Wieso heißt bei Apple Zensur, was bei Nintendo und Sony Produktpolitik heißt?

· 29.05.2010 · 7 Kommentare

Das iPad ist da! Eine riesige Welle der Euphorie geht übers Land, begleitet von überraschend vielen warnend erhobenen Zeigefingern und der inflationären Benutzung des Z-Worts (Ausdruck vom Autor selbst entfernt). Als Vertreter der absoluten Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit müsste ich eigentlich auch zur letzten Gruppe gehören. Das will mir aber nicht so richtig gelingen! Vielmehr frage ich all jene Kritiker:

Was haltet Ihr denn von der Produktpolitik von zum Beispiel Nintendo und Sony?

Ich frage das, denn es wäre mir neu, daß für deren Konsolen (Wii, DS, Playstation usw.) einfach jeder jeden Inhalt verkaufen darf. Sexgames für die Wii? Wohl kaum jemand wird das erwarten und noch nie habe ich dazu auch nur einen einzigen Beschwerde-Tweet gelesen. Und ist nicht das iPad am Ende auch nichts anderes als eine Art „Konsole mit Internetzugang“?

Ich kann es noch nicht prüfen, denn leider hadere ich trotz meiner angekündigten Sofortkaufbereitschaft noch etwas mit der Budgetfrage, aber ich denke auf dem iPad wird man ebenso wie mit dem iPhone auf jede in Deutschland verfügbare Website gelangen!?!? Egal ob pornografisch, rassistisch oder anderweitig (jugend)gefährdend: Ich komme ungehindert auf jeden im Netz verfügbaren Inhalt. Kann ich einem Gerätehersteller Zensur unterstellen, wenn ich mit diesem Gerät jede frei zugängige Pornoseite aufrufen kann? Von mir ein klares Nein!

Aber, hör ich Euch jetzt sagen, die Applikationen, die werden doch zensiert und ich antworte ganz pragmatisch: Na und? Wieso bitteschön sollte man ein Anrecht darauf haben, eine Applikation, die den offiziellen Titel „iPad App“ trägt, inhaltlich so zu bestücken, wie man selbst das für richtig hält? Es erwartet ja auch niemand, daß Nintendo jedes billige Sexgame für die Wii zulässt als offizielles Wii-Game.

Immer wieder werden die zensierten BILD und STERN Applikationen ins Spiel gebracht (gab es überhaupt noch einen anderen relevanten Fall in Deutschland?) und beide Male ging es „nur“ um freie Oberkörperkultur. Ich muss mich wundern: Ich kann doch mit meinem iPhone auf Bild.de so viele nackte Busen bewundern, wie ich möchte (wenn ich denn möchtete).

Von Zensur kann meiner Meinung nach also absolut nicht die Rede sein, sondern nur davon, daß die Leute bei Apple ihre Applikationen sauber halten wollen und das eben nach ihrem eigenen Maßstab. Bei Nintendo oder Sony würde niemals jemand von Zensur sprechen! Man würde höchstens andere Produkte kaufen, wenn die Inhalte einem nicht mehr gefallen würden! Nun, Leute, es gibt auch andere Tablets……..

Es ist mir bewusst, daß der Vergleich des iPads mit reinen Spielekonsolen nicht 100%ig passt, aber andererseits: Ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß Tablets durchaus das Zeug haben, auch Spielekonsolen richtig unter Druck zu setzen bzw. die Bedeutung der klasssichen Konsole hinfällig zu machen? Und sind „Apps“ nicht am Ende nicht auch immer nur „Games“ irgendwie?

Ich freue mich wie imemr auf den Austausch mit Euch. Beleidigungen und andere unflätige und pornografische Kommentare werden z*******

Nachträgliche Anmerkung:
Bezüglich Daniels Kommentar auf Facebook, der Ansatz sei gut aber unvollständig und halbwissend, möchte ich das auch hier mal kurz klarstellen

Dieser Text ist BEWUSST „halbwissend“! Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Diskussion sondern darum, ein wenig zum Thema zu plaudern! Diesen Text hab ich in 30 Minuten geschrieben und er folgte einer spontanen Eingebung. Ich war vor allem neugierig, ob konstruktive Gedanken kommen.. Jeder Leser kann durch seinen Kommentar die Sache vollständiger, runder und wissender machen! Das ist mehr als willkommen! Die Maxime (m)eines Blogs lautet, eine Einladung zum Gespräch zu sein, nicht zu belehren!

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Ich frage mich auch was dieses reflexartige Apple-Bashing soll.
Als das iPhone erschien gab es keine Möglichkeit Programme zu installieren. Aufgrund dieser Kritik wollte Apple dahingehend etwas tun. Der Druck der Carrier hat aber verlangt dass die Netze keinen Schaden nehmen. So entstand der kontrollierte AppStore.
Der wurde zum Erfolg, Apple wäre dumm das Konzept nicht weiter zu führen.
Wo liegt nun die „Zensur“? Die USA sind nun mal ein puritanisches Land mit einer schnell aufschreienden, evangelikalen Bevölkerungsgruppe und einer sehr bigotten Moralvorstellung. Soll Steve Jobs nun auch noch den Kampf von Larry Flynt weiter führen?
So lange es kein Whitelisting in Safari auf dem iPad gibt, so lange zensiert Apple nichts. Youporn ist mittlerweile auf h.264 umgestellt, Apple ist es egal. Allein weil sie nur auf ihr Image sehen, denn es ist „da draussen“ und nicht im AppStore. Nur darum ging es.

Die ganzen Hyperventilierer sollten aus meiner Sicht also mal wieder runter kommen.
Ein iPad kaufe ich mir deswegen trotzdem nicht.

Schöner Kommentar, Danke Dir! Darüber , ob Du Dir das iPad nicht kaufst, weil Du allgemein kein Tablet-Befürworter bist oder weil Du andere Marken bevorzugst reden wir später mal, hier soll es wirklich nur um die Zensurvorwürfe gehen :-)

beating a dead horse.. but anyway:

sony und nintendo sind firmen, die konsumware herstellen, spieleplattformen.

apple bietet auf seiner pc-plattform kreationsware an.

wenn mir jemand vorschreibt, was ich konsumieren darf, ist das schon schlimm genug, wenn mir jemand vorschreibt, wie (und damit was) ich kreieren darf, hoert der spass auf.

noch bezieht sich apple’s lock-in auf ihre konsumtionsprodukte (ipad/apple tv/itunes) aber mit dem ipad als „netbookkiller“ ueberschreiten sie genau die grenze zum kreativgeraet, wo die „zensur“ zum problem wird.

Hej Falschgold, das ist natürlich alles absolut richtig, was du sagst, ABER: Auch du beschreibst „lediglich“ Vorbehalte gegen die Produktpolitik! Mit „Zensur“ hat das nichts zu tun und genau dahin zielt meine Frage bzw. genau diese kann ich eben nicht erkennen! Zensur sieht anders aus!

sicher, aber dann isses wiederum ganz einfach:

staaten zensieren (freie meinungsaeusserung..)

firmen zensieren nicht, sie „definieren ihr portfolio“.

aufregung entsteht immer nur dann, wenn produkte von firmen zur „freien meinungsaeusserung“ verwendet werden. wenn diese meinungen nicht in’s portfolio passen und rausgestrichen werden, fuehlt sich das nunmal an, wie „zensur“, daher das wort.

problematisch wird das an sich nur, wenn eine firma einen grossen bereich der „freien meinungsaeusserungsbuehne“ kontrolliert. das ist bei apple nicht der fall und deshalb die ganze aufregung ein bissel fuern arsch und am ende gerne in kauf genommen. (bad PR is good PR)

spannend wird’s wenn google seine appkataloge zensierte (android, google apps, kuenftig chrome os). gluecklicherweise hat’s die entwicklung so gefuegt, dass deren appmarkets als unterscheidungsmerkmal von apple halt explizit auf openness setzen. puh! ausserdem, „they don’t do evil“, also koennen sich alle wieder schlafen legen ;)

@ Sebastian

Ich kaufe mir kein iPad weil mein iMac im Wohnzimmer steht. Wenn meine Freundin dran sitzt oder ich unterwegs bin reicht mir mein iPod touch, da ich selten weit weg von einem Rechner bin. Also rein praktische, keine ideologischen Gründe.

Jetzt wirds lustig, jetzt beschäftigt sich sogar die Politik mit dem Thema?!?

„Die inhaltliche Einflussnahme von Apple ist ein Verstoß gegen die Presse- und Meinungsfreiheit, den wir so nicht hinnehmen können“, sagte Nikolas Hill, Hamburgs Staatsrat für Medien. Mehr dazu auf SPON

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,698914,00.html

Muss ein Kioskbesitzer demnächst jede Zeitung ins Angebot nehmen?