Harbig-Stadion #1 – Wer ist hier eigentlich der Böse?

· 25.03.2010 · 1 Kommentar

Liebe Kritiker, die Sie sich zur Zeit gar nicht mehr halten können, wenn es auf die Themen DYNAMO und RUDOLF HARBIG STADION kommt und die Sie partourt nicht davon ablassen wollen, von mutwilliger Verschwendung von Steuergeldern zu reden, da die Stadt Dresden den Verein finanziell dabei unterstützt, seine Stadionmiete zu bezahlen.

Wohlgemerkt – und das ist der Kern: Es geht hier nicht darum, daß Dynamo von dem Geld einen neuen Trainer verpflichten will oder ein Trainingszentrum in Dubai durchführen möchte! Es geht darum, daß man eine Spielstätte bezahlen kann, die so mehrheitlich vom Stadtrat gewollt wurde und die auf städtischem Grund und Boden steht!

Sie, liebe Kritiker, die Sie sich so vehement dafür einsetzen, daß das Geld doch viel besser bei Sportarenen aufgehoben sei, die ALLEN zu gute kämen, Sie möchte ich ein wenig erinnern an die Ausgangssituation!

Im Jahre 2004 saß die Stadt Dresden, 13. größte Stadt Deutschlands und Heimat eines europaweit bekannten Fußball-Traditionsvereins auf einem aussichtsreichen Aufstiegsplatz in die zweite Liga, eines Teams in der höchsten deutschen Football Spielklasse und dem Ruf einer Leichtathletikhochburg auf zwei völlig, aber wirklich völlig maroden und unwürdigen Sportstätten (Harbig Stadion und Steyerstadion)!

Sind Sie, liebe Kritiker, insbesondere liebe Vertreter Dresdner Sportvereine, wirklich der Meinung, die Stadt hätte damals einfach sagen sollen: Wozu ein Stadion mit überregionaler Bedeutung? Hauptsache jedes Mixed-Faustballteam hat neue Fliesen in der Dusche? Wohl kaum, nehme ich an! Jeder Amateursportler weiß schließlich um die Bedeutung des Leistungssports als Anziehungspunkt, als Strukturförderer (Vorbild für die Jugend, Aus- und Weiterbildung, medizinische Versorgung, Sportgymnasien, Sponsoring Knowhow, Medien usw.)

Und so stand es also 2004 zur Debatte, entweder das Rudulf Harbig Stadion oder das Steyer Stadion umzubauen oder sogar ein ganz neues Stadion zu erreichtn (auch diese Pläne gab es, ich finde sie nur im Netz nicht mehr).

Ich zitiere einen Artikel aus dem Portal Stadionwelt vom 08.01.2004:

Die Stadt Dresden hatte im Frühjahr 2003 einen Stadionneubau ausgeschrieben und daraufhin Angebote renommierter Bauunternehmer erhalten. Nun musste den Bewerbern jedoch aus finanziellen Gründen abgesagt werden. Ohne Fördermittel sieht sich die Stadt nicht in der Lage, das für das Ostragehege angedachte Projekt zu finanzieren. Das Stadion-Thema ist in Dresden allerdings nicht endgültig vom Tisch; sowohl das Rudolf-Harbig-Stadion wie auch das Heinz-Steyer-Stadion sind sanierungsbedürftig. Der Traditionsverein Dynamo Dresden steht auf einem aussichtsreichen Platz für den Zweitliga-Aufstieg. Aber keine der beiden Sportstätten -diesbezüglich gab es schon klare Signale vom DFB – ist zweitligatauglich.


Die Stadt hatte also nicht zu viel Geld für Dynamo! Sie hatte zu wenig!
Zuwenig jedenfalls, um eine Multifunktionsarena im Ostragehege zu finanzieren, welche auch Dynamo ausreichend Platz geboten hätte.

Am 13.09.2004 schreibt Stadionwelt

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rudolf-Harbig-Stadion und Ostra-Gehege in der Frage des Stadionneubaus in Dresden geht in die nächste Runde. Eine von der Konzept Planungsgesellschaft MBH erstellte Vergleichsanalyse bescheinigte beiden Standorten die Eignung für einen Neubau. «Ich präferiere, das Rudolf-Harbig-Stadion zu einem reinen Fußballstadion um- und das Heinz-Steyer-Stadion in eine Multifunktionsarena auszubauen», sagte Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) am Montag.“ Die «emotionale Entscheidung» wolle er nun dem Stadtrat überlassen. Roßberg sähe den Neubau allerdings gefährdet, «wenn das Thema erst in die Mühlen politischer Präferenzen» geriete. Zudem forderte er die Nutzung von Synergien ein. «Die Nutzung für nur eine Bundesligamannschaft ist nicht denkbar. Der ganze Spitzensport muss profitieren», sagte der Oberbürgermeister.

Neben dem Umbau des Stadions zu einer Arena mit 30 000 Sitz- und Stehplätzen nach DFB- und FIFA-Richtlinien sieht die Studie den Bau von Trainingsfeldern, Parkplätzen, Garagen, Fußwegen und Straßen vor. Die Kosten belaufen sich für die Heimspielstätte des Zweitligisten Dynamo Dresden an der Lennéstraße auf 42,03 Millionen Euro. Für das Areal Ostra-Gehege stehen 43,16 Millionen Euro zu Buche.

Es war also ein Kopf an Kopf Rennen und da hat die Lobby der Dynamofans sicherlich nicht unwesentlich zur Entscheidung des Stadtrats beigetragen. Denn die Fans, die wollten natürlich am Standort Lennestr. bleiben. Und so kam es auch:

17.12.2004

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden hat die Entscheidung für den Bau einer Fußball-Arena am Standort des Rudolf-Harbig-Stadions als Meilenstein bezeichnet. Mit knapper Mehrheit hatte sich der Dresdner Stadtrat am Donnerstagabend für die Ausschreibung des 42-Millionen-Euro-Projektes ausgesprochen. Pläne, eine bundesligataugliche Arena auf dem Gelände des Ostrageheges zu errichten, lehnte der Stadtrat ab.

Sprich: Es gab auch damals – also 2004 – nur eine echte Alternative zur jetzigen Lösung, namlich die, daß Steyerstadion zur Multifunktionsarena auszubauen und dieses dann u.a. an Dynamo zu vermieten.

Die Folge wäre gewesen, daß die Stadt dieses Projekt wahrscheinlich komplett hätte alleine stemmen müssen, denn es darf davon ausgegangen werden, dass sich nur sehr schwer ein Unternehmen gefunden hätte, welches in diesem Fall entsprechend als Vermarkter aufgetreten wäre wie im jetzigen Modell die Firma HBM, da immer das Risiko bestanden hätte, den Hauptmieter Dynamo zu verlieren an ein später gebautes reines Fußballstadion.

Vergessen wir nicht: Die Stadt hat zwar für den Neubau des harbigstadions eine Bürgschaft abgegeben! Sie hat aber verhältnismäßig wenig selber investieren müssen, schließlich fällt das stadion nach Ablauf des Erbbaurechts wieder an die Stadt zurück!

Das Harbigstadion wäre in diesem Falle aber an extrem prominenter Stelle vor sich hin vergammelt oder hätte abgerissen werden müssen, was am Ende auch nicht gerade umsonst ist..

Ich persönlich hatte damals diese Variante durchaus bevorzugt (was mich von ca. 99% der Dynamofans unterscheidet), sie hätte aber damals entschiedenes Handeln der Stadt (gegen die Interessen der Fans!) vorausgesetzt und hätte die Stadt wahrscheinlich viel mehr Geld gekostet, denn im Gegensatz zur den aktuellen Plänen für den kleinen Umbau des Steyerstadions hätte man das Steyerstadion auch DFB (Dynamo) und FIFA (Frauen-WM) tauglich machen müssen, sprich wesentlich größer dimensionieren).

Den „kleinen“ Vereinen hätte dies aber im Übrigen genauso wenig genützt.

Die Stadt hat damals eine Entscheidung getroffen, die Dynamo sicherlich durch seine Macht als populärster Verein mit beeinflusst hat. es ist abr nicht so, daß Dynamo einen Wunschzettel ausgefüllt hat und die Stadt blind alles eingekauft hat, was da drauf stand.

Demnächst mehr in Teil 2… oder auch nicht

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