We like to jump but we don´t like JUMP – Die Biss.FM Geschichte in Links (1)

· 12.01.2011 · Keine Kommentare

Anfang 2009 starteten einige Musiker, Labelmacher, Politikinteressierte und Radiofans eine Initiative „für ein besseres Radio in Sachsen“. Der Name der Initiative: Biss.FM. Einer von ihnen war ich und ich wurde mittlerweile mehrfach gebeten, noch einmal einen Rückblick zu geben. Was war Biss.FM, was ist da gelaufen und warum ist die Initiative „gestorben“?

Ganz ehrlich? Ich habe eigentlich weder Zeit noch richtig Lust dazu, das ganze Thema noch einmal aufzurollen, sondern brauche eher mal ne ausführliche Pause davon. Zu frustrierend waren letztlich die Ereignisse. Am Ende ist es nicht besser sondern sogar noch schlechter geworden.

Die Ausgangssituation

Für „junge Hörer“ gab (und gibt) es in Sachsen genau zwei Programme. Das private NRJ und den öffentlich-rechtlichen Sender MDR JUMP. Beide haben sich weder im redaktionellen Anspruch noch in der Häufigkeit der Werbung unterschieden. Nur war NRJ eher auf Black Music ausgerichtet und JUMP auf Mainstreamrock. Beide Sender hatten eine extreme Rotation (Wiederholung gleicher Titel). Beide haben weder lokale Produktionen noch Newcomer im Allgemeinen gesendet. Beide hatten im Grunde keine redaktionelle Berichterstattung. Themen waren Klatsch und Tratsch und Staumeldungen. Und so ist es auch heute noch.

Gleichzeitig gab und gibt es beim MDR den insbesondere in konservativen Kreisen sehr unbeliebten DT64 Nachfolger MDR SPUTNIK, der seit seiner Gründung verschiedene Phasen durchlief, aber immer Nischenradio und Experimentierstube war und im gesamten MDR-Gebiet nicht auf UKW gesendet wurde, da das jeweils festgelegte Kontingent öffentlich-rechtlicher Sender bereits ausgeschöpft war (und ist). 1997 erteilte Sachsen-Anhalt dann SPUTNIK plötzlich eine UKW-Lizenz. Eine Klage Sachsens, dies widerspräche dem MDR-Staatsvertrag, wurde vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen.

Nachzulesen ist das auf Wikipedia!

In Sachsen wurden Ende 2008 in einigen Metropolregionen durch die Aufgabe vom Konglomerat BBC/Radio France Frequenzen frei. Hoffnungen wurden formuliert. MOTOR.FM bekundete ebenso Interesse wie SPUTNIK-Fans. SPUTNIK selbst war mittlerweile unter der Führung des Programmchefs Eric Markuse zu einem der besten Jugendradios Deutschlands herangewachsen.

Aber: SPUTNIK ging nicht, weil es sich bei der freigewordenen Frequenz um eine für private Sender handelte. Und eine Ausschreibung (auf die sich der private Sender MOTOR.FM hätte bewerben können) gab es es nicht, da Sachsen bereits gesetzlich die Einführung von Digitalradio beschlossen hatte. Ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Vergabe einer Frequenz für 5 Jahre erfolgt. Niemand kann für 5 Jahre eine UKW-Frequenz vergeben, wenn es in drei Jahren kein UKW mehr gibt/geben soll..

An die Einführung von Digitalradio in Sachsen in den nächsten Jahren glaubt zwar keine Sau mehr und der Termin wurde auch schon einmal verlängert, aber es steht eben im Gesetz.

Die Initiative und die Petition

Das alles wollten wir nicht einfach hinnehmen und gemeinsam eine Petition im Sächsischen Landtag einreichen. In dieser haben wir außerdem ein Förderprogramm zur Gründung von Internetradios gefordert, damit sich auf diese Weise mehr Interessierte aktiv als Radiomacher betätigen können, um so der Radiolandschaft in Sachsen wenigstens im Netz neue Konturen zu verleihen. Über 3.500 Unterzeichnern haben wir dafür gesammelt. Leider ohne auch nur ansatzweise das Gefühl zu haben, das hätte dort jemanden ernsthaft interessiert (siehe unten).

Trotzdem gab es es immer noch Hoffnung und Motivation, irgendwie dafür zu sorgen, dass SPUTNIK auch in Sachsen über UKW ausgestrahlt werden könne, um wenigstens einen Sender zu haben, der regionalen Musikern ebenso eine Plattform bietet wie Themen aus Politik und Gesellschaft, die über Szenenews hinausgehen.

Bis dann die MDR-Führung plötzlich meinte, man müsse noch mehr junge Menschen auf den UKW-Frequenzen in Sachsen-Anhalt erreichen und müsse dies tun, indem man auf mehr Hits, mehr Rotation und weniger Inhalte setzt. SPUTNIK begann also der MDR eigenen Cashcow JUMP Konkurrenz zu machen und wir waren vor den Kopf geschlagen. Als dann auch Programmchef Markuse dieses Konzept nicht mehr mittragen wollte, sahen wir einfach keinen Grund mehr, uns für dieses SPUTNIK einzusetzen.

Hier finden sich einige Links zu Artikeln von mir aus der Zeit. Den Wortlaut der eigentlichen Petition muss ich noch nachtragen, da diese nicht mehr online ist.

Am 17.02.2009 geht das Blog zur Petition online

Am 23.02.2009 wurden wir gefragt, wie viele Unterschrift wir erreichen wollen

Ein Artikel über die Media Analyse 2009, nach der SPUTNIK und JUMP nahezu gleichauf waren.

Am 22.03.2009 steht fest, das MOTOR.FM nicht in Sachsen senden wird.

06.04.2009: Digitalradio soll Vielfalt nach Sachsen bringen. Aber jetzt wird Vielfalt verhindert?!?

18.07.2009: erscheint ein Beitrag über „Politik, Gesetze und Radio“

Am 24.03.2010 ist die ernüchternde Antwort vom Petitionsausschuss da

Am 19.08.2010 wird deutlich, dass SPUTNIK sein Programm klammheimlich verändert hat

Wir reagieren darauf mit einem offenen Brief am 27.08.2010

Auch dieser bleibt ohne Wirkung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.





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