Iceland Airwaves 2016 – der Samstag der starken Frauen(stimmen)

· 30.10.2016 · Keine Kommentare
5. November 2016
Location siehe Text, auswärts

Blue Lagoon Chill // Iceland Airwaves 2012

Blue Lagoon Chill // Iceland Airwaves 2012

Was ist eigentlich aus dem famosen Blue Lagoon Chill geworden, mit dem man sich am Samstagvormittag ins Iceland Airwaves katern konnte? Der letzten Hinweis auf diesen Event findet sich im Oktober 2014 auf der Facebook-Seite des Festivals. Was passierte denn danach damit? Weiß das hier jemand? Muss ich die Badehose nicht einpacken?

Dafür gibt Björk dieses Jahr ein supermegaexklusives Konzert im großen Saal der Harpa. Die Tickets dafür sowie für die (später rasch hinzugefügte) Zusatzshow kosteten gleich noch mal so viel wie das Ticket für das gesamte Festival und waren trotzdem innerhalb von Minuten ausverkauft. Allen, denen das zu schnell ging, zu teuer war oder denen es nie genug Björk sein kann, sei die Ausstellung Björk Digital empfohlen. Das experimentelle Virtual Reality Projekt wird sich an allen Festivaltagen auf der Ostseite der Harpa über drei Ebenen erstrecken und möchte die Möglichkeiten von Björks Musik in Verbindung mit innovativer Technologie erforschen. Leider werden auch dafür wieder extra Tickets benötigt, die für umgerechnet gute 23 Euro hier erstanden werden können.

Ganz ohne extra Tickets lassen sich im gewöhnliche Musikprogramm des Festivals auch am Samstag einige Highlights entdecken. Obwohl man es mir mit weiblichem Gesang oft genug nicht recht machen kann, weil ich diesen als zu quäkig, zu piepsig, zu gewöhnlich oder zu angestrengt empfinde, stehen in meiner Samstagsauswahl erstaunlicherweise ausschließlich Acts mit weiblichem Stimmen im Fokus. Eine Playlist gibt’s bei Spotify.

20:00 • Karó • Nasa
Karólína Jóhannsdóttir gehört zum Künstlerkollektiv um die Retro Stefson-Brüder Les Frères Stefson. Als Karó hat sie bisher erst zwei Songs veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit Logi Pedro Stefánsson entstanden sind: Electro-Pop mit Ohrwurmpotential und einer tollen Stimme.

 
21:20 • The Internet (US) • Valshöllin
Die beiden Hauptprotagonisten von The Internet haben sich – haha – im Internet kennengelernt, genauer 2008 bei Myspace. Matt produziert und spielt Synths, Syd ist ebenfalls Produzentin und mit einer herausragenden Stimme und – soweit das Videoclips transportieren können – Ausstrahlung gesegnet. Für ihre Live-Shows werden The Internet zur sechsköpfigen Band und man sollte sich vom Pressefoto nicht in die Irre führen lassen: Hier gibt es trippigen Electropop mit einer dicken Portion Soul.

 
22:30 • aYia • Húrra
Das Trio aYia aus Reykjavík ist noch so neu, dass es mit Water Plant bisher erst einen einzigen Song zu hören gibt, der Anfang Oktober veröffentlicht wurde. Der Song erschien über Bedroom Community und lässt mit seinem Hitpotential aus tiefen Beats, eindringlichem Gesang und dieser betörenden klirrend-isländischer Atmosphäre das Erwartungsherz ganz hoch schlagen.

 
23:30 • Kate Tempest (UK) • Gamla Bíó
Kate Tempest ist wahrscheinlich die Künstlerin im Airwaves-Lineup, auf die ich mich am allermeisten freue. Ihr kürzlich veröffentlichtes Album Let Them Eat Chaos hat mich augenblicklich gepackt, beschäftigt, berührt und seitdem nicht mehr losgelassen. Auf Let Them Eat Chaos erzählt die britische Rapperin Geschichten und Gedanken von sieben Menschen, die im selben Moment (4:18 Uhr) in derselben Stadt (London) wach sind. Let Them Eat Chaos ist alles – düster, visionär, dystopisch und absolut süchtig machend; „das Album des Herbstes. Mindestens.“, schreibt Florian Werner in der Zeit.

 
23:40 • Jennylee (US) • Iðnó
Die Warpaint Bassistin Jennifer Lee Lindberg veröffentlicht unter dem Künstlernamen Jennylee ihre Solosongs. Ende 2015 erschien ihr Debütalbum Right On! und vielleicht lässt sich zwischen den tiefen Basslines und dem entrücktem Gesang ein bisschen von der verwaschenen, düsteren Atmosphäre finden, die der neuesten Veröffentlichung von Warpaint abgeht.

 
00:30 • Gangly • Gamla Bíó
Das Trio Gangly wird schon im Vorfeld als eines der absoluten Must-sees des Iceland Airwaves gehandelt. Zunächst wohl eher als mysteriöses neues Projekt kommuniziert, ist inzwischen klar, dass es sich hier um die nächste isländische Supergroup handelt: Sindri Már Sigfússon (Sin Fang), Úlfur Alexander Einarsson (Oyama) und Jófríður Ákadóttir (Samaris) haben als Gangly bisher zwei düster-schöne Singles irgendwo zwischen R&B und Electronica mit schleppend-sinnlichem Gesang und so ansprechenden Textzeilen wie “Could you fuck with someone else, I’m so tired.” veröffentlicht. Für’s Airwaves versprechen sie eine Show für Augen und Ohren.

 
01:40 • Konni Kass (FO) • Iðnó
Konni Kass von den Faröer Inseln steht seit dem diesjährigen Spot Festival auf meiner Want-to-see-Liste, vor allem weil the one and only Klaus Fiehe im Anschluss an ihre Show das Schwärmen nicht aufhören konnte. Ich bin noch nicht entschieden, ob das eine Stimme ist, mit der ich für mehr als zwei Songs etwas anfangen kann, aber sollte ich am Iceland Airwaves Samstag zu so vorgerückter Stunde noch über einigermaßen wache Augen und Ohren verfügen, werde ich versuchen, das herauszufinden.

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