ein paar Freunde her – Joasihno, The Marble Man. Und will man unbedingt vergleichen, fallen mir Konrad Küchenmeister und immer wieder Beck ein.
Vielleicht würde dem Album stellenweise ein bisschen weniger „von allem ein bisschen“ und ein bisschen mehr „auf den Punkt“ gut tun, vielleicht ist es aber auch gerade das, was Angela Aux interessant macht…

Für mich ist Whatever you guess it’s not eine Platte, mit der ich im Park liegen und in den Himmel starren möchte, um in den Wolken nach lustigen Gesichtern zu suchen. „Also ich finde die Sache prima, ganz große Klasse. Ehrenwort!“

Anspieltipps:
„the sun is always above me on the run“, natürlich! Sommerhit!
Angela Aux – The sun is always above me on the run by heiner hendrix

„smells like screen spirit“, das sich genau dann so schön dahingroovt, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet:
Angela Aux – Smells like screen spirit by heiner hendrix

Und ganz besonders „make music to have ideas to make music to“, das die Vielseitigkeit von Angela Aux wohl am besten präsentiert:
angela aux – make music to have ideas to make music to by heiner hendrix

Whatever you guess it’s not kann man ab sofort im Shop von Red Can Records bestellen. Angela Aux hat mir zum neuen Album und überhaupt ein paar Fragen beantwortet. Leider ist es aber auch mir nicht gelungen, seine wahre Identität abschließend zu klären…

Heiner Seits, Florian Kreier, Heiner Hendrix … wer ist eigentlich Angela Aux?
Angela Aux ist die Bezeichnung für alles was ich solo so vor mich hinproduzier, die anderen Namen hab ich noch nie gehört, muss eine Verwechslung sein.

»Frägt man ANGELA AUX nach einem möglichen Leitmotiv auf „Whatever you guess it’s not“, so handelt es „vom verloren Sein in Wäldern aus Zeichen, von kompostmodernen Verirrungen und Wirrungen, von überreizenden Angeboten und ständigem Nachfragen“.« (Presseinfo)
Aha. Magst du das noch etwas genauer ausführen?

Auf dem Album gehts um die Kompostmoderne, also alles was wir momentan nicht mehr begreifen, aber irgendwie doch fassen wollen, in Begriffen, Regeln, Genres, aber dann doch immer wieder merken wie sinnlos das ist. Es geht auch um den Versuch Kunst und Wissenschaft zu verbinden, oder Kunst und Politisches, oder Ernst und Spiel, alles was widersprüchlich ist. Es geht um das ständige Suchen nach sich selbst, nach einem Sinn, nach einem Ziel, nach neuen Begrifflichkeiten, aber auch nach dem Wunsch alles zu verlieren, abzutauchen in Traum, Rausch und Natur.

Live geht bzw. ging es zuletzt im Dresdener Wohnzimmer musikalisch ja deutlich mehr in Richtung Hip-Hop, wovon auf deinen Alben nur sehr wenig zu hören ist. Wie kommt das?
Hm, schwer zu sagen. Ich verweiger ein wenig das produktbezogene und marktgerechte Denken im Musikmachen. Ich seh mich irgendwie nicht als Vertreter oder Produzent von Produkten, darum entstehen laufend viele verschiedene Songs und Songideen und je nach Verfassung variiert dann das Live-Programm. Dazu fühl ich mich eben nicht in einer bestimmten Musikrichtung zuhause, eher in einer bestimmten Herangehensweise: ideenzentriert, irgendwie experimentell, spielerisch. Hätte auch gut passieren können, dass ich nur mit Aktustikgitarre Folksongs träller. Das Album wird derzeit grad ein wenig in Live-Format gebracht – auch sehr interessant.

Wie geht’s bei Angela Aux weiter? Ist mit „Whatever you guess it’s not“ noch einmal eine (größere) Tour geplant? Wirst du auf Festivals spielen?
Ich bin leider grad mit Studiumsabschluss sehr eingebunden, dazu kommen diverse weitere Projekte, beispielsweise mit dem Magazin DER GREIF oder meiner Band L’egojazz. Da ich momentan noch ziemlich DIY-mäßig unterwegs bin, hat irgendwie auch die Zeit gefehlt mir selbst eine Tour aufzustellen. Aber ich spiel schon einige Konzerte, können auch gern noch einige dazukommen!

Diverse weitere Projekte… Erzähl mal.
Ja irgendwie darfs ja nicht langweilig werden. Bands: L’egojazz, Futurehausen. Außerdem das Magazin für Fotografie und Literatur DER GREIF, ein multimediales Live-Literatur-Projekt „Kompostmoderne Neuordnung des Universums“ mit Luc Spada, zudem auch so eine multimediale Lesebühne „Die Rationalversammlung“. Und wenn Zeit bleibt veranstalten wir gern Kulturhappenings wie „Panama Plus“ oder „Creative Consume“.

Und im echten Leben? Du studierst noch, arbeitest? Was genau?
Mach grad mein Studium fertig: Politologie, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur. Arbeiten auch :-)

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