statt Marketing: Ideen für Dresden Teil 7- Entscheidungsspiel in Dresden

· 15.02.2010 · 6 Kommentare

Manchmal berichte ich in meinem Blog über Fußball! Außerdem veröffentliche ich die Kolumnen zum Thema Stadtmarketing in Dresden, die für das Subkulturportal banq.de entstehen. Heute widmet sich eine solche mit Fußball. Toll, oder?

Genauer gesagt geht es um das Dresdner Stadion; Und Dresden und sein Stadion, das ist eine unendliche Geschichte, bei der man eigentlich mal darauf wetten sollte, dass das Ding zusammen bricht oder abfackelt, bevor es abbezahlt ist. In England soll so was möglich sein.

Alleine die Eigentumsfrage! Wem das Stadion nun wirklich gehört, wer an wen wie viel Miete bezahlt, wer welche Vermarktungsrechte besitzt: So richtig blicken da ja offenbar nicht mal die Stadträte und Vereinsverantwortlichen durch, die an der ganzen Chose entscheidend beteiligt waren. Aber am Ende geht es ja auch nur um ein Bauwerk mit dezenten 40 Mio. Euro Baukosten, da kann man schon mal abwinken, was „Profis“ und der „Mob“ für notwendig halten.

Das vorneweg: Ich bezeichne mich nicht nur tatsächlich als Fan, ich fühle mich auch als einer!

Allerdings als einer von den wahrscheinlich genau sechs oder sieben Dynamofans in Dresden, die von Anfang an gegen die Entscheidung für ein reines Fußballstadion waren. Meiner Meinung nach hätte die Stadt dies überhaupt nie zur Diskussion kommen lassen dürfen zur damaligen Zeit. Also einer Zeit, in der Dynamo letzten Endes genauso wenig nach Bundesligafußball gerochen hat wie heute.

Natürlich: Man brauchte unbedingt ein neues Stadion, das ist unstreitbar! Das alte Harbig Stadion genügte den Ansprüchen (der Spieler, vieler Fangruppen, vor allem aber des DFB) nicht mehr. Warum allerdings bei der Entscheidung für den Bau auf Seiten der Stadt nicht klipp und klar gesagt wurde: „Wir unterstützen jetzt eine Allzweckarena mit Laufbahn, in dem auch Leichtathletikwettkämpfe stattfinden können – auch wenn Euch Fußballern das zu popelig ist. Aber eine Arena könnt ihr Euch bauen, wenn ihr in der ersten Liga seid! Dann sollte das auch finanziell zu stemmen sein.“, das habe ich nie verstanden. Und genau das wirft jetzt wieder Probleme auf, die niemals hätte entstehen dürfen, denn mal wieder ist der Punkt da, wo der Verein bei der Stadt um Unterstützung betteln muss, um im März bei der DFL „solide“ Lizenzunterlagen einreichen zu können und es ist eben nicht der „Dresdner Sport“, der da am Sparschwein zupft, es ist ein einziger Verein, eine einzige Mannschaft! Und die hat im Übrigen seit ihrer Gründung in einem Stadion mit Laufbahn gespielt und dort wesentlich größere Erfolge erzielt als die heutige in einer reinen Fußballarena, aber nun gut.

Es ist jedenfalls ein dermaßen vertracktes Konstrukt, was da beim Bau dieses Stadions entstanden ist, dass sich niemand wundern muss, dass Gerüchte und Unwahrheiten durch die Stadt ziehen, die abenteuerlicher daherkommen als die Tweets vom Twitter-Account „Gerüchte“ von transfermarkt.de.

Selbst der, der am Besten wissen sollte, wie die ganze Sache wirklich konstruiert ist, tut sich schwer, das Ganze zu erklären.

Axel Eichholtz ist Geschäftsührer der HBM Stadien- und Sportstättenbau GmbH und als solcher auch der Stadion Dresden Projektgesellschaft mbH & Co.KG, an der HBM mehr als entscheidend beteiligt ist und – wen ich es richtig verstehe – Eigentümer, des Stadions ist, bis dieses nach 30 Jahren an die Stadt Dresden übergeht.

In einem Interview mit dem Onlinemagazin Stadionwelt erklärt er:

„Die Stadt hat eine Ausschreibung gestartet, die Bau und Betrieb des Stadions bündelt. Das bedeutet für uns, dass wir nicht nur für den Bau sondern eben auch für die Vermarktung und den Betrieb verantwortlich sind. Es gibt sowohl an den Verein als auch an das Stadion gebundene Rechte, die vernünftige Konzepte in Abstimmung mit Verein und Stadt erfordern. Das allein macht die Sache kompliziert genug.“ Da sagt er was.

Dies sollte zunächst eine Art Nullsummenspiel für die Stadt bedeuten, da sozusagen die Baufirma durch den Betrieb ihre Kosten selbst erwirtschaften sollte. Im Gegenzug wurde allerdings eine Bürgschaft über 40 Millionen Euro fällig, von der eigentlich auch keiner so genau weiß, wann und wie sie ins Spiel kam und die zunächst auch vom Regierungspräsidium nicht genehmigt wurde. Laut Eichholtz habe die Stadt die Bürgschaft übrigens von sich aus angeboten, gefordert habe HMB das wohl zunächst – so mein Umkehrschluss – nicht. Das klingt alerdings nach Schabernack. Oder nach Dresden?

Jedenfalls sieht die Rechnung mittlerweile wohl so aus:

Zwölf Jahre hat sich der Verein vertraglich an die Betreibergesellschaft gebunden. Dynamo muss dabei rund 2,5 Millionen Euro jährlich aus eigener Tasche für Miete und Betrieb des Stadions abdrücken. Die Stadt, in deren Hände das Stadion nach Ablauf des Finanzierungsmodells nach 30 Jahren übergeht, gibt weitere 2,2 Millionen jährlich dazu. Dieses Jahr war es etwas weniger, da die Stadt ihren Zuschuss einmalig erhöht hatte.

Es ist also falsch bzw. zumindest nicht ganz richtig, wenn ständig die Rede davon ist, dass Dynamo Miete an die Stadt zahlt! Die Stadt beteiligt sich eher an der Miete, die der Verein bezahlt. Dafür aber geht das Stadion nach 30 Jahren wieder an die Stadt. Ihr gehört ja auch der Grund und Boden, über dessen Wert überhaupt niemand redet. Aber nun gut.

Den Mietkostenzuschuss soll die Stadt jetzt erhöhen, denn sonst sieht es wohl sehr, sehr düster aus für die Finanzen der schwarz-gelben. Und wahrscheinlich wird die Stadt auch nicht drum herum kommen, denn eine Kuh, die man noch melken will, die schlachtet man nicht, das gilt auch für schwarz gelbe Rindviecher.

Fakt ist: Eine insolvente SG Dynamo Dresden, die in einem FIFA tauglichen Stadion vor 1.000 Fans gegen Traktor Malschwitz spielt, die braucht niemand und die löst das Problem auch nicht. Immerhin hat man eine Bürgschaftserklärung unterschrieben: HBM also bekommt in jedem Fall das Geld und ist somit der Topwinner in diesem Konstrukt. Geht Dynamo insolvent, erzielt die Projektgesellschaft keine Miete und kann dann mit dem Bürgschaftszettelchen winken. So jedenfalls meine Lesart! Gearscht sind also in diesem Fall Dynamo UND die Stadt. Sollte die Stadt dagegen jetzt den Mietzuschuss erhöhen, so ist nur die Stadt (und somit der Steuerzahler) der Gearschte, Dynamo dagegen wird sich erst wieder melden, wenn es das nächste Mal eng wird.

Und was hat das mit Stadtmarketing zu tun?

Nun: Was ich mich halt frage ist, ob es nicht langsam Zeit wird, dass die Stadt Dresden auch mehr Gegenleistungen einfordert als ein Mitspracherecht bei der Einstellung von Führungspersonen. Immerhin zahlt die Stadt bereits heute mehr als jeder Einzelsponsor! Und während die Sponsoren in VIP Logen gute Geschäfte machen und sich deren Logos bei TV Zuschauern, Zeitungslesern und Trikotkäufern einprägen, hat die Stadt im Zweifel nur den Schaden des vermeintlich schlechten Images als „Raufhochburg alkoholisierter Fußballbanden“ (Das sind nicht meine Worte).

Wie wäre es denn zum Beispiel damit, neben dem Finanzausschuss auch seine Marketingleute mit ins Boot zu holen, um ein Konzept auf die Beine zu stellen, bei dem auch die Stadt profitiert, wenn man schon mir nichts dir nichts plötzliche mehr als eine Million Euro zusätzlich im Jahr entrichtet? Dafür erhalten in anderen Vereinen Sponsoren das exklusive Namensrechte am Stadion!

Und damit sind wir also beim Grund, warum dieser Text in meiner Kolumne zum Stadtmarketing auftaucht (ich stelle übrigens mir an dieser Stelle ein lang gezogenes „aaaah“ vor! Ungefähr wie bei Ballberührungen der ehemaligen Dynamolegende Marek Penksa. Mit dem Pops).

Jedenfalls: Ich weiß nicht genau, was der derzeitige Hauptsponsor im Jahr so an Dynamo bezahlt (darüber herrscht Stillschweigen), aber ich kalkuliere jetzt mal einfach mit 300.000 Euro, das dürfte nicht ganz sooo falsch sein, wäre etwa zwei Mal so viel wie bei den Stuttarter Kickers.

Wenn also die Stadt Dresden tatsächlich im nächsten Jahr zwischen 1 und 1,5 Mio Euro mehr Mietkostenzuschuss aufbringen sollte, so würde ich eindeutig dafür auch eine Gegenleistung fordern. Vielleicht mit einem fetten SEMPEROPER als Trikotaufdruck! Das würde bestimmt weltweit für Aufsehen sorgen als die wahrscheinlich erste Oper der Welt, die auf einem Fußballtrikot wirbt! Dem Image der Stadt und des Vereins würde es sicher nicht so sehr schaden, man darf von einem größeren Pressebahnhof ausgehen! Erst recht, wenn sich Musiker der Oper bei Heimspielen zum Musizieren und Singen bereit erklärte. Dazu eine sanfte, live eingespielte Suite, die aus Lautsprechern den Gästefans den Weg vom Bahnhof zum Stadion und zurück versüßt, was sollte beruhigender wirken….

Auch (THE HEART OF) SILICON SAXONY wäre ein gelungener Aufhänger, der der Stadt mehr bringen würde als die bloße Rettung des Vereins! Man könnte ja gleichzeitig den Verein davon überzeugen, gemeinsame Reisen durch gewisse asiatische oder arabische Staaten zu unternehmen, die als potentielle Investoren für die Halbleiterbranche in Dresden in Frage kommen. Vielleicht könnte man sich sogar darauf einigen, einen Spieler aus einem solchen Staat zu verpflichten, um die Bindungen noch enger zu machen. Vielleicht werden Spiele dort dann intensiv am TV verfolgt und ganz Arabien nimmt Dresden als Halbleitermetropole (mit weltberühmter Oper) wahr :-)

Ok, ich geben zu, die Beispiele sind jetzt etwas flachsig. Aber, ich finde, wer die Musik bezahlt, der darf sich auch das eine oder andere Liedchen wünschen. Und somit sollte die Stadt Dresden durchaus überlegen, welche Forderungen sie an weitere Zahlungen knüpft. Und mit etwas mehr Nachdenken kommen dabei auch gute Ideen raus!

Ich zumindest bin sehr gespannt, wie es weitergeht! Einige Kilometer liegen sicherlich noch vor uns, nicht umsonst ist das Stadion nach einem Mittel- und Langstreckenläufer benannt.

twitter share buttonFacebook Share