statt Marketing: Ideen für Dresden Teil 6 „sonntags zu – aber weltoffen“

· 15.02.2010 · Keine Kommentare

Dresden buhlt um Ausländer, schrieb neulich die Sächsische Zeitung. Mir kommt es weiter so vor, als würde Dresden eher um Ausländer bowlen. Finger in die Kugel, Augen zu und voll auf die Zehn! Wumms! Aber zur Sache: Mit einem neuen Marketingkonzept und dem Leitmotiv „Weltoffenheit“ will das Marketingteam der Stadt seit diesem Jahr ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit setzen, was natürlich – aus Sicht des Marketeers – schon in sich ein riesiger Fehler ist! Denn erstens gesteht man somit öffentlich ein, dass man dieses Problem überhaupt hat UND will gleichzeitig auch noch vorgeben, dass man es aber eigentlich wieder nicht hat! Na aua!

Wenn, liebe weibliche Leserinnen, sich Ihnen ein Verehrer vorstellt mit den Worten „Ich bin nicht impotent“, was geht Ihnen dann durch den Kopf?

A „Wow, ein echter Hengst“ oder

B „Ok, er ist also nicht impotent, aber entweder haben das einige schon gedacht, also kann er ab und zu nicht oder er ist ein totaler Kommunikationsidiot!“

Nun ja, wie dem auch sei, lassen wir das mit dem Sex lieber an dieser Stelle.

Dieses Jahr jedenfalls ist Dresden eine „weltoffene Metropole der Kunst“. Bisher hat das dazu geführt, dass eine Menge Türken in Deutschland sich verschaukelt fühlen, weil die Werbung zur Eröffnung der Türckischen Cammer das alte „Ü wie Üzdemir Spiel“ aufgreift und KÜLTÜR-Geschichte verspricht (Note: Ungenügend) und dass man sich endlich auf ein gemeinsames politisches Bündnis gegen den Aufmarsch von Neonazis zum 13. Februar einigen konnte (Note: inhaltlich sehr gut, aber leider ungültig wegen verspäteter Abgabe, sprich Umsetzung).

Leider gibt es aber noch einen weiteren ganz entscheidenden und im wahrsten Sinne des Wortes extrem (!) bösen Haken bei der Formulierung „Stadt der Kunst“, wenn man die Fortsetzung des Leitthemas im nächsten Jahr betrachtet.

Denn wenn Kirchentag und Frauenfußball-Weltmeisterschaft stattfinden, will sich Dresden als „Weltoffene Stadt der Bewegung und Begegnung“ vermarkten und spätestens da klingelt es im gut sortierten Historikerhirn, denn „Stadt der Kunst und Bewegung“… das gab es doch schon mal, oder? Und richtig, bereits im Frühjahr 1934 nannte Adolf Hitler München in einer Rede „die Hauptstadt der Kunst und unserer Bewegung“, im August ´35 verlieh Der Führer der Weltoffenheit der Stadt den Titel dann sogar „offiziell“.

Zum Glück ist „weltoffene Stadt der Bewegung“ bisher nur ein Arbeitstitel, den man noch korrigieren kann!

Wie wäre es mit: „Dresden – Stadt der göttlichen Komödie“. Das verbindet Kirchentag mit einem auf der ganzen Welt verstandenen Seitenhieb auf den Frauenfußball. Und schließlich wollen wir zwar weltoffen werden, aber „Frauenfreundliche Stadt der Ganztagserziehung“ oder „Umweltfreundliche Stadt der Kinder“ oder „Einkaufsfreundliche Stadt“, das alles kommt natürlich erst, wenn entsprechende Imageverluste diesbezüglich auftreten, zum Beispiel dadurch, dass man Frauenfußball lächerlich macht oder man nicht einmal mehr zum Advent sonntags einkaufen darf. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Wo heute meine Idee liegt? Schlag mal unter „Verluste vermeiden“ nach!

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