16. Juni 2012 22:00 Uhr Location siehe Text Talschock Open Air, Chemnitz
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29. Juni 2012 22:00 Uhr Location siehe Text Fusion, Lärz
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»Aaaaaaaaaah!« Brüllen Daniel Vognstrup und August Dyrborg, krachen los und haben dich im selben Augenblick da, wo du sein willst. Es ist dunkel und groß, es riecht nach Bewegung, nach Kontrollverlust und Schweiß. Ganz klar: Ohne Glücksgefühle gehst du hier nicht wieder raus.
»Handgemachter Drum’n'Bass, der technische Raffinesse mit der Attitüde von Punk vereint« kündigt das SPOT Programmheft Bottled In England an und behauptet weiter, dass es nur zwei braucht für eine Party.
Auf der Bühne blieben August am Schlagzeug und Daniel an Bassgitarre, Electronics und Vocals aber nicht unter sich. Sie verzichteten darauf, nur Samples von Streichern einzuspielen und ließen sich außer von Tobias Kvæde an der E-Violine bei einigen Stücken von Øresunds Kvartetten, einem klassischen Streichquartett, begleiten. Sängerin Katrine Brocks vereinnahmte nicht nur durch ihre starke Stimme und charismatische Ausstrahlung – nach ihren Gesangparts schob sie sich, mit ein paar Bierdosen in der Hand, durchs Publikum und tanzte vor der Bühne im Kreis ihrer Freunde weiter. Der Auftritt der Sängerin Maria Mortensen von Scarlet Chives, fügte der gewaltigen Musik eine weitere Klangfarbe hinzu, bevor Rapper Manky die brodelnde Stimmung in wieder eine andere Richtung schickte. Extra extra extra extra! weiterlesen…
Zwischen all den pulsierenden Elektropop-Acts des SPOT Festivals habe ich die zurückhaltenden, zarten Töne von Schultz And Forever bei meiner Vorbereitung vollkommen überhört. Wie gut, dass Andrea die Festivalvorwoche mit Falling ausklingen ließ und mir damit einen Anlass gab, die Show des 17jährigen Dänen doch auf meinen Timetable zu setzen. Und das gleich zwei Mal. Aus Gründen.
Auf dem SPOT Festival ließ Jonathan Schultz die Songs seines Solo-Projekts von ganz wunderbaren Musikern an Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und Violine begleiten. Sein Auftritt am Abend des ersten Festivaltags bewegte ganz ohne große Hits und wilde Beats auf stille, aber um so eindringlichere Art.
»Her name was Marsha and she died when she was ten.
Raped by her father until the very end.«
In seinem Zimmer schreibt der – man kann es gar nicht oft genug betonen – gerade mal 17jährige Jonathan Schultz seine Songs. Allein. Die Band ist mehr so eine Idee, er betrachtet Schultz And Forever als Solo-Projekt. Die abgelegene, ländliche Umgebung, in der er mit seinen Eltern wohnt, findet er inspirierend, erzählte er am Tag nach seinem Auftritt in einem Interview, zu dem ich Carsten vom uMag begleiten durfte.***
Dem Gespräch ging ein weiterer Auftritt von Schultz And Forever voraus – auf einem Hinterhof abseits des offiziellen Festival-Geschehens kämpften Jonathan und seine Band gegen Soundprobleme und Windböen. Die sonnige Vormittagsstimmung raubte den zerbrechlichen Songs ihre verstörende Atmosphäre. Schultz And Forever ist eben kein Frühschoppen-Act und vielleicht fehlt es Jonathan Schultz auch noch ein wenig an Erfahrung, um seine Songs live in ihrer ganzen Größe auszufüllen. Die wird er sich erspielen. Nicht nur ich bin überzeugt davon, dass wir von Schultz And Forever noch hören werden. Für’s Erste die Debüt-EP Odd Stories, die es in dieser Woche zum kostenlosen Download gibt.
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Ein Link zum Interview wird sehr bald nachgereicht, in der Zwischenzeit lest Carstens Blog Post Artcore!
Am Sonntag spielten die Russian Circles im Beatpol. Eine recht junge Band. Jung die Band an sich, wie die Mitglieder, ihr Auftreten. Sie haben sich 2004 gegründet und kommen aus Chicago.
Ich bleibe bei meinem Vergleich, dass ich sie von der Zuordnung her in den sogenannten Post-Rock stecken würde, obwohl sie sich selbst in einem Interview mal darüber lustig gemacht haben. Die Band geht mit der neuen CD Empros eindeutig in die Metal Richtung. Und so haben sie auch gespielt. Laut und schwingend.
Der Beatpol ist nahezu voll, was bei einem solchen Konzert schon mal wunderbar ist.
Schon bevor die Circles anfingen, haben sich einige die dazu passenden T-shirts gekauft und angezogen!. (Aleister Crowley ist auf einem abgebildet, oder ein Alter Ego Crowleys)
Es wird gejohlt, gebrüllt und gepfiffen.
Die drei Jungs der Circles stehen ruhig auf der Bühne und spielen nach einer Weile des Sound-Checks einfach los.
Für dieses Dröhnen geht eine ziemliche Ruhe von ihnen aus.
Ich habe es lauter erwartet, aber wie das mit den Erwartungen so ist. Von der Atmosphäre her ist es eines der angenehmsten Konzerte, auf denen ich in der letzten Zeit gewesen bin. Angenehm im Sinne davon, dass die Leute mitgehen und sie sind irgendwie beisammen. Im ganz alten Sinne. Und mit der Band, die da spielt. Trotzdem tauchen da alle in den Tönen wie für sich weg.
Das Konzert erfüllt auch das, was eine Live-Band geben kann, ohne dass sie ins Publikum springen oder selbst außer Atem kommen. So sehen die drei nicht aus. Nach eineinhalb Stunden purem Sound, mit in der sie eine erstaunlich saubere Mischung ihrer Lieder spielten, wird von Dave dem Schlagzeuger angesagt, dass sie schon gern länger spielen würden, aber Eric hat sich den Daumen gebrochen und deshalb… es gibt dennoch eine Zugabe. Und das Johlen hört auch dankbarer Weise danach nicht auf. weiterlesen…


Gema Liste der Hanson Brothers
Die Vorband ist eine kanandische Band, die sich die Invasives nennen. Ich habe sie mir angeschaut , obwohl es bei einem Punkkonzert oder Puck-Rock(Hockey!), wie es auf den T-Shirts von den Hanson Brothers steht, fast üblich ist, spät zu kommen und die Vorband zu verpassen.
Ich bin froh, daß ich die Invasives nicht verpaßt habe. Es sieht aus, als hätten die Jungs, (zwei Brüder; Adam und Byron Slack und ein dazugehöriger Schlagzeuger; Hans Anus. Was für Namen!) jede Menge Spaß mit dem was sie machen, obwohl sie gnadenlos jung aussehen, wenn man sie im Zusammenhang mit den Hanson Brothers sieht.
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Die smarte, unfaßbar englische männliche Begleitungsperson der Band reicht mir einen Block und Stift. Ich soll aufschreiben, um was es bei meinem geplanten Interview geht und wer ich bin.
Aber als ich schon zögere, stürzt Suzy von Prinzhorn Dance School aus dem Backstage, umarmt mich halb (wahrscheinlich weil ich im Weg stehe) und will wissen: “Hej hello, how are you doing?”
Ich meine, ich würde gern ein paar Fragen stellen. Ihre Hand noch auf meiner Schulter, sagt sie nach kurzem Zögern: Oh ok, give me five minutes, i need a towel.
Unterricht im Antirock
Braucht sie wirklich ein Handtuch? Prinzhorn Dance School sind das Duo Tobin Prinz und Suzy Horn aus Brighton. Sie ergänzen sich großartig auf der Bühne. Heisere Stimmen; Wie die Gitarren. Töne, Rufe: Ein Schrammen mit monotonem Unterton. Durch das Schlagzeug zieht es einen weiter. Teilweise auch zermürbend. Aber düster-warm. Gleich bleibend. In einer Weise verläßlich. Diese Musik schmeckt nach Keller und Clubs, wo um vier Uhr morgens noch ein paar Leute da sind und in der Ecke liegen, lehnen oder stehen… nein eben nicht stehen. Vielleicht schwanken.
Das ist durchaus eine Art Konzept der beiden, denn Prinzhorn Dance School gibt Unterricht im Antirockkonzert. Es ist eine Session, die mich sehr entfernt an Joy Division denken läßt, ohne den Pathos und die Schwermütigkeit. Es ist ein verweilen auf einer Soundlinie. Zug fahren im Depot. Und tatsächlich arbeiten sie zuhause in England in einer alten Kirche. Passender kann das gar nicht sein.
Man kann durchaus mitgehen, mit dieser Musik, aber Fragen wirft sie keine auf. Will sie auch nicht. Und wozu ein Handtuch? Doch Suzy hat sich offensichtlich verausgabt.
“Like it or not”, sagt Tobin selbst später im Gespräch
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Nias kommen auf die Bühne mit Lampen im Mund, die aussehen, wie Leuchtkapseln aus dem Angelbedarf. Das ist ihre einzige Auftrittsbeleuchtung und ich denke sofort, die Band hat Humor. Ein Witz, ein Spaß. Nicht neu, aber dennoch mal was anderes. (Ich denke an die Leningradcowboys, die mit weißen Elementen im Schwarzlicht auf die Bühne gekommen sind.) Es sieht gut aus und gibt mir einen Eindruck der Bühnenqualitäten der Band. Ihre Ansage ist unvermutet etwas schnodderig und schnell, endet mit “Viel Spaß” und selbst erklärend fügt der Sänger zwischendrin hinzu; Berlin eben.
Die stoische Kraft einer Maschine
Daß sich eine Band nach dieser Ansage dennoch so sehr ins Zeug legt, hätte ich fast nicht vermutet. Der Saal der Scheune füllte sich nur spärlich. Und dennoch legten sie los. Mit was für einem Verve!!! Und was für einer Kraft. Auch wenn der Schlagzeuger einen Beat spielt, den er stoisch wie ein Maschine durchzieht. Der Sänger tanzt fast, vom Licht unterstützt, was mich immer aufmerken läßt. Wird das Licht einer Show, wenn es eine ist, doch oft unterschätzt und das erzählt mir auch Tille, der Sänger von Nias nach dem Konzert.
Dass er diese übliche Beleuchtung brechen will. “Den Spot?” Frage ich nach und er nickt.
Und obwohl Nias mit einer Geschwindigkeit – die allein man der Band vorwerfen will (nicht den Sound, der ist laut und geht durch alles) – ihr Programm durchzieht, als hätte sie es eilig, ist da eine erstaunliche Intensität. Erstaunlich, denn es handelt sich um Pop! Das betitelt Tille später Gespräch selbst. Trotzdem brennt er auf der Bühne, was fast schon paradox ist. Wo wird im Pop gebrannt??
Warhol, Hendrix, John Lurie
Pop brennt nicht. Pop unterhält. (fragt Warhol, den großen Löscher der sechziger Jahre! Er hat den Pop mitbegründet in einer Zeit, wo wahrscheinlich zu viel ver- und gebrannt wurde!) Pop ist die Methode eine melodische Ruhe einkehren zu lassen. Aber so ruhig ist Nias nicht. Melodisch durchaus, wenn einem das Tempo und die Stetigkeit gefällt. Ich denke an Balladen und Hardrock. Seltsam, denn das paßt erst einmal in keiner Weise zu dieser Band. Das bedeutet, sie können auch anders.

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Es gibt eine Menge Berge, die diesen Namen tragen, aber auch eine Band, ehemals nur Washington, jetzt Mount Washington, aus Norwegen. Es klingt nach dem Spielen mit Klischees.
Ich kam fast zu spät, um einen komplexen Eindruck von der Band zu bekommen, aber vielleicht auch nicht, denn die sechs Lieder, die ich hörte , umfaßten schier das ganze Spektrum von Pop zu Folk zu Space .
Als ich nach dem Konzert am Tresen, wo die Cds und T-Shirts ausliegen, ankündige, daß ich ein paar Fragen zur Band stellen will, wird der Sänger geholt (nach dem scherzhaften Hinweis, ich könnte so tun, als hätte ich das ganze Konzert gehört, er hätte die Tracklist noch da.), mit den Worten, „than you should talk to our singer“, obwohl ich durchaus mit allen sprechen wollte. Aber so spreche ich mit Rune Simonsen.
Ich kündigte mich höflich an, denn diese Band lädt tatsächlich ein – zu Höflichkeit. Niemand flippte hier aus, niemand schrie herum, das Publikum wiegte sich, oder wurde gewiegt, es ist ein stiller, wenn auch tragender Pop.
Zwei von der Band (Norweger) kennen sich schon seit Ewigkeiten, wie das in richtigen Bands wohl immer so ist. (Richtige Bands im Sinne davon, daß es kein kurzweilig geplantes Konzept ist, sondern mit Spaß beginnt. Arbeit und Spaß im besten Sinn, der dann hörbar wird.) Die anderen beiden sind Dänen, der vierte im Bunde ist noch nicht lange dabei. „Aber es kommt mir schon länger vor.“ sagt Rune und schlägt dem Betreffenden freundschaftlich auf die Schulter… Da ist er wieder; der Spaß.
Ich habe Rune gefragt, bei welcher Band er sich freut, wenn sie mit ihr verglichen werden. Das kann er nicht beantworten. „Thats a difficult question.“, sagt er. Eher provokativ. Welche Band will schon verglichen werden, obwohl es ständig getan wird, aber er antwortet; „Ich kann nur sagen, was wir gerne hören, was wir mögen“, und er antwortet: Broken Social Scene. Die in mir stets die Assoziation einer großen befreundeten Musiker-Gruppe auslösen, was sie ja auch sind und in der Tat ist Mount Washington nicht weit davon entfernt. Auch dieses Herumprobieren oder eher Stromern im musikalischen Metier. Mount Washington ist im Pop nicht eindeutig festzulegen, dennoch ist für mich erstaunlich, daß Rune als erstes von elektronischer Musik spricht, als er sich irgendwo musikalisch verankern will. Auch wenn sie Postrock selbst sehr mögen und hören. weiterlesen…
7. März 2012 20:30 Uhr Thalia VVK: 6€ / AK: 8€
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Kirsten Fuchs, zu einiger Berühmtheit auf den Lesebühnenbühnen dieses Landes und durch die 3sat-Serie “Nicht der Süden” gemeinsam mit Autorenkollegen Volker Strübing (u.a. auch Kloß & Spinne) gelangt, schreibt auch sehr viel. Kolumnen für Das Magazin zum Beispiel oder Bücher. Eine Frau spürt so was nicht habe ich kürzlich gelesen und da der Auftritt der Autorin in Kürze bevorsteht, tippe ich im Folgenden meine Meinung dazu, dies ist also gleichzeitig auch Rückblick #23.
Kirsten Fuchs schreibt keinen Frauenroman. Wir lesen nix von langen Fingernägeln und Fönwellen, Cocktailschirmchen und Parfüm, Männern in Maßanzügen oder Cabrios. Eine Frau wie Kirsten Fuchs lebt so was nämlich nicht. Behaupte ich jedenfalls. Das ist eine wie Du und Ich: Faul und schläfrig den ganzen Tag in Schlumpihose mit Kaffeebecher in der Hand durch die leicht chaotische Wohnung schlurfen. Mal so richtig feiern gehen, ordinär und laut dabei sein, aber immer noch niedlich. An Pincodes verzweifeln, die Katze ständig streicheln und insgeheim manchmal treten wollen, Oma anrufen, sich in Outdoor-Läden überfordert fühlen. Folgerichtig ist auch ihr Alfred eben Mann mit Bauch, ein Typ mit Gemüt. Es wird ein bisschen geätzt in diesem Buch, aber kumpelhaft. Es wird geflucht in diesem Buch, aber lustig. Dem Irrsinn eines stinknormalen Alltags noch Berichtenswertes abringen und damit nicht langweilen, das gelingt der Berlinerin (geboren in Karl-Marx-Stadt) mühelos.
Schatz und Liebchen zum Beispiel – die treffenden Beschreibung symbiotischer Paarbeziehungen. Oder die Ausführungen über Streitkultur unter Anleitung einer Lebensberatung – von CD versteht sich. Kinder – des Wahnsinns fette Beute, aber sooo süß. Die Mitdreißigerin beobachtet genau und formuliert deutlich, bleibt dabei aber so zynisch wie liebevoll. Man sollte das Buch vielleicht dosiert konsumieren, zwei drei Geschichten pro Tag, so hat man nicht nur länger etwas davon, sondern ermüdet auch nicht vorschnell am Humor der Autorin. Mein ganz persönlicher “Nachteil” war, dass ich viele der Geschichten schon kannte – hatte ich doch just im Jahr vor Erscheinen des Buches ein Magazin-Abonnement und somit mehrere ihrer Kolumnen schon gelesen.
Dem Buch liegt eine CD mit zwölf Aufnahmen bei, die einen Eindruck davon hinterlassen, wie es am 7.3. (dem Nachholtermin vom November) zugehen könnte: Sehr lustig. Und sehr wahrhaftig.
Rückblick #22 – vorher gab es den hier
Mihály (36) ist mit Frau Erzsi (Die ideale Repräsentier- und Hausfrau … bis ins Mark konform) auf Hochzeitsreise in Italien. Ein bürgerliches, angepasstes Leben in vernunftbasierter Ehe steht den beiden bevor, wenn, ja wenn Mihály nicht vorübergehend ausbrechen würde aus dem Konstrukt Bürgerlichkeit. Die Begegnung mit seinem alten Bekannten János Szepetneki, einem Schwätzer und Hochstapler, weckt die Geister seiner Jugend. Kurz darauf steigt Mihály „versehentlich“ in den falschen Zug, fährt in eine andere Richtung als seine Frau und tritt die Reise zu sich selbst an.
Umhüllt von stimmungsvollen Bildern italienischer Städte und Landschaften erfahren wir in Rückblenden vom Geschwisterpaar Tamás und Evá Ulpius, die sich Konventionen widersetzend und von einer geheimnisvollen, morbiden Aura umgeben, Mihály, János und andere Freunde in der Jugend stark beeinflussten. Mit Tamás (voller Todessehnsucht) und Evá (schön, exzentrisch und rätselhaft) improvisierten die Freunde Theateraufführungen, tranken heftig und verloren sich in dieser Konstellation aus Liebe, Leidenschaft und Abhängigkeit im „Ulpius-Kreis, der für Mihály die einzige Realität darstellte”.
Mihálys Sehnsucht nach der Jugend, den alten Freunden und sein beinahe fiebriges Umherirren in Italien bringen ihn zu der bitteren Erkenntnis, „was ihn bei seiner Flucht eher instinktiv gesteuert hatte: wie sehr er sein erwachsenens oder pseudo-erwachsenes Dasein für verfehlt hielt, seine Ehe inklusive, und wie wenig er wußte, was er anfangen sollte, was er von der Zukunft noch zu erwarten hatte und was er machen sollte, um sich selbst zu finden.“ Seinen eigenen Interessen nie folgend steckt Mihály mittendrin in der Midlife Crisis, wie man es wohl heute nennen würde.
Die permanente Anwesenheit des Todes in diesem Roman ist etwas anstrengend und die Suche nach dem Sinn des Lebens oft sehr pathetisch, aber Antal Szerb, der “Reise im Mondlicht” 1937 schrieb, ist auch gnadenlos spöttisch und sehr genau in seinen Beobachtungen. Wirklich sympathisch wurde mir dennoch nicht einer der Protagonisten.
Nach einigen Irrungen und Wirrungen – jeder ist auf irgendeine Weise mit dem anderen verbunden – löst sich der Knoten auf: Erzsi und Mihály gibt es als Paar nicht mehr, Mihály kehrt resigniert zurück in sein angepasstes Leben und hofft: Und solange man lebt, weiß man nicht, was noch geschehen kann.
Und wie halten sie das Leben aus?
Rückblick #21 – ein weiterer Tipp verbirgt sich hier.
Allan Karlsson haut ab. Ein Hundertjähriger, der sich ziellos, aber unbeirrt auf den Weg macht, quer durchs Stiefmütterchenbeet vorm Altersheim, in brauner Hose, braunem Jackett, braunen Pisspantoffeln – denn Männer in seinem Alter können selten weiter als bis zu ihren Schuhen pissen. So der Einstieg bzw. Ausstieg in “Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand”.
100 Jahre alt wird er, der Allan, aber lieber vollführt er eine schlecht geplante Flucht, als dass er sich von Bürgermeister und Altenheimbelegschaft feiern lässt. Der Mann braucht Schnaps! Die Mauer, die ihm zunächst den Weg versperrt, “kaum über einen Meter hoch, aber Allan war ein Hundertjähriger, kein Hochspringer”, ist nur ein kleines Hindernis auf dem Weg nach Irgendwo. Im Reisezentrum der schwedischen Kleinstadt klaut er aus Versehen mal eben 50 Millionen Kronen der schwedischen Drogenmafia, was zwangsläufig ein bisschen Aufregung ins Leben bringt – ein Leben, das ohnehin als turbulent zu bezeichnen ist.
Kauzig ist Allan, humorvoll dazu und er schlurft und schlurfte mit viel Dusel und der richtigen Einstellung durch die Welt und die Jahrzehnte: “Aber in das Tun und Lassen anderer Menschen hatte er sich noch nie eingemischt, nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ, was ja meistens der Fall war.” … “Allan gehörte nicht zu den Menschen, die mit zu hohen Erwartungen (oder zu geringen) an die Geschehnisse herangingen. Was passierte, passierte eben, es lohnte sich einfach nicht, sich schon im Voraus den Kopf darüber zu zerbrechen.“
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